Druckschrift 
1 (1836)
Entstehung
Seite
35
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LS

der Andern durch Verzichtleistung auf di« Unabhän-gigkeit der eigenen Meinung zu erkaufen.

Daher denn auch jener so auffallende Zug inunserem Nationalkarakter: unsere Zurükhaltung undunser mehr Unzufriedenheit als Würde aussprechendeHochmuth, welcher der Aerger, das Erstaunenund das Sprichwort all unsrer Kontiuentalgäste ist.Da ausser den ganz Vornehmen (bei welchen dieäusserlichen Kennzeichen meistens wegfallen) Niemandeine wirklich feste Stellung in der Gesellschaft ein-mmt, kann man sich bei jeder Aufmerksamkeit,die man einem scheinbar Gleichen erweist, entwederdurch eine Bekantschaft herabwürdigen, die jener überRespektabilität entscheidenden imaginären Vorzügegänzlich entbehrt, oder andrerseits sich der Krän-kung einer kalten Abweisung von einem Menschenaussezzen, der, ans uns unenthüllbaren Gründen, seineeigene Stellung für minder zweideutig hält, als dieunsrige. La Brnyere bemerkt, da der Rangunverheirateter Männer minder bestimt sei, als der-jenige der verheirateten, sofern jene durch ihre künf-tige Verbindung sich noch erheben können, sowürden sie in der Gesellschaft gewöhnlich um eineStufe höher, als ihnen im strengen Sinn gebüre,gestellt. Ein andrer französischer Schriftsteller hatin einem Kommentar zu der angeführten Stellebemerkt, dies sei denn auch einer der Gründe, wes-halb man bei dem unverheirateten Mann der feiner«Gesellschaft in der Regel weniger wahre Würde