59
nur verheimlichte um desto verführerischer für We-nige zu werden; ungesellig aber wohlwollend: unbe-liebt aber geachtet; vom schroffcsten Benehmen, abervon den glühendsten, obwohl sorgfältig verborgen ge-haltenen Leidenschaften, vereinigte dieser Mann AlleSin sich, -was die gemeine Masse seiner Nebenmen-schen znrnckstößt und die seltenen, poetischen Gemü-ther unwiderstehlich gewinnt nnd bezaubert. DiesenEigenschaften gesellten sich eine Haltung und Gestaltvon jener hohen, gebietenden Art zu, worin Män-ner fälschlicher Weise Arroganz und Anmaßungsehen, während Frauen sie im Verhältniß des Ge-gensatzes, den sie zu ihrem eigenen Wesen bildet,überschätzen. Ueber dem Ursprung der tiefen, ereig-nis-vollen Liebe zwischen jenem Menschen und Isabel-len schwebte etwas Geheimnis-volles, das wir nievöllig zu erforschen vermochten. Worin es immerbestand, so schien cs den gewöhnlichen Gang dieserLeidenschaft zu beschleunigen nnd auf einer besondernHohe zn erhalten, und als sich im dämmerigen Zwie-licht, unter dem erste» melancholischen Lächeln desfrühesten Sterns, ihre Herzen vernehmbar gegen ein-ander öffneten, war ihr Geständniß im Stillen schonlängst ausgesprochen worden, und stand in das in-nerste Heiligthum ihrer Seelen bereits eingeschrieben.
Aber diese Leidenschaft, die unter glücklichenVerhältnissen begonnen, nahm bald einen trübenCharakter an. War es die Hoheit, womit der Ge-liebte Jsabclleus auftrat, eine Eigenschaft die an