Druckschrift 
1 (1836)
Entstehung
Seite
36
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und mehr künstliche Aneignung finde, als bei demverheirateten: er sucht ein imaginäres Vcrhältnißdarzustellen. Bei uns befinden sich alle Stände imFall ron La Bruyeres Junggesellen: alle zielenauf eine eingebildete Stellung, eine Stufe überihrer wirklichen, und werfen sich in die Würde die-ser erträumten Barataria. Der sinnreiche Verfasserdes Op in Messers hat bemerkt, die Familie einesBischofs zeichne sich meistens durch ihren Stolz ans.Die Ursache ist weil die Familie eines Bischofseine unbestimte Stellung einnimt und immer fürch-tet, man möchte sie nicht hoch genug ansezzen: einBischof gehört zur Aristokratie, seine Familie aberblos zu den gebildeten Ständen. So ist wiederumdie Anmaßung und Anfoderung natürlicher Söhnesprichwörtlich geworden: der Grund ist derselbe. Jaes frage Jeder nur sich selbst : sind wir nicht Allebescheiden, wenn wir uns in dem Werth anerkantfühlen, den wir uns selbst zulegen zu dürfen glau-ben , und andrerseits Alle in dem Vcrhältniß zurPräsumtion geneigt, worin wir fürchten unter Gc-bür angeschlagen zu werden?

In allen andern Ländern wo es eine sehr mächtigeAristokratie gibt oder gegeben hat, sind die Abgren-zungen, die sie zwischen sich und der übrigen Gesell-schaft zog, markirt und schneidend; sie hat haupt-sächlich nur innerhalb des ihr besonders angewiesenenKreises gelebt, sich verheirat, sich umgesehen. InDeutschland hat der Graf von sechzehn Ahnen keine