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Brust eines Weibes ist jederzeit der, welchersich durch das Ringen der Liebe mit dem Ge-wissen erhebt. Des Ferneren entbehrt dasDrama, welches solchen Stoff verarbeitet, nichtim geringsten einer hohen und eindringlichenMoral, wenn bei allen Zugeständnissen undTriumphen der Liebe zuletzt das Gewissen denSieg davon trägt.
Die Geistesrichtung der Dame De laVallivre war keine von der höchsten Art. Beiihr befand der Sitz des Vernunftvermögenssich im Herzen; allein eben ihre Schwäche,weil diese mit so achtem Zartgefühl und sotiefer Keuschheitregung verbunden war und da-durch verschönert ward, macht den Charakterdieser Frau für die Schaubühne um so wirk-samer; denn der Pathos leitet sich selten vondem Ernste rein intellektueller Eigenschaftenher, und durch unsere Sympathie mit den Ge-brechlichkeiten unserer Natur werden wir überden Charakter einer Luise De la Vallivre zuSchlußfolgerungen hingeleitet, die denselbenläutern und erhöhen. Die Philosophie desDrama's ist die Metaphysik der Leidenschaften.
So gewiß nun der Charakter der Heldinvorliegender Arbeit in hohem Grade drama-