Vorbericht öes Verfassers
Es scheint zu den Launen der Literaturgezählt werden zu müssen, daß eine Person,deren Leben ein unverwischbares und allge-meines Interesse erregt, deren Geschick an undfür sich ein Gedicht, deren Kampf an und fürsich ein Drama war, den dramatischen Dichterbisher unbegeistert ließ, so 'daß sie der Wie-derauflebung auf der Schaubühne entging.
Wenn es wahr ist — wie ich es dennfür unbestreitbar halte — daß das große Ma-terial dramatischer Darstellung nicht so sehr inder Analyse einer einzigen Leidenschaft, son-dern in der Abschilderung einander entgegen-gesetzter und widerstreitender Leidenschaften liegt,so dürste kaum in dem Berufe des dramati-schen Dichters ein anschmiegender gediegenererStoff sich darbieten, als die Liebe und dieReue, der Sturz und die Buße der HerzoginDe la Valliüre. Der strengste 'Gegensatz derMotive, der lebhafteste tragische Kamps zwi-schen Herzensneigung und Grundsatz in der