E. L. Bulwer's Werke Aus dem Englischen. Dreimidachtzigstes Vimdchen. Die Herzogin De la Balliere. Stuttgart, Verlag der I. B. Metzler'schcn Buchhandlung. 1840 . Die Herzogin De la Balliere. Ein Drama in fünf Acten. Vom Verfasser des „Eugen Aram," „Paul Clifford," „Dcvereur," „Rienzi" re. re. Aus dem Englischen von vr. Georg Nicotans Värmann. (»Geboren für die Leidenschaften und die Rene."> tot. V. i8c. I. Stuttgart, Verlag der I. B. Metzler'schen Buchhandlung. 1840 . Vorbericht öes Verfassers Es scheint zu den Launen der Literatur gezählt werden zu müssen, daß eine Person, deren Leben ein unverwischbares und allgemeines Interesse erregt, deren Geschick an und für sich ein Gedicht, deren Kampf an und für sich ein Drama war, den dramatischen Dichter bisher unbegeistert ließ, so 'daß sie der Wie- derauflebung auf der Schaubühne entging. Wenn es wahr ist — wie ich es denn für unbestreitbar halte — daß das große Material dramatischer Darstellung nicht so sehr in der Analyse einer einzigen Leidenschaft, sondern in der Abschilderung einander entgegengesetzter und widerstreitender Leidenschaften liegt, so dürste kaum in dem Berufe des dramatischen Dichters ein anschmiegender gediegenerer Stoff sich darbieten, als die Liebe und die Reue, der Sturz und die Buße der Herzogin De la Valliüre. Der strengste 'Gegensatz der Motive, der lebhafteste tragische Kamps zwischen Herzensneigung und Grundsatz in der 6 Brust eines Weibes ist jederzeit der, welcher sich durch das Ringen der Liebe mit dem Gewissen erhebt. Des Ferneren entbehrt das Drama, welches solchen Stoff verarbeitet, nicht im geringsten einer hohen und eindringlichen Moral, wenn bei allen Zugeständnissen und Triumphen der Liebe zuletzt das Gewissen den Sieg davon trägt. Die Geistesrichtung der Dame De la Vallivre war keine von der höchsten Art. Bei ihr befand der Sitz des Vernunftvermögens sich im Herzen; allein eben ihre Schwäche, weil diese mit so achtem Zartgefühl und so tiefer Keuschheitregung verbunden war und dadurch verschönert ward, macht den Charakter dieser Frau für die Schaubühne um so wirksamer; denn der Pathos leitet sich selten von dem Ernste rein intellektueller Eigenschaften her, und durch unsere Sympathie mit den Gebrechlichkeiten unserer Natur werden wir über den Charakter einer Luise De la Vallivre zu Schlußfolgerungen hingeleitet, die denselben läutern und erhöhen. Die Philosophie des Drama's ist die Metaphysik der Leidenschaften. So gewiß nun der Charakter der Heldin vorliegender Arbeit in hohem Grade drama- 7 tisch ist, so schwierig bleibt es, die Begebenheiten ihres Lebens innerhalb die Grenzen eines Schauspiels zu drängen. Wahrscheinlichkeit erheischt von uns für den Gang der Handlung, für jenen traurigen, nicht plötzlichen, jedoch stätigen Ucbertritt von Unschuld zu Glanze, von Vergöttertwerden zu Verlafsensepn, von Verlafsensepn zu Buße und Andachtleben einen Zeitraum von acht Jahren anzunehmcn; und besonders wird der sinnige Leser in der Stille diejenige Zwischenzeit, die zwischen dem zweiten und dritten Acte liegen muß, als eine solche Frist abmcssen, wie sie ihn bedünken mag, zu harmonischer Verschmelzung der Dichtung mit der Thatsache nothwendig zu sepn. Die Zeit des Haderns über die dramatischen Einheiten liegt hinter uns. Die Einheit des Charakters — die einzige eigentlich, welche von Aristoteles unbedingt zum Grundsätze gemacht wird — ist auch die einzige, die von jeglicher Zeit und jeglicher Kritik als wesentlich und unerläßlich gefordert werden muß. Wenn der Stagirit den Euripides wegen Verletzung der Einheit seines Charakters der Jphi- genia tadelt, weil dieser demselben in der einen Rede Gesinnungen beilegt, die dem in frühe- 8 rcn Reden dargelegten Charakter durchaus widerstreitend und gänzlich unvereinbar mit demselben sind, so bewies jener große Philosoph uns durch ein höchst glorreiches Beispiel nur das, was uns zu sagen die gesunde Vernunft allein hinreichend sepn dürfte; bewies nämlich, daß, keine Poesie im Ausdruck für jene Anomalie in einer poetischen Schöpfung entschädige, wodurch die Geschöpfe unverträglich mit sich selbst gemacht werden. Bei alldem mag es bemerkenswertst sepn, daß, wenn Festhalten an der Wahrheit uns nöthigt, die geringere Einheit der Zeit hintenanznsetzcn, uns eben dadurch bisweilen zartere und subtilere Kunstverfeinerungen in unserer Behandlung der Einheit des Charakters darge- botcn werden. Indem wir die vorherrschenden Eigenschaften, durch welche unsere Schöpfung individualisirt wird, aufrecht erhalten, werden wir höchst subtil — und der Nichtsvrschende wird cs auf fast unmerkliche Weise — in den Stand gesetzt, zu zeigen, wie wir den Zeitverlauf benutzten, um jene Eigenschaften zu modificircn oder zu entwickeln. Der Macbeth im fünften Act ist nicht der Macbeth des ersten Actes; jedoch der kühne, frevelhafte, 9 indeß innncr verstockte Tyrann ist genau derjenige, der durch Jahre und Erlebnisse aus dem tapfern, aber schwanken, aus dein zarten, aber ehrgeizigen Thanc hervorgehen mußte, welcher der Vorzeichen und der Weissagungen, des Anmahnenö der Hölle und der Einflüsterungen eines wilderen und mächtigeren Geistes, als er selbst einer ist, bedarf, um den Gedanken zur That, das „Jch-dars-nicht" zum „Jch-will", zu gestalten. In diesem dem Leser jetzt vorliegenden Drama macht der angenommene Zeitverlauf zwischen dem zweiten und dritten. Acte seine Wirkung auf den Charakter Ludwigs des Vierzehnten gelten, obwohl dies vielleicht nicht sehr ! hervorgchoben geschieht. Er läßt, wie jener 1 Zeitraum im wirklichen -Leben es ebenfalls ! that, jenes Königs schwächere und nichtigere > Eigenschaften, dessen prunkende und monarchische Selbstsucht, dessen krankhaftes Trachten nach Belustigung oder Zeitvertreib, die Eigen- thümlichkeiten eines ruhelosen, reizbaren, empfänglichen, jedoch kalten Temperamentes her- vortrctcn. In der ersten Hälfte des Drama's ist Ludwig noch nicht „Iwuis Io 6,mucker ist der Louis von Fontainebleau, — nicht der 10 Louis zu Versailles, — im Aufwallen des glänzenden Jugendalters, in der Schwärmerei einer ersten Liebe. Es ist keine geringe Ausgabe, dem Zuschauer oder dem Leser sofort den Begriff von dem beizubringen, was Ludwig der Vierzehnte der Nachwelt zu scyn scheint, und von dem, was er seinen Zeitgenossen zu seyn schien. Anch würde es vielleicht sich nicht als möglich ergeben, Elfteres zu bewirken und dennoch der Herzogin De la Valliöre alle deren wirkliche Entschuldigungen für ihre Schwäche zukommen zu lassen, wenn wir nicht Ludwig, indem wir ihn als Liebenden schildern, zum Glück in diejenige Lage brächten, die für seine äußere An- muth, seine Rednergaben, seinen köstlichen Geschmack, sein geschmeidiges, mildes Wesen, wodurch sein Mangel an Gemüth sich versteckt hielt, die günstigste bleibt. Der Herzog von Lauzun, *), der nach Zur Zeit, in welcher unser Drama spielt, war Lauzun eigentlich nur Graf; da er jedoch unter seinem höheren Titel so allgemein bekannt ist, ließ ich mir diesen geringfügigen Anachronismus gern zu Schulden kommen. Anm. d. Vers. 11 La-Brupewes Dafürhalten in sich der Nachwelt ein Näthsel hinterlassen sollte, hinterließ unserer so weit zurückgeschobenen Untersuchung einen genügend verständlichen Charakter. Ausgezeichnete Talente setzten ihn in den Stand, auf großartige Weise zu hintergchen und selbst als überführter Betrüger eine anmuthige Stellung zu behaupten. Nimmer ward er mehr als in dem bewundert, was er seine „Unglücksfälle" nennt! Mit anderen Worten: die verdienten Widrigkeiten eines starkgeistigen Schurken erschienen in ihm als die Leiden eines philosophischen Helden. Sein Genie gereichte ihm zum Verderben. Verwegen, achselträgerisch , sarkastisch und zweifelsüchtig diente ihm Jegliches, was sein Geschick ihm darbot, mogte es nun zur Hemmung oder Förderung gereichen, als eine Geringfügigkeit, womit er heute spielte und das er morgen von sich warf. Bei all seinem allgemeinen Mangel an Grundsätzen verrieth er zwar zu Zeiten Gefühle der Groß- muth und Auflüge von angestammtem Edelsinn; dennoch hege ich von ihm die Meinung, daß er selber den besten Theil seiner Natur für den schwächsten und albernsten Theil derselben erkannt haben würde. Im vorliegenden 12 Drama ist der Herzog De Lauzun aus demjenigen Gesichtspunkte seines vielfarbigen Charakters aufgefaßt worden, der mir am meisten der Stellung, welche er gegen die Montespan und die La Vallivre cinnahm, so wie den Gruppi- rungcn meiner Personen überhaupt, zu entsprechen schien. Jeder Schauspieler jedoch, der denselben darstellt, erlaube mir die Bemerkung, daß, welchen komischen Anstrich dieser Charakter auch habe, solcher doch nur ein Zeichen derjenigen -leichten Selbstgefälligkeit ist, die einen kühnen und gewandten Ränkeschmied sich zwischen Ergebnissen und Personen bewegen läßt, die er als seine Puppen, folglich als Gegenstände betrachtet, welche tief unter seinem wirklichen Genie stehen., Seine Fröhlichkeit ist nicht animalisch, sondern intellektuell — mindestens will ich sie so aufgesaßt haben. In dem Charakter Bragelone's verkörpert sich Alles und Jedes, was in dem Stücke Anspruch macht, sich als heroisch zu geben — er ist eine Episode, durch welche das Epische in ein Jntriguengedicht gefügt ward. Ich habe in diesem Charakter mir die Licenz gestattet, Realitäten zu idealisiren. Der Bragelone in der Biographie starb an Herzenökummer, nachdem Ma- 13 dame De la Valliöre das Opfer des Königs worden war. Indem ich ihn wieder verlebendigte, habe ich gewagt ihn neu zu erschaffen. In seinem Charakter suchte ich jenes alte, ritterliche, hochherzige und muthbegabte Geschlecht abzuschildern und zu individualisireu, aus dessen Gräbern sich die achtlose, ausschweifende und glänzende Generation Ludwigs des Vierzehnten erhob. Jener prachtliebende Monarch, dessen natürliche Anlagen vielleicht größer waren, als wir es jetzt einräumen wollen, bestätigte die Form der Monarchie, zerstörte jedoch die Seele der Aristokratie. Die Ritterlichkeit war die Mutter des Hofwesens, und starb an ihrer Entbindung. Bragelone steht allein — der Letzte. seines Geschlechtes. Seine einzige Schwäche, die ihn von unserer Hochachtung an unser Mitleiden verweiset, ist seine übelerwogene, aber ritterliche und treue Liebe. Würde dieser Einfluß auf ihn ihm genommen, so mögte ich ihn nimmer erscheinen lassen, es wäre denn die Verhältnisse des Fälschlich-Großen zu ver- zwergen; so sinkt neben ihm der sarkastische Lauzun zu einem verläumderischen Spaßmacher, der hoffärtige Ludwig selbst zu einem schaamer- füllten und abergläubischen Verbrecher herab; 14 jedoch unter dem Einflüsse seiner Leidenschaft wird Bragelone's Ernst fortwährend von dessen Milde durchdrungen. Wiederum entspricht er getreulich dem Jahrhundert, das er in sich darstellt — dem Geiste seiner ritterlichen, kreuzfah- rcrähnlichen Romantik. Selbst daß er Mönch wird, harmonirt mit dem uralten religiösen Charakter — mit dem Ideale von dem alten fränkischen und germanischen Gcschlechte, in welchem der Krieger der Keim des Mönches war, und das Leben, seine Tropäen auf den Altar niederlegtc, und seine Ruhestätte in einer Klosterzelle suchte. Insofern der Charakter Bragc- lone's seine unreine Beimischung von der Zeit hergenommcn hat, der er angehörtc, bezieht sich solches auf die Erfahrung, die er wirklich von den Menschen machte. Seine dunkeln, an den König gerichteten Prophezeihungcn — sein Selbstgespräch über das Leben gegen Ende des fünften Acts — seine Definition der wahren Klostcrreligion zeugen von einer Philosophie, die wir uns nicht im Studirzimmer, sondern in der Welt aneignen. Sey es mir jetzt erlaubt, von den Hauptpersonen dieses meines Drama's mich zu dem zu wenden, was zwischen einer Erklärung und 15 einer Schutzrede meiner allgemeinen Behandlung des von mir bearbeiteten Stoffes und der von mir geschilderten Zeit liegt. Es schien mtr, daß so Stoff wie Zeit Anlaß zur ernsteren Komödie und zur Entwickelung tragischer Ge- müthsbewegungen darböte. Die Jntriguen, die Schaustellungen, die Hohlheit und Servilität des Hofes von Frankreich, die von einem Nochefoucault hervorgerufene Philosophie, die von einer Dangeau skizzirten Sitten, die von einer Genlis hochgepriesene Moralität lassen sich nicht durch epische Deklamation verdeutlichen; nur durch das Fernrohr einer behaglichen Satire lassen sie sich uns naher bringen. Die Wesen in Versailles waren meistentheils Menschen, denen Leidenschaften (welche die Tragödie ausmachen) unbekannt blieben. Durch Humor (der die Komödie abgiebt) stellten sie Form und Geist der von ihnen gebildeten Gesellschaft dar, indem sie mittelst der Heiterkeit eine feierliche und dauernde Moral bewirkten. Daherkommt es, wenn etliche und gewisse Stellen in diesem Werke dem Leser prosaischer klingen als andere. Gedanken und Personen, die der Prosa angehören, gebührt prosaischer Ausdruck. Wo der Gegenstand an sich selbst sich zur Poesie 16 erhebt, war ich bemüht der Rede den erforderlichen poetischen Aufschwung mitzuthcilen. Die Nothwcndigkcit der poetischen Gerechtigkeit hat mich in der Bestrafung der Marquise De Montespan zu einem Anachronismus bestimmt. Der Wirklichkeit nach war jene Bestrafung ungleich vergeltender als sic im Drama erscheint. Madame De Montespan verrieth eine Freundin und ward dafür von einer Freundin wiederum verrathcn; was die Montespan für die La Valliärc war, war die Maintcnon für die Montespan. Auch mögte ich hinzufügen, wie Conccntration und Klimar des Interesses, das die Schaubühne erfordert, mich zwang den König noch in der letzten Scene auftretcn zu lassen. Historischen Daten zufolge spielte Ludwig der Vierzehnte diejenige Nolle und äußerte diejenigen Gesinnungen, die ich ihm im Kloster der Carmeliterinnen zuschrcibe, schon früher, und zwar in der Wohnung der Herzogin De la Valliärc, als diese ihm ihren Eutschlnß, den Schleier zu nehmen, eröffnete. Paris, im Dcecmbcr 1836. E. L. Bnlwer. Die Herzogin De la Valli re. Vulwer'ö Romane. ^XXXIll. 2 Personen, Ludwig der Vierzehnte. Der Herzog De Lauzuii. Der Graf De Grammont. Der Marquis De Montespan. Der Marquis Di Bragelone, Luisens Verlobter. Bcrtrand, der Rüstmcistcr Bragelone's. Madame De la Balliere. Luise (nachherigc Herzogin,) De la Balliere, deren Tochter. Die Marquisin De Montespan. Die Königin. Die Abbatissin des CarmclitcrinncnklosterS. Hofherren und Hofdamen. Nonnen und Priester. Volk. (Zeit der Handlung, das Jahr 16t8.) C r st e r Act Erste Scene. (Im Vordergrund ein alles Schloß; weiter hin Weingärten und Waldung, durch deren Oeffnungen man auf einen Fluß sieht, in welchem sich die Abendsonne spiegelt; fern iin Hintergründe die Thurmspitzen des Klosters der Earmeliterinneu.) Mad. De la Wattiere. Luise. Luise. Der Abschiedsabend. Mutter! Mad. De la Valliöre. Du beklagst ihn, Luis', ob schon der Hof Dich zu sich ruft; Dazu ein Hof, deß Glorie allen Pomp Afiat'schcr Kön'gc wie ihn Dichter sangen Verdunkelt — Luise. Und wo Du nicht sepn wirst, Mutter," Wo dieses alte Schloß nicht sepn wird, das Aus jedem Stein zu mir vom Glück der Kind-Heid Mit tausend Zungen spricht; wo's Wald nichts Noch Weinberg giebt, die mich die Erde lieben — Die Thiirme nicht, die Gott mich lieben lehrten. (Sine Glocke läutet.) 2 * 20 Zur Vesper ruft's die Carmeliterinnen. Q, mögte, -ör' ich dies Geläut' einst wieder, Das Herz mir still, voll HimmelSfricdcns scyn, And todt für alles ird'schc Denken, nur nicht Für das, was uns zum Paradies die Hcimath macht! Mad. de la Vallibrc. Kenn' ich Dich nicht? Jedweder Schling' entschlüpft Mein zartes Täubchen mit dem Glanzgcfleder. Am Hofe selber fürcht' ich nicht für Dich. Naturen gicbl's, die ans der cig'ncn Unschuld Die Schätze der Erfahrung sich gewinnen. Mcich zarter Pflanze schließen aus Jnstinct sic, Wie Weisheit durch ihr Wissen, sich vor'm Argen, Und so bist Du! Hörst Du auch dort nicht mich; Wird doch statt meiner Dich die Unschuld mahnen, Und Dein Gewissen Führer dort Dir sepn. Luise. Verdient' ich nur all' Deine Sorg' und all Dein Vollvertrau'n! — Du schreibst mir doch, und sprichst mir Doch von Dir selbst oft, Mutter, daß am Hof Der Kindheit Bilder nah' mir sind? — Scy freundlich Mit den bcdürft'gcn Hüttcnlcuten; ach! Sie werden mich vermissen. — Meine Vögel Fütterst Du selbst doch? Mad. De la Vallibrc. Und vom edlen Herzen, Das wie Dein Herz cS wcrth ist Dich verehrt — Vom tapfern Bragclone: soll von ihm 2l Nicht auch ich schreiben, wie im Truppenlager Wo nach Erneuung alten Ruhms er strebt, Dein Bild ihm Trost- Luise (mit Gleichgültigkeit). Sein Name wird von Hcimath Und Freundschaft athmen — ja! Mad. De la Balliere. Von weiter nichts? Luise. WaS fragst Du so? Laß uns von And'rcm reden — Vom König — den Du sahst! Ist er, wie'S heißt, So schön, so stattlich? Mad. De la Balliere. Wahrlich, meine Tochter, Ehrfurcht, die er befehlen könnt', erringt er; Im Frieden glorreich und im Kriege schrecklich; Im StaatSrath weis' — und zart im Fraucnsaal. > ^Luise. Wie seltsam, daß so 'oft in frühPen Träumen Ein König mir erschien — ein hehrer Mann, Auf dessen Stirn die Herrschcrwurdc thronte, Auf dessen Lippen Huld und Wonne schwebten, Der in olpmp'schc Gottgestalt gehüllt, Zu ird'scher Magd hcrabgeschwebt zu scpn schien. War das nicht seltsam? Mad. De la Balliere. Kind'lche Phantasei, Dir cingehaucht von Deinem tapfcrn Vater. Schon in der Wiege lerntest Du von ihm 22 In Dein Gebet des Königs Namen schließen, „Gott ehren und den König lieben" — war Ein Thcil des alten Rittcrglaubens Frankreichs; Vasallentrcu war halb Religion. Luise. Wohl mogt'S so sepn. Fest hielt' ich an der Lehre, Fest bis zur Ehrfurcht; dennoch bleibt cs seltsam — So oft derselbe Traum! Mad. De la Valliörc. Hier kommt Dein Treuer. Nicht schilt ihn, wenn er selbst Dir meine Frage Von vorhin wiederholt. — Gruß Euch, Alfons! Zweite Scene. Mad. De la Balliere. Bragelone. Luise. B r a g e l o n c. Meine Luise! Darf ich so Dich nennen? Nie kam der Krieg gelegner mir. Da wir Uns trennen müssen, da der Sonnenschein Von Deinen! holden Blick mir schwinden soll, Ist mind'stens Sänftigung in dem Gedanken, Daß ich nicht weilen muß, wo Du nicht weilst, Daß ich den Ort nicht sehen muß, an welchem Mir fürderhin Dein Schönhcitglanz nicht strahlt. Mad. De la Balliere (zieht sich in das Schloß zurück). Luise. Schmeichelt wohl Freundschaft so? Wollt Ihr bei Zeiten Mein Ohr gewöhnen an des Höflings Trug? 23 Bragelone. Luise, dies ist unsre Scheidestunde; Mich ruft der Krieg, und Dein begehrt der Hof. In solcher Stund' ist's alte Rittcrsttte, Daß sich die Maid der schönen Zucht entäußcrt, Und daß ihr Buhl' ein süßes Wort begehrt, Als Talisman es mit in'ü Feld zu nehmen. - Luise, sprich! kannst Du mich lieben? Luise. Herr — Mich dünkt, solch Wort — Bragelone. Tönt wohl ans Deinen Lippen, Wie „Land" in Schiffers Mund, und spricht von Heimaih Und süßer Ruh nach stürmcvoller Fahrt. — Luis', als Jüngling schon lebt' ich dem Krieg, Daß vor der Zeit ich d'rob zum Manne reifte. Kaum paffen uns'rc Jahre zu einander; Dein ist der Lenz, und meines Sommers Mittag Beschleicht der Herbst. Ich schmeichle, sagst du? Wohl, Die Liebe lehret mich die süße Sprache, Die unverfälscht ein treues Herz stets spricht; Doch wird bei schönerm Wort auf falschen Lippen Mein schlichtes Werben rauh Dir scpnl — Luise, Dein Vater sagte Dich als Kind mir zu — Wie hegt' ich Dich als Kind! wie sah' ich Dich Zur blüh'ndcn Jungfrau lieblich Dich entfalten! Gedenk' ich Dein, fühl' ich mich jugcndkräftig. 24 Der Seele Gluth; der Leidenschaften Flch'n; Das Purpurlicht aus Hcbe's Urn', in welchem Sich Tellus badet; aller Geistesaufschwung, Dcß sich die Jugend anmaßt, wurden mein. Als dies mein Herz zu Dir in Lieb' entbrannte; In Liebe, die für Dich kein Opkcr schcu't, Die gern sich selber Dir zum Opfer brächte. Sprich! wendet sich Dein Herz von meinem ab. Regt sich ein Wunsch auch nur so lcrs' in Dir, Wie Schatten schweben zwischen Zwielicht und Der Jungfrau glanzbestcrntcm Hoffnungshimmel, Und scheucht zurück Dich von dem Bund mit mir. So sprich — und keine Zunge hat mein Werben. Luise. Marquis, ist Glaube: Frankreichs Ritterschaft Hab' einen edlcrn Kämpen nicht als Euch, Ist Stolz auf Eure Lieb' und Eu'r Vertrauen In Wahrheit Lieb', und and'rc kenn' ich nicht — So — Bragelone. Ja? So liebst Du mich? Luise (für sich). Soll ich es sagen? Ich fühl's, cs hieß' ihn täuschen. Ist das Liebe? Nein, nein! sie ist cs nicht. (Laut) Vicledler Herr, Kenn ich mein schwaches Herz doch nicht! Nicht mögt' ich Euch kränken, mögt Euch minder noch betrügen, Wohl klang mir Lieb' aus Liedern und Legenden, Doch wiedertönt mir's so im Herzen nicht, Als Eure Werbung es erheischt — Vergeht mich I Vergessen? Bragclone. Luise. Euer werth nicht bin ich — Brcigelone. Still I Mein Herz ist minder stark als ich cs wähnte. Vielleicht begehrt mein Flch'n zuviel von Dir, Will eher Frucht, als aus den zarten Blättern Des Jungsrau'nhcrzcns sich die Bllith' erschloß. Nein! Mich laß lieben, und dann sprich: „Vielleicht Bitt' ich recht ba'd Euch mein nicht zu vergessen." Fcrnsepn vertrete mich — es ist Magie d'rin. Nicht furcht' ich Höflings Nebenbuhlerschaft; Und Dn bist nicht Du selbst, wenn aalglatt Acuß'reS, Wenn Honigzungc Dich gewinnen kann. Nein! wenn Du jene Hofgunstjägcr stehst, Die Schatten find im Herrschersonnenschcin, Stolz gegen Niedre, knechtisch gegen Hohe, Lernst Du vielleicht, wie schwer ein ehrlich Herz, Das nie den Freund betrog, den Feind nie schcu'tc, Wie schwer das angestammte Ritterthum, Gott und dem Ruhm und stiller Liebe treu, - Den ganzen Troß von sclav'schen Schmeichlern aufwägt. D'rum still für jetzt — ich harre Deines Herzens. 28 Mad. De la Balliere (die wieder aus dem Schlosse kommt). Das Zwielicht dunkelt. Fand'st Du nun, Alfons, Luisens Herz wic's Deinem Herzen zusagt? B r a g c l o n c. Himmlische Tafel ist's, auf die jedoch Kein guter Engel meinen Namen hinschrieb. Mad. De la Balliere. Leicht bildet Lieb' ans Jugcndfrcundschaft sich; Leicht also wird Dich meine Tochter lieben. Bragelonc (zweifelhaft). Glaubt Jhrls? Mad. De la Balliere. Gewiß. - Bragelone. So will auch ich eS glauben! (ZuLnisen.) Holdscl'gc meines Herzens — (Für sich.) Ja, beim Himmel! Es röthen höher ihre Wangen sich, Als ob durch jungfräuliches Morgenrot- Der einst'gcn Liebe Sonne sich mir kündet! Wahr sprach die Mutter —- ja, sie liebt mich; ja! (Laut, wieder zu Luisen.) Holdlcl'gc meines Herzens — Lebe wohl! (Ihr zu zweien Malen die Hand küssend.) Nochmals — Lcb'wohl! Luise. Scp Ehr' und Wohlscpn mit Euch! 27 Mad. De la Balliere. Luise, zieht der Krieger in die Schlacht, Wird halb zur Kriegerin sein Mädchen mit ihm, Und schlingt ihm um die stahlbcwehrte Brust Das Banner ihrer Farbe — Bragclone (kmcend). Darf ich's fordern? Luise (die ihn mit der Schärpe, welche sie sich abnimmt, bekleidet).. Die Tochter eines Kriegers windet gern Die Schärp' um braven Kriegers Brust — so tragt sie. Bragclone (ansstehend). Um Deinetwillen? Ja? Luise. Um deffcntwillcn, Dem Ehre heilig; den, seit Bapard siel, Kein Ritter iibertraf an Ruhm und Ehr — Bragclone, So wie an Liebe! Luise. Still! das sagt' ich nicht. Bragclone. Doch soll der Ruhm, doch soll die Ehr' cs sagen, Ja, hörst Du Bragclonc's Namen in Des Fcldherrn Munde lobgcpriescn klingen — Gelt's Tod, gelt's Leben! so soll Dein sein Ruhm sehn, Und Glanz, den Deinen Augen er entlehnte, Soll Deinen Namen strahlend dann umlcuchtcn. 28 Doch dann sprich auch: „Alfonso liebte mich, Wie Keiner jemals liebte!" — Gott sc- mit Dir! (Ab). Dritte Scene. Luise (ihm nachblickend flir sich). Ein wiird'gcr Werber — doch dies Herz spricht nichts. Mad. de la Balliere. Dem Tapfcrn Heil! Kehrt er zurück, scp mir In ihm ein Sohn gewonnen, Dir ein — Luis e. Mutter, Genug! nur Deinem Herzen heut mein Herz! — Anmuth'gcr Heimathort — leb' wohl, leb' wohl! Du graues Kloster, dessen Feierläutcn Die Stunden abmißt durch Gebet, das Morgens Und Abends aus der Engel Leiter aufsteigt Zum cw'gcn Herrn, Du Fricdensort leb' wohl! Jetzt, liebe Mutter, Dir die wen'gen Stunden, Bevor ich scheide! Mad. De la Balliere. Heiter meine Tochter! Geh'n wir ins Schloß. Schon fällt der Abendthau. Luise. Und ich vergaß, wie Dir die Nachtluft schadet; Hinein, hinein I (Sie eilt einige Schritt- vor, stellt still und reicht der Mutter die Hand; liebevollen Blickes). Nicht ohne Dich zu führen! (Beide ab). 29 Vierte Scene. (Alter Rüstsaal in Bragelone's Schloß.) Bcrtraild (allein. Sr ist mit dem Poliren eines Schwertes beschäftigt). Bcrtrand. So, so! Die Klinge, denk' ich doch, vcrdient's Von meinem Herrn geschwungen sich zu sehen! Mit dieser Waffe, wie die Sage geht, Erschlug der alte Marquis Rimaroso Im Burghof seiner Gattin frechen Buhlen. Ja, ja! wir find ein stolz Geschlecht, wir Ritter Aus fränkisch-longobard'schem Stamm; die Ehre Ist sonder Rostfleck uns wie unser Schwert, Und schonungslos, wenn man sie reizt, wie dieses. 'Fünfte Scene. Bragelone. Bcrtrand. Bragelonc. Nun, alter Bcrtrand, braver Wappner mein? Wie's scheint, verjüngst Du Dich in diesem Saal Voll alter Schild' und Helm' und Panzcrkittcl. Das Schwert da soll ich tragen? Scharfe Klinge; Nicht just nach neuer Mode — Bcrtrand. Theurer Herr, Seyd ihr doch selbst nicht just nach neuer Mode! Dem König sonder Löhnung dienen, hör' ich; Das Vaterland mehr lieben als sich selbst,; 30 Die Ehre nicht als Fluchwort mit sich führen, Soll — hör' ich - Heuer außer Mode sepn. Schon habt Ihr Eures Vaters starken Arm Und kühnes Her;, die nicht mehr Mode sind; Nehmt noch das Schwert dazu, so macht das Drei, Und Ihr scyd demnach dreifach außer Mode. Bragelone. Du wirst satirisch. Bertrank. Her! Was heißt „satirisch?" Bragelone. Satirisch sepn heißt Wahrheit sprechen, die Am Hof für außer Mode wird gehalten; Satir' auf Laster ist des Witzes Rache An Narrcnmäulern, die die Tugend schmä'h'n. (Nachdem er das Schwert besah.) Schau, Bertrand — eine Scharte! Bertrand. Guter Herr, Absichtlich schliff ich sic nicht aus; sie kam, Als durch den Helm Ihr bis auf's Kinn den schurk'schen Holländer spaltetet, der durch's Gelenk Der Rüstung Euch den Lanzenstich versetzte, Weil Ihr mit Eurer Brust den König schirmtet. Bragelone. So lerne d'raus man nun und immerdar. Es scp zur Zeit der Noth die beste Schutzwchr Der Kön'gc ihrer Unterthancn Brust I — Mein gutes Schwert I das war ein mächt'gcr Hieb, 31 Den du gethan an jenem heißen Tage. (Sr steckt bas Schwert i» seinen Gürtel.) Jetzt — bist Du außer Mode! Bertrand. Herr, En'r Blick Und Euer Lächeln rufen früh're Tage Zurück mir, da ich's Fechten Euch gelehrt. Ihr wäret damals mädchcnglatt ums Kinn, Doch sporntet Ihr den Bärl'gcn Euren Gaul vor, Und halft dem tapfern alten La Balliere Die Heeresfahne retten — Bragelone. La Balliere! Wie mir der Name durch die Adern schrillt I — Bertrand, schau' um im Rüstsaal, ob sich nichts Hier findet, das ich damals trug — doch nein! Trag' ich im Herzen doch den Namen! — Alter, Wir sind so jnng nicht, als wir damals waren. Kehr' ich von diesem Zug zurück, mein Freund, Soll unser Kricgswerk seine Endschaft finden; Wir hängen Schwert und rost'ge Rüstung dann Zu jenen Siegstropä'n des Hauses — Bertrand. Hussa! Sprach wahr das Dorfgeschwätz? Mein Herr vermählt sich? Und meine welken Arme schaukeln dann Bald einen neuen Helden für Land Frankreich? Wie's in mir jubelt! 32 Bragelone. Guter alter Mann I — Ich fühl's, des Vaters Segen ruht auf mir, Da meines Vaters Diener so mich lieben. Bcrtrand. Wohl lieben All' Euch! Bragelone. Alle! Laßt mich's glauben. (Trompetenrnf von außen.) Zum Fortritt ruft's! Mein Schlachtroß hör' ich wic- hern; Entgegen schnaubt es fernem Kriegsgetös — Hinweg denn! (Er acht, ei» Diener tritt ein, überreicht ihm einen Brief und entfernt sich wieder.) — Ihrer Mutter Hand. — „Luise, Zu Hof gelangt, schreibt düster, sehnt inmitten Des Glanzes sich nach Haus." — Ich mußt' cs wohl I Thcurc Luise! — „Schreibt von Königs Huld viel." — Huld gegen sie? Ha! der Gedanke gicbt Dem König einen zehnfach bessern Krieger. — „Von Deiner Freundin, die als ihren Sohn Dich bald zu grüßen hofft." — Als ihren Sohn! Hier steht's— hicr stcht's! Ruh'mir am Herzen, Brief Des feur.'gcn Höffens — Abwehr jeder Waffe! Wem sich Luise weih't, der zwang sein Schicksal; Kein ird'scher Feind bezwingt ihn! (Tromxetenruf) Wieder bläs't's! — Die Hand her, Alter! meine wild'ste Jugend Zog nicht so leichten Herzens zum Gefecht, 33 Als ich's jetzt thu'. — Nach Hause sehnt sie sich — Ich wußt'SI ich wußt'S! — Gehab' Dich wohl, Freund Bcrtrandl (M.) Sechste Seeue. Bertrank (allein). Hei! lustig wird cS hergchn hier im Schloß, Kehrt er uns wieder; heißa! lust'ge Hochzeit, Und hintendrein noch lust'g'rcS Wiegenfest. Wie wird sei» ernster Männcrblick sst leuchtend Am Erstgcbor'nen hangen! Siebente Seeue. Bertraud. Bragclone (der wieder eintntt). Bragclone. Holla! Bcrtrand! Noch Eins: dem Gärtner schärst mir's fleißig ein. Des GciSblatts wohl zu Pflegen, das gen Westen Sich um die Fenster meiner Mutter schlingt. (Da Bertrand ihn oerwundert anstarrt.) Nun, Alter, hörst Du nicht? Bertrand. Ich — Ihr Herr? Das Gciöblatt, Herr? Bragclone. Daß mir's der Gärtner pflegt I Bnlwcr'S Romane. I.XXXIH. 3 34 Es ist der Mutter gar- zu lieb um's Fenster; Nichts soll sic missen, fehlt ihr gleich der Sohn. (Ab.) Achte Scene. Bcrtrand (allein). Und dieser heißt bci'm Heere nur „der Düst're?" Ein Taubcnhcrz in eines Löwe» Brnst! Gott gebe, daß sein Weib ihn mag verdienen! — Traun! frohe Botschaft für die alte Herrin. Und mir zuerst ward sein Gcheimniß kund, Als er den Brief las. Hui! Dies Jahr die Frau, Und übcr'S Jahr — dreimal Juchhe! der Junge. ^ Den lehr' ich, wie sein Schwert man schwingt, und schnrk'schcn Holländers Kopf zum Kinne spaltet — Ha! Der alte Bcrtrand wird auf's Neu 'was nutz. Erzählt den Bübchen Abends am Kamin Des edlen Vaters Thatcn — »nd die Jungen? Die zwitschern gern so, wie die Alien snngcn! (Ab.) Nennte Scene. (Sin Vorgemach im Palast von Fontainebleau.) Lanznn und Grammc'ttt (treten durch verschiedene Thüren ein). Lauzu n. Von jaur, Graf Grammont. Wäret gestern Ihr Am Hof? 35 G r a m m o n t. Ich war es, Herzog; und der Hof Siebt reicher sich um eine neue Schönheit. L a u z u n. Ei, ei! Ihr Name? G r a m ni o n t. Luise La Vallivre. L a n z u n. Ah so! — Als Ehrenfräulein? G r a m m o n t. Ja, Herr Herzog. Die Damen sagen, sic sey simpel — L a u z u n. So? Da ist's ganz simpel, daß das Mädchen hübsch ist. G r a m m o n t. Das liebe süße Hofgcschwä'tz erzählt. Es fühle das Novizchcn eine Neigung, Ein' unschuldvollc, wildromant'sche Neigung Für unscrn jungen König — eine Liebe, Wie Lieb' im Fecnland. Sie sah sein Bild, Seufzt' übcr'm Blech, sprach flüsternd zu den Farben, Und ward verliebt in Bleiwciß und Carmin. * La uzun. Schuldlose Träumerin! — Sah sic den König? Grammont. Als sic ihn sah, schien — wie die Ros' im Mai. Vor'm Zephpr bebt - in ihre Keuschheit sie Zurückzuschaucrn, und ein Seufzer schüttelt' 3 * 36 Erröthcn — schönste Roscnblättcr! — ab Von ihrer Schönheit. Lauzun. Ihr schd Maler, Graf! Grammont. Und von der Stund' an zeigt sic eine Miene, Als machten Königsgröß' und Mädchcntugcnd Jedwede Lieb' unmöglich; und so wogt Auf einer Fluth der lautersten Gedanken Ihr arglos Herz entgegen der Gefahr. Lauz u n. Sprach Louis mit ihr? hört' er das Geschwätz? Grammont. Ich glaube nein! Der König gicbt sich kalt; Die Kunst des Pomps und nicht die Kunst der Liebe ' Begeistert ihn — August mehr als Ovid. Lauzun. Die Zeit wird kommen; Ludwig ist noch jung, Noch lockt ihn Sccptcrs Neuheit, noch entzückt ihn Ein Ricsentraum von Sicgstriumph im Krieg — Langwcil'gcr Traum! Poeten nennen „Ruhm" ihn. Grammont. Nun, um so besser; denn der hübsche König Brächte der zarten Jungfrau doch Gefahr — Lauzun. Was da Gefahr! Er muß ein Liebchen haben; Nothwcnd'gcs^Jngrcdicnz für einen Hof. Gunst, die vom König man nicht wagt zu bitten, 37 Erschmeichelt man bei Königs Liebchen leicht; Der Höfling wird nur fett durch Herrschers Laster. G r a m m o n t. Sehr spaßig, Herzog — hahaha! Wir sch'n uns Heut Abend doch? Ihr kommt zum Fest? Bis dahin Lebt wohl. La uz un. Mit Gott, Graf. Grammont (ab). Lauzun (allein). Ja, der König muß Ein Liebchen haben — ich dies Liebchen leiten! Die Zeit setzt' um. Mit Speer und Degen kauften Ruhm uns'rc Väter sich — d>c robcn Metzger I Wir fuhren Schlauwitz statt des Degens, und „Jntriguc" nennt sich uns're glatte Rüstung; Des Königs Vorsaal ist uns Kiiegsgczclt, Und schlau'stcr Schelm ist unser bester Held. (Ab.) Zehnte Krone. (Abend. Die Gärten von Fontainebleau glänzend durch farbige Pampen erleuchtet. — Springbrunnen, Vasen und Statuen zeigen sich geschmackvoll gruppirt. Im Hintergründe ei» Pavillon. Seitwärts der Palast von Fontainebleau köstlich illuminirt. — Musik. Hofleute und Sprendamen sichren einen Tanz auf: dann treten Lauzun und Grammont vor.) Lauzun. Ein glänzend Fest! 38 Grammont. Es glänzender zu machen, Zeigt sich der prächt'ge, spaß'ge Marquis dort — Lanzun. Der Ein' Idee nur und zwei Phrasen hat! Grammont. Die Ein' Idee ist, daß er Marquis ist; Doch die zwei Phrasen — L a u z u n. Mag er selbst Euch sagen. Eilfte Scene. Die Vorigen. Der Marquis de Montespan (in überladener Kleidung). Montespan. Entzücken Euch zu seh'n, Ihr Herr'n! — Wie gcht's, Herr Graf? Grammont. Armselig, Herr Marquis. Montespan. Verzweiflung! iru! mir folgt die diciistbcfliß'nc Alte, Durch die an Montcspan's charmante Frau Ich meine Briefchen schicke — hier gilt's Schlauheit! Die Aja will beschenkt sehn; gcb' ich ihr Den Ring, den ich gewann, so setzt's Geschrei, So heißt's, die Nunz'lige sch meine Venus. Ha! der Marquis. !'nr Die»! statt meiner zahl' er Das Botenlohn der Alten. Montespan (den Schmuck betrachtend). Wie das glänzt! Nicht für zehntausend Kroncnthalcr laß' ich'S. Lau zuN (ihm mit Artigkeit den Schmuck nehmend). Erlaubt doch, Marquis! — Aber sagt mir nur, Was wollt Ihr mit dem faden Spielwerk? Montespan. Was? (Leise.) Ei, unter »ns — drum meiner lieben Frau Kein Wort davon! — Ich mach' ihn mir zu Gelde. L a u z u n. Vi - Vien! Das hat man, wenn man sich hcrabläßt Mit Leuten zu verkehren, die den Ton Dcr feinen Welt nicht kennen — Plumper Degen! Was will denn Er auf meinen Nebenwegen? (Von entgegengesetzter Seite ab.) Vierte Scene. Luise (vorn zur Seite herein; sinnend). So liebt er mich — Liebt — Liebe? Wildes Wort! Was? Liebe? Schande, Schmach, Verbrechen wohnen 3n dem Gedanken — Dennoch liebt er mich. 56 (Sie hat ein Bildniß hervorgezogen, das sie jetzt mit Innigkeit betrachtet.) Prophetisch waren meine früher» Träume. (Bragelone tritt wieder auf und bleibt im Hintergründe.) Luise (fortsahrend). O Ludwig! — Horch, man kommt — war' cr's? ^Fünfte Scene. Luise. Bragelone. Bragelone (bortretcnd). Mit Nichten. Ihr irrt Euch, schöne Dam'; Ihr sucht den König — Zch aber suche Luise Vallwre. Lu isc.' Ihr hier, Marquis? Ihr hier? Bragelone. Ein Mädchen gab's, Schön wie einFccnbild und hold und sittig Und gut und tadellos; durch's Lcbcnothal Ging sie bcschcid'nen Schrittes, Segen spendend, Daß sie gesegnet ward, und daß ihr Name Kristall'ncm Spiegel gleich von keinem Hauch Des Ncid'S getrübt ward — und ich sucht'am Hoffte; Doch Keiner kennt am Hof fle — darf ich fragen, Euch fragen, wo ist Luise La Vallii-re? Ln ise. Entsetzlich! o! Ihr meines Vaters Freund, Wagt so zu mir zu reden? 57 Bragelonc. Wagt?! Wie schnell Ihr In En'r Gcwerb Euch fandet! Luise. Mein Gcwerb? Mit welchem Rechte maaßt Ihr frech Euch an Mich zu bclcid'gcn? Bragelonc. Seht doch! Ei! Auch Vorwurf! Der Hure Kunstgriff!*) — Schaam! - — Doch nein, vergebt mir; Ihr steht zu hoch für Schaam — und so, lebt wohl! Mein Autor schrieb deutlich : ,/I'Iid Iiarlut's triolc" — ein Ausdruck, der hier so charakterisch richtig, als meine Uebcrsetzung desselben getreu ist; und obscho» dieser Ausdruck ebenfalls von Shakspeare gebraucht ward, auch cugländische Re- censeutcu (M. s. mein „Nachwort" zu diesem Werk) dieses Drama Bnlwer's de» Bühnenstücken des „Unzncrreichcnden" an die Seite sehen, wird dennoch manches deutsche Theatcrlesezimmcr und manches deutsche Parterre vor diesem Ausdrucke die Nase rümpfen und dem Autor wie dem Ueber- seher nicht nur Mangel an gutem Geschmack, sondern wohl gar Mangel an ,chv» so»«" verwerfen. — Elender, bejammernswerther Standpunkt der deutschen Volksbühne! Verschleierte, sündlich dünn verschleierte Lüderlichkeiten in Situationen und Worten auf den Theaterbretern ihr Unwesen treiben zu lasse» , schämt sich weder Regie noch Parterre; jedoch der charakteristische 58 Luise. Marquis — Alfons! — aus Mitleid! nein aus Rcchtsfinn, Geht so nicht fort! Bragcloue (gemilderten Tones). Luise? Luise. Man belog mich l Sprecht, Marquis, welch Verbrechen ich beging. Bragelonc. Verbrechen? Kein' am Hof. Nur Ehr' und Himmel Bcncnncn's so; die Andern ncnuen's Wcltglück. Die achtlos sonst auf Dich, die fleckenlose, Die b^öd' und scheue La VaM-rc sah'n, Umschmeicheln jetzt Dich, daß gebeugten Knie'S sie Die Huld von Königs Liebchen sich crflch'n. Wo wäre da Verbrechen? Wer bencnnt'S so? Und wagt' cs Einer — beut ihm Gunst, so schwört er, Eö scp der Größe Gipfel. — WaS Verbrechen! Luise. Allcndlich find' ich Wort. — 's ist Lug! Bragcloue. Wär's Lug? O sprich's noch Einmal! Nochmals sprich: 's ist Lug; 's ist Lug I Sprich's aus! Wortansdruck, der zweite unerläßliche Hebel des Drama's, must sich von ekler Verbildung vertrieben sehen! Der Uebers. 59 Luise. O Gott, wie elend bin ich! Bragelone. Nein, Dame, nein, nicht elend, wenn nicht strafbar I Luise (die in heftiger Bewegung aus- und abging, setzt sich auf eine der Gartenbänke und begräbt das Gesicht in ihre Hände). Bragelone (bei Seite). Sind dies der Reue Zeichen? Doch gleichviel! Ich liebte sie, und Lieb' ist Stolz, nicht Liebe, Wenn sie nicht Trost selbst für die Schuld'ge hat. (Laut) Luis', o sprich! Zum Freunde sprich, Luise; Zu Vaicrs Freund, zu Deinem — Luise. Arger Hof! Weshalb kam ich hiehcr? weshalb verschloß ich Mein Herz vor meines Herzens tiefster Regung.? Weshalb lebt' ich der Tugend, wenn mein Ruf Tcbrandmarkt scpn soll? Bragelone. Daß Du, wenn Du betest, Bon Gott Dir Tröstung, nicht Verzeih'» crfleh'st. Luise (hastig aufstehend). Hcilvollcs Wort! Ich dank' Euch. Bragelone. Du bist schuldlos! Ja! Du verwarfst den König — Luise. Ich verwarf ihn. 60 , Bragclonc. Fluch dcm dann, der Dich schmähte! zwiefach Fluch Der eisigen, verstockten Eigensucht, Die, einer flüchtigen Laune Kupplerin, Des Lebens Blume — Deinen Ruf Versehrte! Dem König Fluch, der über seine Laster Den Purpur wirft! Luise. O, läst'rc nicht den König! ' Bragclonc. Er schonte Deiner nicht — Luise. Und doch — Gott segn' ihn! Bragclonc. Willst Du mich rasend machen, Weib? Du zitterst, Verbirgst Dein Antlitz — Ha! Du liebst den König. O Herr der Welten I ward ich darum vor Der Feinde Schwert bewahrt? durchschifft' ich darum DaS sturmdurchwühlte, blut'ge Meer des Kriegs? Bot darum ich dem Herzcnsabgott „Ehre" Mit Seel' und Leben mich zum Opfer dar? Wie? Darum? — Nicht, Luise, liebt' ich Dich, Wie Stutzer lieben; Ideal warst D u mir, Das diese Welt mit.Lieblichem und Hcil'gcm Mir füllte; warst mir Poesie in Mcnschcnschöne! Sprach man in dieser düstcrn Welt von Sünde, Gedacht' ich lächelnd Dein, denn Du warst sündloS; Und sprach von edlen Thatcn man, so dacht' ich: So, eben so würd' auch Luise ihn»! 6t So liebt' ich Dich. Verlieren kann ich Dich; Doch mit Dir alles Hoffen und Vertrau'» Auf Tugend auch verlieren — das ist hart, Das läßt am Herzen schwer mich — schwer erkranken ! Luise. O, sprich nicht so! Sprich zart zu mir, Alfonso! — Ich bin nicht, was Ihr von mir denkt, Marquis; Bin nur ein schwaches Mädchen — tragt mich aüfrccht; Vcrgcßt die Liebe, doch die Freundschaft laßt mir! Beschützt mich, Bragelon' — Bragclonc. Ihr liebt den König! Luise (rasch). Doch kann ich ihm entflieh'» — Bragclonc. Wohin, Du Aermstc? Luise. Zu meiner Mutter — hin zum alten Schloß! Bragclonc. Der König kann Dich dort -. L u i s e. Er wird cs nicht thun; An Höfen, ach I vergißt man Menschen schnell Bragclonc. Nicht ch'r, als bis das Opfer ausgcblutct! Hätt'st Du Dich hingcgcben, mögtcst Du Ans Königs Schwelle selbst gesichert leben; Doch so, in nnvcrschrtcr Hcrzensbliithc; Bestürmte, doch noch nicht bezwung'nc Burg, Wird Mannesstolz, wenn auch nicht ManncSwollust Aufgeber Flucht Dir wilde Hemmung scyn. Ist cs Dein Ernst, willst Du in Wahrheit flieh» Von prunkbetünchter Schmach zu stiller Ehre, Kann Gottes Haus allein Dich schützen. Luise. Ja, Das Kloster I — Ach I nicht mehr in'S Aug' ihm sch'n, Ihn nie mehr hören, o! Bragclonc (gedend). Genug I Luise. So bleibt. Nur Einmal will ich ihn noch sch'n; ein letztes Lcbwohl ihm sagen — dann — ja, dann in's Kloster! Bragclonc. Ich bin am End' — und eh' ich gehe , nimm Die Schärpe wieder, die Du mir gegeben, In Tugend strahltest Du, als Du sie gabst, Jetzt ist die Gabe werthlos wie die Geb'rin. Luise. Wcrthlos? Habt Ihr mich nicht verstanden? sagt' ich Euch nicht — Bragclonc. Daß Du den König sehen willst; Erst Laster, dann die Tugend hinterdrein! Du bebst an Abgrunds Rande — noch Ein Schritt, Und aller Himmel Engel schrci'n „Verloren!" 63 Dennoch begehrst Du diesen Schritt zu thun. Willst Du Dich retten, fliehe sonder Weilen! Luise (erschüttert). Dort unter jenem Baum, bei Stcrncnschein, Gelübdet' er allcwig mich zu lieben! Bragclone. Der Mutter denke! Bis zur Stunde segnet Dein Dasepn sie; das Dascyn letzten Sprößlings Aus tadellosem, Herrlichem Geschlecht! Auf hundert Ahnenschilde würfe morgen Die Schmach Dir Schatten, und die Mutter müßte Den Tod sich wünschen, weil sic Dich gebar! Folg' mir! Luise. Ich bin bereit; nimm meine Hand- Nein, nein! dies Armband kam von ihm; kann ich so schnöd' ihn Verlassen? solchen Licbesbrnch begeh'n? Bragclonc. Denk' an der Mutter brechend Herz — Lui se. Still, still! Du bist ein Mann, kannst nicht wie Weiber fühlen, Kannst ihres Herzens Schwäche nicht verstch'n. — O Ludwig! Schutz des Höchsten über Dir! Dein Schicksal schau' auf Dich mit m ein en Augen ! — Ich bin bereit, Alfons. Du siehst's, wie schwach Ein Mädchen ist, wenn's liebt; jetzt, Mann, erkenn' auch, 64 Mit welcher Seclcnstärk' ein solches Mädchen Der Lieb' obsiegt — o Ludwig! Ludwig! Ludwig! — Schnell! bring' mich fort! Br a g el on c. Wie schiltst Du doch mein Herz Im Augenblick, da cS Dich retten mögtc! Wär's das nur Alles! — Meines Alters Schirmdach; Mein Hoffen auf der Lieb' Erwicd'rung — ach! Der lieblich schöne Baum, in dessen Schatten Der müde Krieger Nuh zn finden hoffte, Daß Lebens Sonne still und wolkenlos, Den Tag cinlullend, ihm versinken mögtc — Das Alles, Alles liegt zertrümmert nun! — Scp's! Ward'st Du doch vor einem Weh bewahrt, Dcß Schaucrkluft Dein Blick nicht mag crticfen! Heil mir — Du bist gerettet s Luise. Als wir schieden, Sprach ich, ich wäre Dein nicht Werth; ersetzen Wird eine And're mich. Bragelonc. Still, still von And'rcr! Du sichst, ich trage Deine Schärpe noch. Schwand auch die Hoffnung von der Scheibe, blieb Der Zeiger doch, wenn gleich kein Strahl ihm leuchtet. Ich — ich bin nichts; doch Du —'O, weine nicht! Ich glaube Dir's, daß diese Thräncn keusch find. Vergangenheit blieb Dir so unbefleckt, Daß Du nicht brauchst Dein Leben zu vcrwcincn; 65 War' sie befleckt, Mt' ich nicht Trost für Dich — Jetzt freu' Dich, jetzt wird Rettung Dir durch mich! (Beide ab.) Sechste Scene. (Cabinet des Königs zu Fontainebleau. *) Ludwig (schreibend an einem Tische, der mit Papieren u. s. w. übersäet ist). Lauzun (tritt herein). Ludwig. Lauzun, Dein Eiftr hat mir treu gedient, Und ich belohn' ihn. — Dieses Blatt vcrlcih't Dir Die Land' und Herrschaft von De Vesci — Lauzun. Wie soll ich danken für so — Sire, Ludwig. Still! durch Schweigen. Lauzun (bei Seite). Königs vcrbot'ne Frucht hat hübschen Abfall! *) Es dürste Etlichen interessant sepn, sich zu erinnern, daß dieses Cabinet, in welchem der mächtigste der Bourbonen den Förderer seiner Lüste belohnte, das nämliche ist, in welchem man noch heutiges Tages den Tisch zeigt, woran Napoleon Bonaparte, der Sohn eines armen corsischen Edelmanns, die Acte Unterzeichnete, durch welche er den Thronrechten und den Besitzungen Carvli Magni entsagte. Anm. d. Verf. 5 Bulwer'S Romane. LXXXM. 66 Ludwig. O schöne La Vallwrc! Nie noch liebt' ich; Jetzt — jetzt erst! La uz u n. Sie ergab sich nicht? Ludwig. Ergiebt sich Denn die wohl, deren Ton selbst Leidenschaft Ecröthen macht, ihr Sehnen zu gestehen? La uzun. DcS Weibes Nein ist nur ein krummer Weg Zu Werkes Ja. — Ihr sah't sie heute schon, Mein König? Ludwig. Nein! Graf Grammont übernahm's, Ihr in Geheim ein Briefchen zu bchänd'gen, Worin ich um Gehör sic bitte. Grammont Bringt Antwort mir. Ich harr' in Bangen. (r»r fährt fort zu schreiben.) Lauznn (bei Seite). Erzähl' ich meinen Sirert mit Bragelon' ihm? Da käm' ich übel weg. Der Klug' erzählt Dergleichen nicht; auch könnte jener derbe, Vorlaute, heiß gchirnte Don Quijote Ihn eifersüchtig machen; Eifersucht Macht Kön'gc mürrisch; fragt' er gar die Dame, So mögte die den Plaud'rcr leicht crrathcn. Und Übeln Lohn trüg' ich aledann davon. Hei! welchen Nutzen hat die Logik doch! 67 Ludwig. Vergebens! Arbeit bringt mir nicht Geduld. Wie pocht mein Herz! — (D-, Graininont cintritt.) Nun, Graf? Siebente Scene. Ludwig. Grammout. Lauzun. Grammont. Ach, Sire! Ludwig. Was ach? Sprich'S aus! G r a m m o n t. Der Hof verlor die Schöne. Ludwig. Verlor? Grammont. Fort ist sic — Niemand weiß wohin. Ludwig. Eniflohn? Ich glaub's nicht. Lauzun. Wäre sic's auch, Sire; Dem König kann man nicht cntflichn — Lud wig. Bci'm Himmel, Ich bin ein König! Keine Macht Europa's Entrang ein Steinchen meiner Krön' — und sie — Was ist die Krone gegen sic? Ich bin Ein König! und wer zwischen diesen und Des Königs Liebe tritt, wird zum Verräthcr 5 * Und leicht könnt' ihm Tyrann der König scpn! Folgt mir I (Ab.) Gra mmont. Wer hörte je, daß Edelfräulcin Vor Kön'gcn floh'n? Lau zun. Ja, ja, wär't Ihr ein Fräulein — Wie würdet Ihr gefügig scpn, Ihr Schelm. — Gch'n wir! (Beide folgen dem Könige.) Achte Scene. (Das Innere einer Klosterkapelle. Zur Seite ein hohes Cruzifir, vor welchem Luise De la Balliere knieet. Es ist Nacht. — Donner und Blitz; des letzteren Zucken wird durch das lange Wölbfenster wahrgenommen.) Luise (ausstehend). Die Nacht verrinnt; kein Schlaf beschleicht das Herz mir! Was Schlaf der Erd' ist, das ist mir Gebet; Des Lebens Balsam und des GramS Vergessen. Und doch im Tempel Gottes selber ras't Unheilig wilde Gluth mir durch die Adern; Gott ist im Mund mir, Jrd'sches in der Brust! Jndeß ich bete, drängt des Liebsten Bild sich Mir in's Gebet, so daß ich fleh': „O Höchster, Beschütze Ludwig!" denn ihn zu vergessen. Das kann ich, darf ich nimmermehr crfleh'n. 69 Nicht mögt' ich, könnt' ich cs anch sehn, beglückt sehn. Und ihn vergessen I (Donncrschlag.) Rolle, rolle nur, Wagen des Sturms, deß Räder Donner sind I Ihr wildcmpörten Elemente könnt Nicht stürmen, wie der Leidenschaften Krieg Mir ras't im schwachen, irrwahnsvollen Herzen! (Die Frühmettenglocke läutet.) Horch — Grabgclänt der Nacht I Wie durch das Tosen Der Windsbraut Glockcnschall so feierlich Ertönt! — der Zeiten Zung', in trübster Stunde Der Zeit, ermahnt an eine Welt zu denken, Wo sic nicht freien, sich nicht freien lassen. Der Sand der LebenSstundcnuhr verrinnt; Zu Bett, zu Bett! zu Thronen und zu Sehnen Nach stillen Grabes Ruh — zu Bett! zu Bett! (.Sie will gehen. Ein Tronwetenruf wird von außen her gehört.) Neunte Scene. Luise. Drei Moilircu (zu verschiedenen Seiten herein). Erste Nonne. Seltsam I Zweite Nonne (hiuausschauend). In Sturmnacht gar das große Thor Entriegelt, das sich sonst nur königlichem Gast' aufthut — 70 Luise. Furcht und Hoffnung ängst'gcn mich. (Wiederholter Trompetenruf.) Erste Nonne. Horch! Pferdctritt' im Vorhof! In den Angeln Knarrt harsch die inn'rc Pforte — Lau zun (von außen). Raum dem König! Zehnte Scene. Die Vorigen. Ludwig und Lanzun. Luise (dem König entgegen). Ha, Ludwig! Theurer! (Zurlickschreckend.) Nein, berührt mich nicht! Verlaßt mich! — Aus Erbarmen, geht! (Zu den Füßeu des Cruzifircs sinkend) — Mein Herrgott, Zu Dir flücht' ich! beschütze mich vor ihm; Beschütze vor mir selber mich! Ludwig (neben ihr; bittend). Luise! Eilste Scene. Vorige. Die Abbatissin. Mehrere Nonnen. Abbatissin. Friede sey mit Euch! welch' Getös cnlwei'ht Den Tempel Gottes? 71 Lauzun. Fromme Dame-, knie't — Der König — Abbatissin. Wie? der König? Höhnt Ihr mich? Ludwig (von Luisen weg). Seh't Euren Herrn, Hochwürd'ge Frau. Wir kamen Euch für den Schutz zu danken, den Ihr uni'rer Pflegbcfohl'nen angcdcihcn ließet, Und sie zurückzufordcrn. Abbatissin. Wie, mein Lehnsherr? Vor Purpur selber und vor Sccpler sind Die Klöster sicher — Ludwig. Sw that kein Gelübde, Ist frei l wir fordern sic für unfern Hof. Entheb' Dich, Weib! Abbatissin. Die Jungfrau, Sire, ist frei, Eu'r königlicher Mund sprach'^ eben selber. Sucht sie, die Freie, nun im Kloster Zuflecht — Wer will sic hindern? wer der Kirckc Fluch, Den Kön'gen selber schrecklich, auf sich laden? - Sprecht, Damcl ziehet Ihr dem Hof des Klosters Aspl vor? Ludwig (zur Abbatissin). Weib! Du wagst cs, uns zu trotzen. 72 La UZ UN (heimlich zu Ludwigs. Vcrzeih't, Sirc! überlegt, damit 'S nicht heiße, Der König — Ludwig. Achte sein Gesetz nicht — Weg dal Ich war ein Mensch, bevor ich König war. (Sr tritt zu Luisen.) Nach Hof, Madam; der König will's! (Gesenkten Tones) Geliebte, Holde Luise! wenn mein Flüstern je Musik im Ohr Dir war; wenn Dich mein Leben Des Reitens wcrth dünkt, so verlaß mich jetzt nicht I Luise (das Cruzifir umsaffend). Nichss laß mich hören, Gottl Nimm mir die Sinne, Mach' taub mich, stumm und blind — nur laß mich keusch! Abbatissin. Ihr hörtet, was sie sprach, Sirc. Ludwig (leidenschaftlich oortretend hält inne und spricht dann mit Würde). Nein, Acbtissinl Ein vaterloses Kind, ward diese Dame Uns anvertrau't. Der König ist ihr Vater! Fern scy's von uns, Hochwürd'g', Euch weh zu thun, Doch wissen wir, wie oft unhcil'gcr Grund Zum Prosclytcnmachcn reizt. Die Dam' ist Von edler Abkunft und an Gütern reich; Gern sucht der Klosterstolz solch Klostcropser. 73 — Nichts mehr, wir fordern, was das Recht uns zusagt: Ein frei Alleingespräch mit diesem Mädchen, Will sie alsdann nicht mit uns geh'n, so scp's! Tyrannisch sind wir nicht. Jetzt fort! Abbatissin. Mein Königs Vergebt — Ludwig. Wir thun's. — HinwegI Die Abbatissin mit den Nonnen und Lanzun (entfernen sich). Zwölfte Seene. Ludwig. Luise. Ludwig. Wir sind allein t Luise. Allein? Nein, Gott ist hier und das Gewissen! Ludwig. So scheu'st Du denn ein Herz, das selbst der Lieb' Entsagen mögtc, wenn Dein Glück es heischte? Luise, (die aufstand, jedoch noch mit dem einen Arme das CrPifir umfaßt hält). Ja, reden muß ich! — Sire, wäre jeder Tropfen In meinen Adern ein besond'res Leben, Ich gäbe jeden Tropfen Blutes hin, Um Eine Stunde Glücks Euch zu erkaufen, 74 Doch Tugcndmf — des Vaters Grab — die Mutter Zn hohem Alter — (Donnerschlag.) Horcht; sie Alle dräu'n; Des Himmels Gluthcn find mir Engclsaugcn, Die vor mir selbst mich warnen. — Lebet wohl! Ludwig. Nicht so-, Luise; nichts von Lebewohl! Das Wort ist Grabgcläut für alles Leben. Leb' wohl? Nun dann leb' wohl auch Ludwigs Frieden! Der arme König scy fortan dann nichts als Ein Ding für Staat und Formen I Alles was Das Leben reizt, erquickt, erhöht, veredelt, Stirbt mir dahin in Deinem Lebewohl. O kannst Du nun solch Lebewohl noch sagen? Luise. Ach, sprecht nicht so! Sprecht harsch, befehlt, be- dräu't l Scpd König nur! Ludwig. Der König knie't vor Dir. Luise. Nicht hier! Am Kreuze nicht! (Es blitzt.) Seht, wie der Blitz Grimmzürnend zuckt! Nicht hier! Ludwig (Sie umfassend). So mögte Mein Herz das Deine schützen! Luise. Habt Erbarmen! 75 Se-d edel! Ich bin schwach — mir selbst Verräth'rinl Berrathet Ihr mich auch noch — Ludwig. Nicht doch! hör' mich! Verlaß mich, Süße, diesmal nicht, so schwör' sch, Kein sünd'g'rcr Wunsch soll je mein Herz beschleichen; Bezwingen will ich dieses Herz — eS soll Jedwedes Sehnen von der Liebe sondern. Nichts träumen selbst, was Deine reine Seele A cht von sich selbst verwirklicht sehen mag! Luise, höre mich! Du liebst mich? Luise (hingerissen). Ludwig! Ludwig. Du liebst mich, so vertrau'! Wer liebt, vertrau'!. Luise (bat unwillkürlich das Crucifir lvsgelassen, legt ihre Hand auf des König's Arm, und blickt ihm i»'s Angesicht). Vertrauen Dir? O darf ich? Ludwig (sie umschlingend). Bis zum Tod! (rufend) Lauzun! Dreizehnte Seenc. Die Vorigen. Lauzun. Abbatissin. Die Nonnen. Lauzun (kommt in den Vordergrund), Abbatissin und Nonnen (blechen am Eingänge). 76 Luise (die erschreckt wieder das Kreuz umklammert). Nein, nein! Ludwig. Vertran'st Du schon so wenig? Luise (sinkt in die Arme des Königs). Abbatissin und Nonnen (treten ein wenig vor). Ludwig. Geliebte! Abbatissin (noch einen Schritt naher kommend). Bleibt sie? L a n z u n. Nein l — Gebt Raum dem König. Ludwig (mit Luisen ab). Lauzun (folgt). Ende des zweiten Acts. Dritter Act Erste Srene. (Vorgemach im Palaste der Herzogin Del« Balliere zu Versailles.) Die Marquise de Montespan. Lanzurr (durch entgegengesetzte Thüren eintretend). Lauzun. Ah, schöne Dame Montespan — wie gcht's? Marquise. Müd von zu vieler Munterkeit. Erschöpft nicht Auch Euch der Glanz, der endlos bunte Prunk, Der Schimmer eitler Nichtigkeiten? Sprecht, Langweilt das nicht auch Euch zu Zeiten? Mir ist'S Als war' die Erde scharlachrot- bedeckt, Ohn' ein klein grünes Fleckchen. Lauzun. Jedem ist'S so. Bis er's gewohnt wird. Mir wird Kunst — Natur. Sch' grünes Feld und schlechtgcklcidet Volk ich, Ruf' ich: „wis künstlich I seht!" — Versailles und Paris sind mir Natur; das Wort „ein Mann", 78 Bedeute Ad'ligeS, das man am Hof sicht I „Weib" ist ein Ding, gemacht, um Patz zu tragen. Und zu verlästern. Das, Marquis', ist meine Natur, die Euch gewiß recht bald bchagt, Denn in Euch ruh'n des Hofton'S Elemente. Marquise. Wie so? Erklärt! Lauzun. Wohlan I doch darf'S Euch nicht Bclcid'gen — Marquise. Dreist sprecht; nennt mir meine Fehler, Daß ich als Tugenden sic zeigen mag! L a p z u n. Zunächst, Athcnä, habt Ihr äußern Freimut-, Trug sicht in Euch, wie Wahrheit, ehrlich aus. Gcdank' am Hof ist Komödiantenantlitz; Es will geschminkt sepn ; und Ihr schminkt Eu'r Denken So gut, daß man's bcscheltcn mögt', cs gab ihm Natur ein allzu lebhaft Roth — Marquiffc. Nur weiter! Lauzun. Eu'r Witz ist Hofwitz, spielt mit Nichtigkeiten, Wärmt trefflich, doch verbrennt nicht, macht den Muri'scheu Wohl lachen, doch beleidigt nie den Eitlen; Die Energie in Euch sicht wie Gefühl aus; Eu'r kalter Ehrgeiz scheint Impuls zu sepn; 79 Eu'r schlauer Kopf wird Herzens Conterfci, Doch nicht, wie's Herz, sich selber zu vcrrathcn l Ja, ja! Euch glückt'S am HofI Ihr scht's, ich kenn' Euch. Nicht so dir ncugcbackne Herzogin, Die junge La Balliere. Marquise. Schwache Thörin! Lau zun. Wohl schwach, denn sie — sie hat ein Herz; indessen Liebt Ihr den König auch. Marquise. Sie liebt ihn nicht. Liebt Ludwig nur; ich — liebe nur den König: Pomp, Reichthum, Macht — wer sollte die nicht lieben? L a n z u n. Brav l Wohlgesprochcn! Ja, Euch glückt'S am Hof; Ich wußt's, und darum wählt' ich auch Euch ans, Vcrmogte darum Euren weisen Gatten, So viele Schönheit nicht in Nacht zu lassen; Bestimmte darum diese La Balliere, Als Freundin an den Busen Euch zu drücken; Belobte darum oft bci'm König Euch, Und bahnte Weg' Euch, einen Herrscher zu Beherrschen und den Thron mit ihm zu theilcn. Marquise. Ich weiß, Du bist Baumeister meiner Macht; Und stcht's Gcbäud' erst — 80 Lauzun (lächelnd). Könnt' ich leicht es stürzen, Wenn undankbar Du — Marquise. Ich? Ei, geh doch! Lauzun. Hört mich! Das Eine muß des Andern stets bedürfen. Lang' leb' der König! Mag die Krön' ihm lange Die Stirn bedrücken; aber was ein König An Hoheit, Macht und Reichthum geben kann, Scy unser — Königs Freund und Favoritin! Marquise. Läßt sich die Herzogin auch leicht verdrängen? Man liebt La ValliLrc; ihr mildes Wesen Verschüchtert mich sogar. Schcint's doch als bäte Die Welt sie, ihre Größ' ihr zu verzeih'« I Lauzun. Und stürzt sich selbst dadurch! Am Hof, Athcnä, Mimmt Laster Tugcndschcin an, findet Anhang, Und stiert das plumpe Ding, das man „Moral" nennt, Mit Hohn so lang' an, bis cs sich verkriecht. Warum haßt De Lauzun die Herzogin? Warum soll eine Andr' an ihre Stelle? Weil De Lauzun durch die Mätresse nicht Die Macht gewinnt, die er durch sic gehofft hat! Die Herzogin gedenkt nicht alter Freunde, Und trachtet nicht sich neue zu erwerben. 81 Wer mögt' auch Freund vvn einer Dame scpn, der'S Sündlich bcdünkt, vom König 'was zu bitten? - „Freund" heißt am Hof nichts weiter als „Beförderung." Marquise. Fürwahr! nicht würd' ich thörig scpn wie sie. Doch liebt, trotz ihrer Fehler, sie der König! Lauzun. Wir sind allein — so scy Verrath gewagt! Mensch ist der König — Menschen ändern sich l Mein ist sein Ohr, Ihr sollt sein Aug' gewinnen. Ein neu Gesicht, und ein erfahrner Höfling — Was könnte da ein albcrnlicbcnd Ding, Das zu gewissenhaft ist für den König ? Kaum wagt er aufzuschau'n, und fühlt, wie krampshaft Selbst auf dem stolzen Throne Frankreichs seine Hoheit zum Zwerg wird neben ihrem Herzen, DaS Einer Sünde Knecht nur ist — der Liebe! Marquise. Ihr scpd beredt l L a u z u n. Von solchen Wesen wissen Wir Beide wenig. (Bei Seite.) Jetzt hör'alif, Lauzun; Denn sonst verräthst Du Deine wahren Zwecke. (Laut.) Ist Ludwig bei der Herzogin? Marquise. Er ist es. Lauzun. Sie argwöhnt nichts von Euch? Bulwer'S Romane. l.X'XXHI. 6 Von mir? das Püppchen? Sie lehnt ihr Haupt an meinen Busen, nennt Mich „thcu'rstc Freundin;" fordert stets mich auf, Durch meinen Witz den König zu belustigen; Seufzt über daü Gcschch'ne; wünscht sich meine Stets frohe Laun', und fürchtet, Ludwig sicht Gelangwcilt sich durch ihr allcw'gcs Trauern. Lauzu n. So reift der Plan. Den Stolz des Königs Hab' ich Genügend aufgeregt, als war' ihr Trauern, Wodurch sie willenlos ihm Vorwurf macht, Vcrdächt'gen Ausschns. — Ihr erfahrt den Ausgang. Lebt wohl, Marquise — wir vcrsteh'n einander I (Ad.) Zweite Scene. Die Marquise (allein, ihm Nachsehen!». Und diesen liebt' ich — würde noch ihn lieben. Liebt' ich den Ehrgeiz nicht! — Ja, ja, mein Schritt Bedarf des Führers noch; doch auf der Höhe Scheuch' ich den Führer von mir. D», Lauzun, Mit Deiner stolzen, frechen Gönnermicne, Sollst noch vor meinem Wink erzittern, sollst Dein Glück an meiner Laune Fersen heften. O eitle Wichte, die man „Männer" nennt! Wohl singt der Dichter: „Als der Schönheit Macht Von Himmels Hand dem Weibe wach gegeben. Empfing das Weib den cinz'gcn Sccpter, der 83 Die Welt in Sclavenfefseln weiß zu zwingen." — Mem ward der Sccprcr; und ich will ihn schwingen! (Ab.) Dritte Scene. (Anderes Zimmer. — Ludwig und Luise scheu und spielen Schach.) Ludwig. Ein cinj'gcr Zug noch — Luise. Nicht doch; Schach dem König! Ludwig. Es ist umsonst; der König steht gedeckt. Da! Gegcnschach! — Verloren Kind. Luise. Wie immer. In kleinem wie in großem Kricgsspiel bleibt Ihr steiS der Sieger. Beide (stehen vom Tisch auf). Ludwig. Licb'rer Sieg war' mir's, Wenn die Bestegt' ich mir versöhnen dürfte. Luise (niedergeschlagen). Mein thcurcr Ludwig! Ludwig. Wie? so traur'gcn Tons? Lächle, Luise! Liebe fühlt bedrückt sich, Wenn Düster auf dem Hetzen ruhst, das sie Mn ew'gcm Sonnenschein umgeben mögrc. - 6 * 84 Lächle, Luise! Selbst unfreundlich Wort War' besser, als so schwermuthvollcr Blick ist. So! so war's recht! Luise. Doch dünkt mich, daß Du selber Heut früh bei weitem minder hcit'rc Stirn Als sonst wohl blicken ließest — Ludwig. Ja, heut früh l Heut früh vernahm ich auch, wie Frankreich einen Verlust erlitt, den Kön'gc wohl beweinen! WaS weiß die Welt davon, wie viel ein Herrscher, Der lebenslänglich Dienst' erkaufen muß. In Dem verliert, der jede Gunst verdient, Und dennoch keine fordert! Ach, ein König Sieht nur der Menschheit Fcrsentretcr! Aechte Herrn dieser Welt — hochrittcrliche Seelen, Von der Natur geadelt, stehen fern da, Daß sie der Sclavcnstnn nicht „Schmeichler" schelte. AuS solchem Stoff war er, denssch verlor. Luise. Nenn' ihn, auf daß ich mit Dir ihn betrau're. Ludwig. Ein edler Nam', und edler noch sein Träger! Ein Mann, der wcrth war edlen Stamm zu gründen, Nicht Mann, den edler Stamm zum Mann erst macht. Auch rettet' er im Kampfe mir das Leben; Schon blutend schützt' er noch vor Feindes Speer mich. Todt ist er — unbelohnt all sein Verdienst; 85 Verdunkelt wie der Sonne Licht durch Wolken! Als Marschall hätt' er sterben sollen — ach! Er starb zu früh — mein tapf'rcr Bragelone. Luise. Wie? hört'ich recht? Mein bober Herr—mein Louis! Du nanntest — nanntest wirklich Bragelone? Ludw i g. So war sein Nam' — am Hof nicht oft gehört. — Du kanntest ihn? Wie? Du erbleichst? Du weinst? — Fühlt sich Luise krank? (Sr führt sie zu einem Sitze.) Luise. Scp still, Gewissen! Ich tödtct' ihn ja nicht! - Er starb „zu früh?" Ach! früher, früher hätt' er sterben sollen, Als all' sein Hoffen noch in Blüthe stand. Bevor ich ward, was jetzt ich bin — Ludwig. Was heißt das? ' Luise. An welcher Krankheit starb er, Sire! Ludwig. Ich weiß nicht. Er ließ den Kriegsdienst und verschied in Frieden In irgend einem fremden Lande. Frankreich Bcwadrt nur seinen Ruhm. — Was war er Dir, Daß Du ihm Thronen wcih'st? 86 - HM-.« Luise. Ward's niemals kund Euch, Daß man als Kind mich ihm verlobte? Ludwig (bewegt, bei Seite). Ha! Lauzun sprach wahr! ihr jungfräuliches Herz Wa>d mir nicht — einem Andern war's gegeben. (Saut) Beilobt? Du trauerst tief um ihn? Luise. 'Wohl ihn' ich'S. Ihm brach das Herz! Ich war sein Traum, sein Abgott — Mit meinem Leid mischt, ach!-sich — welche Reue! Ludwig. Reue, Madam? Fürwahr das Wort ist liebreich! Luise. Verzeihst, verzeihst — so plötzlich kam der Schlag! W'.c kann ein He'rz arch mit der Reue höfeln! Ludwig. Schon wieder Neue? Sagt's nur frei heraus: 2hr liebt mich nicht — Luise. Ich Dich nicht lieben, Louis? Ludwig. Nicht, so Du Reue f.hlst, geliebt zu haben! Luise. Wie, Ludwig? L ebt' ich Dich wohl besser, wenn ich Verlor'ne Tugend minder tief bereitste? 87 Ludwig. Ich bitt' Euch, laßt die Prunk'enlcnzcn weg; Hübsch im Roman, langweilen sie im Leben. Luise. Ludwig! verdien' ich das? Ludwig. Und ich? verdien' ich Den stummen Vorwurf solcher Aftcrrcue? Dw endlos nie zu sunftigcnde Bc'chwcidc? Dies Ammcnwüchwach von „verlorner Tugend?" Luise. Sire! dies von Euch? Ludwig. Fürwahr! wer so Dich hörte. Hielt wohl für eines Landw rlhs Daphne Dich, Die um ihr einiges Gut ihr faücher Tbyrsis Betrogen hat; nicht aber hielt er Dich für Die hohe Herzogin in unscrm Reich, Die glcichstcht unscrm königlichen Haus' als Der Schönheit Neid, und als die erste Herrin In uns'rcr Weltstadt — an Europa's Hof! Jst'S denn so Ichmachvoll, Luise La Vrllivre, Des jüngsten, nicht des Letzten der Bourbonen Ausschließlich Licbescigcn'hum zu scpn? Luise. Sire, als Ihr Euch he adlicßt, mich zu lieben. Hofft' ich, Ihr wüßtet, daß Eu'r Sonnenschein Auf nicd'rc Blume fiel. Laßt And'rc glauben, Die Sünde heil'ge sich durch äußci'n Glanz! Ich lieble Dich so rcin und anspruchslos/ Als wär'st der ärmste Ritter Du gewesen. Den Frankreich haben kann, auch weißt Du's, Louis. Ludw i g. Nicht aber wollt' ich's so! Mein Ruhm, mein Purpur, Mein Sccprcr und die Welt sind Thcil von mir; D'rum solltest Du sie lieben, solltest suhlen, Ich war' nicht Ludwig, war' ich wcn'gcr König. Wie? Du weinst noch? Die Thräncn tödtcn mir Die Liebe, die ich zu Dir tragen mögtc! Lu i se. Wie? „mögte?" Sprachst Du: „mögte?" Ludwig. G'nug, Madam? Weib, das ein Herz beherrschen will, muß dessen Natur verstehn, das seine darnach modeln; Muß gleichen Sinn'S mit nnscrn Launen scp.n. Luise. Ich will. Mein Mund soll lächeln lernen; soll's! Scy wie Du willst; nur, Louis, „sag' nicht „mögte!" Ludwig. Genug der Worte — Friede scp mit uns I (Bei Seite) Bei Gott! sie weint nur um so hcfl'ger noch. Ja, ja, sie lieble Bragelon' und trauert Ob dem Geschick, das sic zur Mcin'gcn machte. (Laut) Madam, der tapste Krieger, Eu'r Verlobter, Hat Thcil an diesen Thränen? Luise. O! nicht nenn' ihn; Unwürd'gcr Thau sind meine Thräncn all' Auf solch ein chrenwcrrhcS Grab. Ludwig (bei Seite). Geduld mir! (Laut) Langweilig ist solch Weinen, schöne Dame. Jin StaatSrath giebl'S genug, was uns, dieKön'ge^ Zum Weinen bringen könnt' — im Fraucnsaal Begehren wir an Hcit'rcrm uns zu letzen. Luise. Nochmals — vergebt I Ich bin so herzcnskrank! Durch diese Tod'cpost ward mir die Musik Von meines Königs Nähe so verstimmt, daß Ich siir die Einsgmkcit nur taug' — Erlaubt Mir, mich zuriickzuzieh'n. Seht Ihr mich wieder^ Soll meine Miene so scyn, wie Jhr'S wünscht. Ludwig. So sch's. Nicht stören darf ich Eure Trauer; Sic ist Herecht. So brav! und Eu'r Verlobter! Ganz kecht! Luise. Und du vcrzeih'st mir, Louis? Wir scheiden nicht unfreundlich? Ludwig. Schöne, nein! Luise (ab). 90 Vierte Scene. ' Ludwig (allein). Sie war mir erst' und g üh'ndste Liebe. War'sk Es muß heraus — sie war's, und meine Liebe Verglimmt zum Zwielicht, das man „Freundschaft" nennt. Und liebte sie den Bragelon' auch nicht, Sind Thränen doch langweil'gc Episoden Im kurzen Licbesdrama! Sie ist gut, Zst zart, ist mild, und liebt mich auch vielleicht; (Kein König weiß das sc gewiß!) Im Ganzen Wird doch die Zeit mir lang bei ihr; und was ich Mit Gleich gesucht, streife kalt sich von mir ab. — Ich will Lauzun aufsuchcn, mir gefällt Sein Witz, beinah' auch seine Schuikerci; Sie macht nicht gähnen wie solch Ncugcwinscl. Dem Knecht sind Hunger, Durst und Schlaf Be- düifniß; Der Höfling giert nach Titeln, Rang und Gold; Doch fällt von alldem nichts dem König ein, Drum will er eins nur — will belustigt scyn! (Ab.) Fünfte Scene. Luise (die wieder aufrritt). Ludwig! mein Ludwig! — ,Fort? Weh mir! er ging Halb übler Laun', und ich halt' Unrecht, dünkt mich. Doch nein! nicht halt' ich Unrecht Reu' zu fühlen, Doch Unrecht, daß ich's aussprach - 9l Sechste Scene. Luise. Die Marquise De Moutespan. Marquise. Wie? allein, Geliebte Freundin? und der König? Lui se. Ging; Ging kalt und zürnend — Marquise. Doch auf Dich nicht. Beste? Denn Deiner Engelsmilde Spiegelfläche Trübt, mein' ich, nimmermehr des Zürncns Hauch. Durch Kön'g' und Männer — Luise. Still! ich war zu tadeln; Der König war voll Huld. Ob ich ihm schreibe? Doch blickt ein Brief nicht so wie wir; und , o! Wie oft bezwang ein einz'ger Brief ein Herz, Das nimmermehr durch Worte war' gewonnen. Marquise. Heut Abend ist bei Hof' ein glänzend Fest, Dort triffst Du Deinen Treuen — Luise. Erst heut Abend? Wie lang' ist'S bis zum Abend noch! Marquise. Du weißt. Mein Amt macht mir den Hofpalast zur Wohnung; 92 Im Dienst der Kön'gin sch' ich Deinen Louis Vor Abend noch — ' Luise. Du Glückliche! Marquise. So könnt ich Huldvoll ist stets der König Deinen Freunden, Und daß ich Freundin Dir bin, ist ihm kund, — So könnt' ich — zwar mit minder süßer Stimme Ihm flüsternd Deine Botschaft Überbringer», Und Deine Taube mit dem Ochlzweig seyn. Luise. O, lieb' Athcnä! Marquise. Dein nur ist's Verdienst, So nah an Deinem Herzen mich zu tragen. Doch da ich nun der Liebe Herold bin, So sag' mir Näh'rcs von dem Liebcszwiste. Luise. Mich dünkt, des Königs hohen Sinn verdrießt Nicht mein Gewissen wie mein Herz beherrschen Zu können — darum, meine beste Freundin, Sag' ihm, ich wolle fürder meiner Trauer Mich nur im Süllen wcih'n. Athcnä, sag' ihm, Daß, wenn er auf Luisen wieder lächelt, Mein Lächeln flch in seinem spiegeln soll; Sag' ihm-Doch ich will schreiben. (Sie setzt sich »nd schreibt.) 93 Marquise (bei Seite). Braucht's der Pläne! Braucht's LauzunS Witz? Athcnä's Ränkespicl? Sie spinnt sich selbst das Netz, sich d'rcin zu fangen: Luise (aufstehend, einen Brief an die Marquise gebend). Da; schärfe diesen Brief durch alle Schönheit In Deinem Sicgerblick und Zauberlächcln! Solch Bittenden schlägt keine Bitte fehl. — Und jetzt zu heil'ger Trauerpflicht, zu Deinem Verklagenden Gcdächtniß, Bragelvnc! Marquise. Wen nennst Du da? den Helden von der Fronde! Deii Letzten altnormannischen Geschlechts, Der diesem auSgcartetcn Jahrhundert Hochkräft'gcr, unbezwung'ner Bayakd ist! Luise. Du lobst ihn schön, Freund war er meinem Vater, Und sollt' ihm Eidam seyn durch meine Hand. Doch still! Grausamer Ludwig, Du betrauerst Ihn — ach! ward mir mehr Ursach nicht dazu? Marquise (hastig). Wie? starb er? War Dein Schmerz dem König unlieb? Mußt' er, daß Du mit ihm verlobt war'st? Luise. Ja; Doch dünkt's ihn Sünde, daß ich um ihn trau're. Marquise (bei Seite). Ein Weg - ein neuer Weg! dem will ich folgen. 94 Bis cr zum Thron mich führt. (Laut) Scp nur getrost, Trau' treuer Freundin und der Uebcrrednng! Mich dünkt, sic soll noch heut ihr Siegofest feiern. Leb' wohl und hoffe! Deine Sache führ' ich. Als thät' ich's für mich selbst. (Bei Seite im Abgehe,I.) Du bist gerichtet! Siebente Scene. Luise (allein). Holdiußcr Trost, an Frcimdcebrust zu ruhn; An Frcnndinbuscn! — Auf wie schwaches Rohr Lehnt sich daö Weib, wenn cs den Mann Ucbt! — Frieden, Ehr' und Gewissen bin! Vcilicr' ich ihn noch. Was bleibt mir dann? O Herz, mein Her;, wie schwer I — In meine Kammer, m-'ch am Gram zu weiden! — Und ich bin daö Geschöpf, das sic beneiden?*) (Ab.) Die Schauspiele,-in, von welcher die Rolle der Herzogin De la Balliere gespielt werden mögt-, wolle mir di- Vemeikung gestalten, daß dieser Schlußvers der Seene keineswegs ironisch, sondern mit einer Art trauriacr und geduldiger Verwunderung z» sprechen ist. Luise scheint hier in einem erstaunenk,-ollen Grübeln über den Gegensatz zwischen ihren wirkliche» Gefühlen, und dem Neide, den sie erregt, verloren zu sepn, und mit einem leisen Ausfahren und Lächeln aus dieser 85 Achte Scene. (Die Gälten von Versailles.) Lauzun. Grammont. Mehrere Hofherren» L a iiz u n. Die Stund' ist jetzt, da mi°cr Huldmonarch Den Boden seiner Paradiesesgärten Mit seinem Hcrrschcrfußtntt ehrt' Ihr Herren, Da habt Ihr ächten Höflingsstyl — Grammont. Pfui, .schämt Euch! Tragt die Tirad' an einen Duodczhof, Dcß Grundgebiet cilf deutsche Meilen mißt; Nicht in des großen Ludwigs Welt! — Die Stund ist» Da Phöbus scheu versinkt, und alle Sterne Den Tag beneiden, der den König sieht! Nennte Srene. Vorige. Montespan (der früher eintrat, in prächtiger Gallakleidung, mit rothen Strümpfen :c.) Montespan. Entzücken das! Welch ein Gcdankcnschwung, Betrachtung zu erwachen. Ueberl'anpt sollte die Darstellerin durchweg bedenken, daß Luisens eigentlicher bkarakter binfachlieit ist, und daß in ihrer Rolle sich wenige Stelle» vorfinden dürften, in denen nicht ein natürlicher Nedcvorlrag wirksamer als alle Deilamation ist. Anm. d. Autors. Geschmack und »sentiment!" — so keusch, so nobel! — Entzücken! Lau zun. Ihr hier, Herr Marquis! Graf Grammont Wird Eures Lob's crröthcn — Montespan, Ihr scyd der Mode Spiegel! — Welche Strümpfe! Ihr auscrles'ncr Mann! Montespan. (Sich betrachtend: selbstgefällig.) Ja, hübsche Strümpfe! Lauzun.I Nur hübsch? War' ich vermählt, so litt ich nicht Daß meine Frau sich auf drei Schritt' Euch nah'te; Ihr würdet sic verbrennen! Schreitet Ihr Daher doch wie Kupiv' auf zweien Fackeln! Ihr scpd gefährlich — Montespan. Meine Frau sagt'S auch, And bittet mich, ihr fern zu bleiben, daß sie Mich nicht zu heftig liebt. Am Hofe müssen Leute von Stand hübsch die „äolivrs" beachten; Es schickt sich nicht, allzuvcrliebt zu scpn. Lauzu n. Ein Engel ist die Frau Marquise! — Wißt Jhr's? Sie zürnt entsetzlich — wie ich's prophczcih'le — Sic zürnt; denn Ludwig macht ihr stark den Hof. Montespan. Der König? He! Verzweiflung! Nicht doch, Herzog ; Entzücken! Hm! 97 Lauzun. Ihr scpd nicht eifersüchtig? Montcspan. Potz — eifersüchtig I Nein. Lauzun. Kein Marquis kann Ze eifersüchtig seyn — M ontespan. Auf Grafen und Baronen nicht — doch auf den König? Wetter! Könnt' ich's nur denken je, daß meine Ehre — Und wärcn's fünfzig Kön'ge — Zehnte Scene. Vorige. Ludwig» Ludwig. Gruß , Ihr Herren l Bedeckt Euch, bitt' ich. — He! was sprach der Marquis Von fünfzig Kön'gcn? Montcspan. Ich, Sire? Ich? Verzweiflung! Lauzun. Daß fünfzig Kön'ge noch kein Ludwig sind. Ludwig. Erzschmeichlcr Du! — Ein Wort mit Dir, Lauzun. (Sr nimmt de» Herzog bei Seite, die übrigen Höflinge gehen ab.) Vulwcr'S Romane. I.XXXIU. 7 98 Monte span (im Abgehen). Mein Weib sprach wahr; der würd'ge Herzog hat Den ächten Hofton weg — er lügt ganz göttlich! Eriftc Srene. Ludwig. Lauzuu. Lauzun. Der Montespan ist klassisch dnmm, doch hat er Einen prciswürd'gcn Vorzug — seine Frau. Ludwig. Fürwahr, ein herrlich Antlitz! Lauzun. Daß sie'S hörte, So zählt' Eu'r Hof ein glücklich Wesen mehr I Ludwig. Gewiß, Lauzun? Lauzun. Ihr Herz gleicht einem Perser, Der auf der höchsten Höhe sich den Tempel Der Andacht bau't. Jedoch verzeiht, mein König; Vergaß ich doch, daß Ihr Naturen vorzieht, Die minder glühend lieben, wenn so gut auch. Ludwig. Hm! Diese Montespan ist liebenswürdig I — Und sich! sic kommt, indem Du von'ihr sprichst. Glückszufall. Zwölfte Scene. Die Vorigen. Marquise. L a u z u n. Darf ich mich entfernen, Sire? Ludwig. Pah I Botschaft von der Kön'gin — wie Du willst. Lau zun (bei Seite). Mich dünkt, cs geht hier wie ich Willi (Ab.) Marquise (die jetzt den König zu bemerken scheint.) Der König! (Grüßt und will abgehen,) Ludwig. Wir hofften, schöne Dam', Ihr brächtet uns Entschuld'gung, daß so schnell Ihr wieder fortgeht. Eu'r Morgcnroth läßt Euren Untergang Uns nur um desto mehr beklagen. Marquise. Sire, Dürft' ich cs wagen, bät' ich gern um Gunst, Mich schmcrzlichsiißcn Auftrags zu cntlcd'gen. Ludwig. Zum Erstenmal' erfleht so schöne Stimme Gunst, die nur allzugern ihr sey gewährt. Sprecht, Schönste! ' Marquise. Gnäd'ger Herr, die Herzogin, Die Ihr — so fürchtet sic — im Zorn verließet, Bchändigte mir diesen Brief an Euch. 7 Ludwig (di- Marquise anblickend, indem er den Brief nimmt; bei Seite). Wie sie crröthct! Jst's doch mehr als seltsam, Daß ich die dunkeln Augen nicht bemerkte, Die schier im cig'ncn Licht verglüh'n! (Blickt in den Brief, und steckt ihn gleichgültig ein.) Kaum ziemt' Es ihrer Wiird' und unsrer, daß die Dritte Erfuhr, was uns nur angcht. Sie ist gut. Doch in allväl'risch düstcr'm Schloß erzogen, Kennt sic des Hofes feine Sitte nicht. Marquise. Sic bat um Fürsprach mich. Ach, Sire, wem glückt cs Wohl da, wo's schöner La Balliere fchlschlug? Ludwig. Bat Dich? Sehr klug von ihr! — War'ich ein Weib, Und liebt' — ich wählte nimmer solchen Herold. Marqui se. Je, wie's Gemüth ist, wechselt Lieb' die Farbe. Luisens Stolz schcu't keine Ncbenbuhl'rin, Und ihre Schönheit läßt sic feine finden. — Darf ich ein Wort des Trost's ihr überbringen, Da zwiefach Leid um Euer Mißbehagen Und um des thcuren Freundes Tod sie drückt? Ludwig. Ach so! ist das das Leid! M arquisc. Ein tapfrer Herr War dieser Bragclon', und ihr Verlobter, 101 Vielleicht hat sie ihn einst geliebt, bevor Der Morgenstern durch Phöbus ward verdunkelt. Ludwig. Sic hat? Ihr meint? Marquise. Sire, in der That — ich weiß nicht; Doch hört' ich, wie sie hoch ihn pries, und sah, Wie sic in Schmerz zerfloß. — Verzeiht ihr, Sire I Ludwig. Verzeih'n? Nicht Ursach' gicbt's. Marquise. Gott scgn' Euch, König, Für dieses Wort. — Entlaßt mich, Sire! Ludwig. So bald schon? Marquise. Was kann ich mehr? O laßt mich zn ihr eilen! Schon muß cs Wonne sür sie scpn zu wissen, Daß von des götterglcichen Ludwig'S Herzen Ihr ein Atom gehört — wie noch viel mehr, Daß dieses Herz ist ganz ihr eigen blieben I Euch zn verlieren, König, kann kein Schmerz, Kann nur erhabene Verzweiflung scpn. Wie sie bci'm Wcltverlust der Römer fühlte! Ludwig (bei Seite). Bei'm Himmel! sie durchglüh't mich. Edler Sinn! Werth eines Königs Liebe! Marquise. Ludwigs scpn — 102 Ha I welch ein Ruhm! Rief' alle Welt auch „Schande!" Rust lauter die Drommet' im Herzen doch Mit schwellend jubelvollem Ton: „Die Welt Ist Sciavin Ludwigs, und dies Herz ist sein — Was kann die Sclavcnwelt dagegen bieten?" — Verzeihung, Sire; ich war zu kühn — — Ludwig (bei Seite). Beim Zeus! Das klingt wie Liebe — könnt' ich sie gewinnen l Wie Liebe klingt's, die heil'gen Lorbcrs Grün Mit ihrem Mprthcnkranz weiß zu verflechten. (Laut.) Jndcß Du sprichst, Holdschönstc, ftthl'ich, wo's An Liebe fehlt, und was die Liebe scpn soll. Du kamst als Bittende, und weilst als Nicht'rin. Denn knic'n mögt' ich und stehn um Deine Huld! Marquise. Nein, nein I — Sie ist mir Freundin, und wenn sie Nicht liebt wie ich — wie ich wohl lieben mögtc. So glaubt sie doch zu lieben. Nicht verlockt mich! Wer könnt' Euch widerstehn! — Mit Gott, Sire! (Ab.) Dreizehnte Scene. Ludwig (allein). Fort ist sic, spricht nicht mehr - doch ihre Stimme Klingt noch wie Nachtigallcnton im Ohr mir. Mir träumte, La Vallwre liebte mich I Sie, die nur Schmach in Liebe fand I Vor'm Wahren Erbleicht und stirbt das zahme Aftcrbild. 163 Bei düstrer Stirn der frommen La Valliöre Fühl' ich ein Mensch und Misscthätcr mich; Doch dieser Montcspan crhab'ner Geist Erweckt den m-ein'gcn; ich bin Ludwig wieder, Den die Welt „den Großen" hat benannt. In dieses WcibcS Stolz spicgl' ich den mcin'gcn, Und mein erschöpftes Leben hat auf's Neu' AufrcgnngSspannkraft sich in ihr gefunden! Heut Abend sch' ich sic — Entfleucht, ihr Stunden! (Ab.) Vierzehnte Scene. (Großer Coursaal im Palast zu Versailles; im Hintergründe sicht man eine Reihe von Gemächern.) Die Königin (hat ihren Sitz links auf der Bühne). Damen vom königlichen GeLlüte (sitzen ebenfalls, doch nicht auf Armstlihlen). Viele Hoffränlein (stehen um die Königin herum). Mehrere Hoffränlein (treten nach einander ein, begrüßen die Königin, und begeben sich auf den Vordergrund der Bühne). Die Königin (steht gegen jede derselben zur Hälfte auf und redet durch stummes Spiel im Vorbeigehen mit ihnen). Erstes Hoffräulein. Wie huldreich ist die Kön'gin heut so Vielen! Zweites Hoffräulein. Die La Trimouillc erfreust sich neuer Gunst. 104 Drittes Hoffräulcin. Still! seht den Stern, der selten nur die Nacht Am Hof' erhellt — die schöne La Balliere! Fünfzehnte Scene. Vorige. L/lise (ist eingetreten; sie verbeugt sich gegen die Königin, die ihr jedoch zur Halste den Rücke» schweigend zukehrt). Erstes Hoffräulcin. Sch't Ihr, wie zürnend sich die Kön'gin wandte? Zweites Hoffräulcin. Gleichviel, die Königin ist eine Null; Des Königs Lächeln nur tritt ihr als Zahl vor. Drittes Hoffräulein. Sehr wahr! Und da dies Lächeln immer noch Der La Balliere gilt, so ist sie die Kön'gin. — Was mcint Jhr? thun wir wohl, sic zu begrüßen? (Die drei Hossräulein und mehrere von den Damen umringen Luise und scheine» ihr ehrerbietig zu huldigen, welches diese mit Demuth und Verle- genbeit annimmt. Nach diesem stummen Spiel wendet Luise sich rechts hin in den Vordergrund.) Luise (für sich). All dieses Lächeln tilget nicht den Zorn Der schwerverletzten Königin; und Weh mir! Wie straft mein Herz sich selbst, daß es sie kränkte. 105 Sechszehnte Secne. Vorige. Lauzuil, Montespan und mehrere Höflinge (treten ein und umringe», nachdem sie die Königin begrüßten, ungleich angelegentlicher die Herzogin De La Valli«re), Erster Höfling (der Luisen eine Bittschrift darbietct). Madam, ganz Frankreich preiset Eure Huld; Dürft' ich die Gunst erflehen, dies Gesuch Durch Euch dem gnäd'gcn König vorzulegcn? Die Obristlieut'nantsstell' im Regiment Der Garde ward vacant. — Zwar dient' ich noch nicht,. Doch, hoff' ich, kennt man meine Tapferkeit, Denn im Duell obsiegt' ich dreien Gegnern. Zudem genügt Ein Wort von Euch weit mehr Als aller Ruhm, den Andr' in Holland fanden. Luise. Vergebt mir, Herr; die Freundschaft des Monarcheir . Verdient' ich schwerlich, so ich je vergäße, Daß Ehren nur Belohnung des VcrdicnstS sind. Sie, die für Honigwort' und schlaues Lächeln Mit Acmtern feilschen in des Königs Vorsaal, Betrügcn's Volk und schmähen ihren Herrscher. Die Marquise (die sich unter den Hofdamen befand, zu dem Höfling, nachdem Luise sich vow diesem abgewendet) Gebt mir die Schrift — der König soll sic sehen. (Musik ertönt.) 106 Siebenzehntc Scene. Vorige. Ludwig mit Grammont und mehreren Höflingen. Ludwig (an der Königin vorüberkommend, begrüßt er diese sehr höflich, »nd unterhält sich mit ihr in stummem Spiel). Grammont (der in den Vordergrund trat). Mit welcher Stattlichkeit und hoher Sitte Der König Groß' auf seine Schwächen wirst! Er macht das Laster königlich, vcrhiillt's nicht; Er ist der Prunkendste der Scnsualisten I (Musik schweigt.) L auzun. Wie so ganz anders auf der Jagd nach Lust, Als Englands zweiter Earl, der Miissigschlcnd'rcr! G r a m m o n t. Zeus gegen Komus! L a u z u n. Still, denn Zeus tritt zu uns. DieKönigin (steht auf und entfernt sich mit mehreren Hofdamen). Ludwig (geht langsam von einer Dame zur andern, indem er sie begrüßt, bis er bei Luisen steht.- Die Umgebung Luisens zieht sich zurück). Ihr kamt? Recht schön! Ich dank' Euch. Luise. Und verzeihst mir? 107 Ludwig. Verzeih'»? Ihr mißversteht mich. Wundes Herz Weiß nichts von Unmuth. G'nug davon, Luise. (Mit Seitenblick auf die Marquise.) Wie himmlisch lächelt Eure holde Freundin I Luise. Sic hat ein warmes Herz. Es freut mich, Sire, Daß Ihr mit meinen Augen sie betrachtet. Ludwig (wie vorhin). Bon alle» Euren Freundinnen ist sie Die Strahlendste! (Bei Seite.) Welch schönes Weib! (Laut.) Ich muß Ihr danken; ihrer sanften Stimme Ocl Goß sic in meines flncht'gen Zornes Wogen. (Sr geht zu derMarquise, die er dann durch das Gewühl in den Hintergrund führt.) Lauzun (zu Montefpan). Marquis, wie nun? „Entzücken?" M o n t c s p a n. Hml Lauzun. Der König Ist äußerst huldvoll gegen die Marquise. Montefpan. Gewaltig huldvoll! Wie er sic beäugclt! Lauzun. Blos Euretwegen- 108 Montespan. Hai Verzweiflung, wenn mir Der König Schmach — Lauzun. Er will nur Ehr' Euch anthun, Marquis, Ihr werdet groß am Hofe werden; Denkt Eurer Freunde dann. Montespan. Hm! wie Ihr sagt! Es ist Entzücken, wenn man's recht bedenkt. Ich seh' cs deutlich ein, cs ist Entzücken! (Er -egiebt sich in den Hintergrund, wo er den Zuschauern aus dem Gesichte kommt.) La uz UN (der zu Luisen trat). Hoheit beschloß, nicht mehr blos And're zu Verdunkeln — Ihr verdunkelt nun Euch selbst. Luise. Ich dacht', Ihr wäret Freund mir, und nicht Schmeichler — Lauzun. Freundschaft verlor' ihr schönstes Vorrecht, würd' ihr Verboten zu bewundern. Selbst der König Bewundert Eurer Gnaden Freundin; sagte Mir jüngst, sic war' die liebenswcrth'ste Dam' An seinem Hof. — Seht nur, derweil wir sprechen Schaut' er sie an — sein Athem "fächelt, seht doch! Die Locken, die ihr um die Wangen spielen — Luise (vor sich hin). Still, still, mein Herz! Lauzu n. Es ist nur Freundschaft; freilich Sieht sie sehr glühend aus — Luise (wie vorhin). Er kann's nicht wollen; Und doch I und doch! wie faßt er ihre Hand l Er flüstert — . Lauzun. Wie das Hofgcschmeiß d'rob lächelt l Und wie's wohl lästert. Luise. Nein, Lauzun, Ihr glaubt's nicht; Ihr könnt's nicht glauben — Lauzu». Daß der Hof Vcrrath kennt? Daß Männer falsch und Frau'n ehrsüchtig sind? Ich will's nicht glauben — Pah! Luise. Mir schwimmt'S vor'm Blicke. Ludwig war jüngsthcr so verändert. — Wie sie So schön istI Ach — und sie ist nicht gefallen! Er kommt — geht von ihr - Pfui! in thör'gcm Wahn That ich ihm Unrecht — ihm! Lauzun (bei Seite). Der Zauber wirkt. Marquise (giebt, nachdem der König sich von ihr weggewendet, dem ersten Höfling die Bittschrift zurück). Hier, Oberstlicut'nant l 110 Erster Höfling (mit tiefer Verbeugung). Tausend Dank, Madame. (Die Höflinge umringen ihn.) Zweiter H ösling. Groß muß ihr Einfluß seyn; drei Hcrzogssöhne Bewarben um den Platz sich - Dritter Höfling. Eine neue Sonne geht in ihr auf, anbetungswürdiger Als jene kalte La Balliere. Der König Braucht, dünkt mich, keine Courtisane, wenn Durch sie kein Höfling kann zu Amt gelangen. Ludwig (der nach stumm geführtem Spiele vertritt). Ihr Hcrr'n, gedenkt Ihr noch der hehren Kämpfe, Die auf dem Carouffelplatz früher wir Mitfochten? stattlich glorreiches Turnier, Das Franz des Ersten Zeiten uns zurückrief? L a u z u n. Von allen Euren Festen, Sire, das größte! Wer denkt sein nicht? Luise (bei Seite). Da trug er meine Farbe! Wie süß ist's, meinem licbcglüh'nden Herzen Die schöne Blüthezcit zurückzurufcn l Ludw ig. Erneu't ftp nächste Woche jenes Fest In Pracht und Prunk nach achter Rittcrwcift I Wir selber werden eine Lanze brechen, Zu Trotze Frankreichs hoher Ritterschaft. Zu Ehren aber jener Dame, die uns Mit ihrer Farbe schmückt; im Schild den Wahlspruch : „Sic strahlt am schönsten da, wo Alles glänzt." Lauzun. Ein königlicher Wahlspruch! Ludwig. Eh' wir geh'n Mag jeder Ritter seine Dame wählen ; Wir geben selbst das Beispiel — Die Höflinge (gruppiren sich mit den Damen, von denen mehrere ihnen eine Bandschleise verabreichen). Luise (spricht unterdessen znm König). O mein Ludwig! Im Herzen les' ich Dir. Dein Wahlspruch soll Die arme La Balliere im Stolz belehren. Nicht wende Dich von meinem Gruß ab! Früher Trugst meine Farbe Du, als ich sic nicht gab; Heut Abend scy sie Dein — Du liebst mich noch I (Sie hat sich eine Schleife vom Gewände gelöset und bietet sie dem Könige dar.) Ludwig. Madam, die Edelsten in unserm Reich Sind allbercit zu Eurer Hoheit Dienste. Mein Dienst ist schon versagt. (Sr hat sich zu der Marquise gewendet, von der er eine Schleife empfängt, die er sich an die Brust über denHeiligen- geist.-Orden steckt, den er trägt.) — Hier meine Farbe! (Stummes Spiel zwischen ihm und der Marquise.) 112 Luise (wie erstarrt). Wie? Was? Lauzun (leise zu Luisen). Scyd ruhig. Hoheit! Tausend Augen Haften an Euch. Gönnt dieser neid'schen Menge Nicht ihren Hohntrininph. O wär's mein LooS, So sanftes, zartes Herz mir zu gewinnen; 2ch ^ Luise (mit gebrochener Stimme). Still! — Vcrrath! Vernichtung! Weg! von hinnen! (Während sie hinweg wankt, ohne daß einer der Anwesenden sich mehr um sie zu klimmern schZint. fällt der Vorhang.) Ende des dritten Acts. Vierter Act. Erfte Scene. (Die Gärten zn Versailles«) Lauzuit (ist anfgetreten). So weit ganz gut! Von Ludwigs Busen riß ich Das Liebcsblümchcn langen Sommers los, Wie überreife Frucht vom Baum fällt; und Am Hof und über Ludwig herrscht die prächt'ge Marquise sonder Nebenbuhlerin, Schreckt jeden Feind und schafft dadurch sich Freunde. Ihr Lächeln spiegeln Staat und Amt und Ehr' ab, Um zu vcrschrumpfen, wenn sie zürnend dräu't. So weit ganz gut. Gut für die Montespan. Jetzt für LauzunI Die schöne La Balliere Lieb' ich, sofern ein Weib zu lieben ist. Hat auch der Edelstein ein mattes Fleckchen, Ist seine Fassung doch ein blendend Gold I Der König knickert nicht — Luisens Rcichthum Ist groß; ich schrieb ihn mir in's Taschenbuch; Dann ihre Güter in der Picardie Und der Provence — wahre Paradiese! Wulwer'S Romane. I.XXXIII, 8 114 Ein Wcib mir in der Herzogin zu geben, Stahl ich den treulosen Geliebten ihr — Heirat- ist heilig Ding, und Rcichthum gut Dingl Zweite Scene. Lauznn. Montespan. Montespan (austreteud). Ach, Herzog! seht hier einen Iammermann. Lauzun. Verzweiflung! Mo nie span. Ach! Verzweiflung trägt allstündlich Sich zu; doch diesmal — Lauzun. Ei, Marquis — schöpft Athcm! Was giebt es denn? Montespan. Ich bin vom Hof verbannt. Lauzun. Verbannt? weshalb? Montespan. Ei, weil mein Wcib ein Engel, Und d'rob der König grimmig ist, und spricht, Mein Tcmp'rament greif' ihre Nerven an. Mein Tcmp'rament! Ich Lamm! Lauzun. Der König Ist eifersüchtig wohl auf Euch — 115 Monte span. Bei'm Leben I Ihr traft's; doch gab ich nimmer Anlaß ihm — Dritte Scene. Vorige. Ludwig. Ludwig (zn Montespan). Ihr, Marquis, noch in meinem Schloßgebict? Das ist zu arg l Mon tespan. Laßt Eure Huld erflehen, Viclgnäd'gcr König! Ein so braves Weib Zu haben, thut mir leid — nicht meine Schuld ist's — Ludwig. Schweigt! Eure Albernheiten sonder Zahl — Die Sccnen, die Ihr spielt — Eu'r Hauszwist — Das Alles ist Scandal für unser» Hof! Dccorum heischt Euch zu verbannen. Da Ihr Mit Eurer schönen Gattin nicht in Eintracht Zu leben wißt, so — geht — und lebt allein! Montcspaii. Nicht HauSzwist gicbt's ja — Lauzun (halblaut). Widerspruch dem König? Montcspan. - Mein Weib und ich sind Täubchen — Ludwig. Einseh'n müßt Ihr, 8 * 116 Daß für Euch Beid' es bcffcr ist, die Kette Zu brechen, die ein Grcu'l Euch ist — Monte span. Ich schwöre — Ludwig. Still! Geht! Für den getrennten Haushalt, der Gedoppelt Kosten macht, zahlt unser Schatz Euch hunderttausend Livres — Montcspan. Großer König! Ludwig. Mcrkt's! frei von Stund' an ist jetzt die Marquise. Kein Wort! — Ihr braucht nicht in'S Exil — Adieu! Montespan. Ha! hunderttausend Livres — Lauzun. Geht! Montespan. Entzücken! (Ad.) Vierte Seene. Ludwig. Lauzuu. Ludwig. Wir find ihn los. Daß jemals solch ein Narr Zur strahlenden Athen« sich gesellte! In ihrem Veisepn stockt's Vergnügen nie ; Denn jeder Hauch im Luftkreis' ihrer Laune Kräuselt den Strom und kühlt die MittagSgluth. Lauzun. Wohl heißt es, „Lust lebt nur in Gegensätzen!" Und die Marquis' ist wahrer Gegensatz Zu Einer — Ludwig. Die ich liebt', und noch verehre. — Arme Luis'! erzwange Neigung sich/ Würd' ich noch jetzt Dich lieben; und selbst jetzt noch Bezaubert mir Athenä nur die Sinne, Und Ludwigs ödes Herz sehnt sich nach Dir. O, wärst Du Freundin mir, wenn nicht Geliebte! Ich darf nicht glücklich scyn bei Deinem Leid. L a u z u n. Quält meinen König sie noch stets mit Bitten, Mit zarten Klagen und mit Liebcsvorwurf? Ludwig. Ihr Lieben überlebt sein Hoffen. La uz un. Bös ist'S, Thräncn zu sehn, die man nicht trocknen kann, Und Frcundschaftöfrost der Liebcsgluth zu bieten — Ludwig. Sehr bös, und völlig unnütz. Lauzun. Dürfte, Sire, So reines Herz nicht durch der Ehe Bande Sich schwicht'gen, und die Liebe, die ihr flieht, Bei Eurer Freundschaft Tröstung finden lassen? Ludwig. Schon dacht' ich'S. Herzog Longueville liebt sic, 118 Und bat um Gunst, ihr Herz und Hand und Namen Bieten zu dürfen. Lauzun (lebhaft). Ha! und sie? Ludwig. Vcrschmäh't ihn. Lauzun. Sire, wenn der Liebe Zwielicht einmal cintrat, Senkt sich's wohl nur auf Einen, den sein Glück An Ludwig knüpft, und dessen Umgang (wenn zwar Unwürdig) einen Zauber mit sich führt. Der an vergang'ne Zeit erinnert — Ludwig. Herzog! Sprecht Ihr von Euch? Lauzun. Dürft' ich cs wagen, Sire! Ludwig. Haha! Lauzun! Die sanfte La Valliöre Mit ihrem Kummer Gattin Dir — Haha! Lauz u n. Mein Nam' ist edel wie De Longueville's, Mein Ruhm ist größer; denn man weiß, daß Ludwig Mich höher achtet — Ludwig. Achtet? Nein! — begünstigt. Und wähnst Du, sie, die vor der Lieb' erbebt', Als Lieb' ihr Schmach schien, werde dem sich geben, Der mehr, denn Jeder, aller Tugend Hohn sprach? 119 Lauzun. Ihr thut mir Unrecht, oder Ihr — verzeiht, Sire! — Verdammt Euch selbst. Darf eines Königs Freund nicht Die lieben, die des Königs — Ludwig. Halt da, Herzog! Nie schmäht' ich so die leidbcschwerte Dame, Daß ich ihr einen Titel gab, der nur Der Montespan gebührt, die sich d'rauf großthut. Mätresse mir ist nur die Montespan, Doch Luise La Balliere ward mein Opfer. Ein feiner Unterschied, fremd Eurer Logik zwar, Die Gunst mit Achtung eben erst verwechselt. Geht, geht! Uns Kön'gc täuscht man nicht so leicht, Als Ihr wohl wähnt. Lauzun (l>c> Seite). So stolz? Jetzt muß sie mein scpn. Die Herzogin! So hcrr'scher Eitelkeit Scy, che sie's noch wähnt, das Grab gegraben! (Laut.) Sire, ich verletzte — wollt gcruh'n, mich zu Entlassen, daß ich Encrn Zorn beklage, Wiird' auch mir nimmer dessen Ursach kund. Und schcint's, ich ging bei Eurer Gunst zu weit, Als ich da liebte, wo durch Euch, Sire, Liebe Geadelt ward, so wollt's mich doch bedünkcn, Mein Lieben ftp nicht allen Höffens bar. Ludwig. Wie, Herzog? 120 Lauzun. Ich verzichte, Majestät, Auf mein stolzes Hoffen. Wollt geruh'n, Mich zu entlassen — Ludwig. Wie? ich soll verstehn, Luise könnte zum Gemahl Dich nehmen? Lauzun (abweisend). Verzeihung, König — Ludwig. Muß ich zweimal fragen? Lauz u n. Ich glaube, Sire, bei Zeit und bei Geduld Wird mich die Herzogin wohl nicht verschmähen. Ludwig. Geh denn I versuch' Dein Glück, es scy erlaubt Dir; Und wird Dir Glück, so ist die Lieb' ein Räthscl, Und Weiber find dann — Doch gleichviel! Geh, gehl Nicht wollten wir Dir wchthun; d'rum vergiß cs. Wirb wo Du willst, heimführc was Dir folgt! Lauzun. Lauzun empfiehlt sich seines Königs Huld; Und wenn ein unverdientes Wort ihn kränkte, Denkt er der Gunst, die keine Sprache nennt: Erinn'rung heilt ihm seinen jetz'gcn Schmerz — Gott mit Euch, Sire! (Bei Seite.) Doch bleibt er der Getäuschte! (Ab.) 12l Fünfte Scene. Ludwig (allein). Die Lieb' ist hin; doch regt sich Eifersucht? Lauzun ist schlau und witzig — kcnnt'S Geschlecht: Wenn Ja sie spräche? — Nein, ich will'S nicht glauben, Was ist sie denn mir noch? Nichts, nichts als Freundin; Und gut und wohl war' cS,, würd' sic vermählt — Wär' Schminke für Gewissens bleiche Wangen. Ob sic ihn annimmt soll mich doch verlangen l (Ab.) Sechste Srene. (Cabinet im Palasse der Herzogin De la Valliere.) Luise (austretend). So liebt er mich nicht mehr! Und alle Worte Auf Erden nennen nur das Eine Denken: Er liebt mich nicht mehr! Wohin nun, mein Herz? Die arme Mutter schläft den langen Schlaf. Wohl ihr! sie trank des Lebens letzte Hefe; Nicht will ich klagen über ihren Tod. Doch hart ist'S, so allein zu sepn auf Erden l Die Liebe, der ich Alles hingcopfcrt, Ist todt in ihm, und lebt nur mir im Herzen; Lieb' aber, die sich selber überlebt. Verwandelt selber sich und wird Verzweiflung. Weh mir, wie hasscnöwerth ist diese Welt! 122 122 Ein Kämmerling (meldend). Dilc de Lauzun I Luise. Brächt' er von Ludwig Holdes l !> § Siebente Scene. Luise. Lauzun. ^ ' Lauzun. Darf ich Euch stören, Gnäd'gc? t ' Luise. Scyd willkommen. !!!! l Ihr war't zu Hof heut? Lauzun. Ich verließ den König Im Garten — eben — Luise (lebbaft). Nun? Lauzun. ! ! > In Fülle der Gesundheit. Luise. Weiter! Lauzun. Schöne Dame, weiter Müßt' ich denn nichts. Luise (bei Seite). Ach! also keine Boischaif. 123 L a u z u n. Zwar gab's Gespräch von einem Gegenstand, . Der Einem von uns thcu'r ist. Ihr errathct — ? Luise (freudig). Sprach er von mir? Lauzun. Von Euch sprach ich; Er — ging d'rauf ein. Hoch pries ich Eure Schönheit — Luise. Ihr priest? Lauzun. Den Grazicnwuchs, das Zauberantlitz,. Des Geistes Rcichthum, der, wärst Ihr nicht geizig Und hieltet nicht versteckt ihn, alle Münzen Aufwägcn würde, die für Witz man ausgicbt, Der König stimmte bei, und wünscht', Ihr wärst so Beglückt, als Eure Tugend Euch dcß wcrth macht. Luise. Hohnspöttcrci I Lauzun. Nein; Ernst war's, Herzogin. Der König sprach sogar — wenn seinem Willst! Ihr Euch nur fügen — Luise. Seinem Willen? Gern! Lauzun. O, wie mein Herz bei diesem Worte pocht! 124 Versprecht nur nicht zu Hastig, oder mind'stcnS Erfüllt, was Ihr versprecht — Luise. Wozu die Räthsel? La uz un. Der König meint, da Ihr so einsam sepd, Und Euch im Busen Zartgefühle wohnen, Durch die zum Eden jede Hcimath wird, Ihr mögtet Einem, dessen Lieb' Euch Trost Und Schutz gewähren könnte, Gattin werden. ' Er sprach'S, und all mein lang verhehltes Sehnen Ergoß in Worten sich, und ich gestand — Laßt'S nochmals mich gcstch'n! — daß ich Euch liebe. Luise. Ihr? mich? und er — der König? Lau zun. War mir huldvoll, Und wünschte Glück mir — Luise. O! (sie sinkt auf einen Sessel und bedeckt sich das Gesicht mit ihren Händen). Lanzun. Blickt auf doch! Ein Herz, das Eurer so vergessen konnte, Ist keiner Thra'nc wcrth; blick' auf, Luise!' Luise. Er wünscht' Euch Glück? Lauzu n. Verzeiht I mein wildes Hoffcir Trieb mich zu weit — Luise. Euch wünschte Ludwig Glück? Lauzun. Vergeßt so treulos rcuclosc Liebe! Nur Eure Freundschaft schenkt mir, und Lauzun Bringt Euch Verehrung, Lieb' und ew'ge Treue — Luise. Mich einem Andern geben? — Gut so, gut! Der Erde letztes Band ist nun zerrissen. Der Erde letztes Hoffen mir dahin! Lauzun. Holde Luise! Luise. Also Ihr scpd der, Dem dies verrath'ne Herz er geben mögte? Und Du, Lauzun, Du edler, prächt'gcr Spötter, Nahmst Ludwigs ausgcstoß'ncs Kebswcib an, Und hältst nicht für entehrt Dich ? Pfui, wie schamlos! Lauzun. Nicht Sünde lockt' Euch und nicht nied'rcr Ehrgeiz; Die Liebe that's, und Eure Schmach wird Ehre, Stellt sie sich neben sogenannte Frau'n Von Welt — Luise. Hinweg! daß ich Euch nicht verachte» Verging ich, Herzog, mich auch noch so schwer, 126 So kcnn' ich doch die Majestät der Tugend, Und fühle — was Euch fremd ist! Lanzun. Hört mich, Gnäd'gc! Luise. Fort, sag' ich I Ihr seyd Königs Freund — warst mein Freund. Nicht werbt um mich, daß Ihr die Schand' Euch spart, Von der Gcfall'nen und Verlass'nen Euch Verschmähst zu sch'n. Wer Ludwigs Freund gewesen, Scp nimmermehr zu solcher Schmach erlesen! (Ab.) Achte Scene. La uz UN (allein. Nach einer Pause, während welcher er seine Hand über seine Augen gleiten läßt.) So wahr ich lebe — feucht sind diese Augen! Und er, der diesen Edelstein besaß, Wirft ihn dahin und preis't das Rauschgold „göttlich!" Mein Hoffen sinkt; zn sichrem Plänen ruft mein Geschick zurück mich — Dir geschieht ganz recht, Lauznn! wie konntest Du Dein so vergessen? Der Tugend je zu hnld'gcn Dich vermessen? (Ab.) Neunte Srcue. Der Kämmerling. Bragclone (als FranziSka- nermönch). Kämmerling. Ich fürcht' Ihr kommt zu spät heut zur Audienz, Ehrwürd'gcr Pater. 127 Bragelone. Zur Audienz? Ein Hofwort; ES ziemt der Herzogin. Geh hin, mein Sohn, Und melde mich. Kämmerling. Mit welchem Namen, Pater? Bragelone. Ich weiß nichts mehr von Namen; melde mich ' Als namenlosen Mönch, der sein Gebet An Gräbern sprach, die Deiner Herrin theu'r sind. Kämmerling (bei Seite). Ich sag'S, die Gnäd'g' ist zu vcrschwendrisch gegen Das Mönchsvolk. — Dieser Pater aber, dünkt mich, Wär' ch'r ein Kriegs- als ein Kapnzcnmann. Es übcrläuft mich kalt, indem er spricht, Gebict'risch schau't und herrisch sich gcbcrdct; Und dennoch, schwör' ich, ist's ein Bcttclmönch. Was geht er mich an I Bragelone (allein). Hörst Du nicht? So geh' doch! Kämmerling (zur Seite ab). Bragelone (allein). Sie wird mich nicht erkennen. Meiner Treuen Gctreu'stcr, der die nackte Brust dem Stahl, Gcböt' iHS, sonder Murren bieten würde; Die Amme, die mich säugte; meine Mutter Selbst, wenn sie mich in diesem Kleide säh'n. Mit diesen Zügen frühen Alters säh'n, Die mir aus wunder Brust in's Antlitz krochen; 128 Sic Alle würden mich nicht wieder kennen - Wie sollte sie's nach sieben langen Jahren, Wenn die selbst mich nicht kennen, die mich liebten I — Horch I horch! ihr Feentritt I wie hallt er mir Noch immer wundersam im Ohr; wie zittert Er ans dem Puls der Luft daher, und stirbt dann Im Herzen mir, das ihm zum Echo wird! Sie ist's! — Wie schön noch! Zehnte Srene. Luise. Bragelone. Luise. Euren Segen, Pater. Bragcbone. Der Hof — der Höfling mag die Herzogin, Die Hochbegünstigt' und Geprics'ne segnen! Der Priester hat nur Segen für die Dcmnth. Luise. Grollt mir der arme Pater? Würd'ger Herr, Ihr wünschtet mich — ich kam. Was wünscht Ihr? Zu Todtcnmefsen für gcschied'ne Seelen? Das was der Rcichthum Armen schuldig ist? Sagt an. Bragelone (bei Seite). Ihr Herz ist doch noch nicht verhärtet. Mich führt ein minder angenehmer Auftrag Zu Euch. Ein Liebster liebt' Euch einst, ein schlichter, Muthkühner Krieger — 129 Luise. O mein Gott! Bragclone. Er liebt' Euch So innig — aber Ihr — o! Ihr verstießt ihn, Natürlich war'ö — ja Eiii'ge ncnnen'S ab'lig. Der Krieger nun verzieh' Euch Euren Abfall, Doch nicht, was seine Thorbcjt Schmach benannte. Luise. Schont meiner, Pater! War von Schmach je Rede, So siel sie nur auf mich. Bragclone. So meint die Welt, Nicht meint' cS jener widc.sinn'gc Krieger. Sein Denken, seinen Ruhm, sein Selbst fand er In Dir nur — so in Dir auch sciii^ Schande! Luise. Schont! habt Erbarmen! Bragclone. Und der arme Thor, Der Schatten, der in Deinem Licht nur lebte. Er staib dahin, als Du vcidunkclicst; Er ließ den Krieg — war doch sein Nubm dahin! Er ließ sein Land — gäb's Heimath ohne Dich wohl? Sein stolzes, unbeugsames, finsi'reö Herz — ES brach und seufzte brechend Dir — Vergebung! Luis c. Und ich — ich lebe noch! Bulwcr'« Nomcinc. N.XXXIII. 8 130 Bragelonc. Einst sagt' er mir. Du habest ihn mit einer Schäip' umgürtet, Und ihn gebeten: „Trag sic dem zu Ehren, Der ehrenwert!) ist." Sprachst Du so zu ihm? Luise. So sprach ich. Wehe mir! Bragclonc. Er trug die Schärpe Bis an sein Grab. Sic war Erinn'rung ihm An süßen Traum; und aus der stillen Gruft Schickt er sic Dir — die Farben sind verblichen. Luise. Gicb! laß mich sie mit meinen Thräncn nässen. Die Denkmal meiner Schuld ist — Bragclonc (sanfteren Tones). So wie seiner Vergebung! Luise. Dieser Ton! — Ha! Deine Stimme So wie Dein Hicrscpn zeugt mir von Verwandtschaft Mit ihm, de» Beide wir betrauern — Sprich. Wer bist Du? Bragelone. Bragclonc'ö Bruder bin Ich, Der früh des üpp'gen Weltgcircibcö müd', Jn's Kloster ging, um Scclenruh zu finden, Luise. Ha! ist dem so? Du Bragelone's Bruder? So bist Du was er, lebt' er noch, scpn würde — Freund einer Frcundcsloscn! Bragclonc. FreundcSloscn? Ja; denn frühzeitig kerntest Du die Wahrheit, Daß Mannes wilde Leidenschaft die Tugend, Den Frieden und die Lrcbc stch zum Spiel macht. Und nach dem Spiel das Spiclwcrk von sich wirst. Freund! ose Du! o, wie beklag' ich Dich! Luise. Bleibt bei mir, frommer Pater; vntcrstützt-mich! Bcschcltct mich; nur leitet mich! O lehrt mich Vom Erdcntand zum Himmel mich zu wenden, Und das zu scpn was wahre Priester sind: Feind aller Sünd' und Freund wahrhaft'gcr Reue! Bragclonc. Willkommen hcil'gc, doch auch schwere Pflicht mir! Geliebte Tochter — streng ist des Himmels Ford'rung; Du kannst nicht Gott und auch dem Mammon dienen! Sünd' oder Tugend; Ludwig oder — Luise. Ludwig? Nicht Wahl mehr Hab' ich. die da Ludwig heißt — Ve.lasscn ward ich vom Geliebten. Bragclonc. Weiß cS! Und darum bring' ich Dir mein heilig Amt, Und meine Boisüaft. Als Dein wahrer Liebster Verschieb, schärft' er mir ei», sobald der Mehlthau 9 * 132 DcS TrcubruchS Dir dcr Liebe zarte Blüthcn Vergiften würd', und Sorg' und Reue Dich Beschleichen inögtcn, Tröstung Dir zu bringen. Er hofft' ich könnt's — Luise. Und nicht vergeblich hofft' cr's; Denn mitten im Gewühl dcr Welt fühlt' oft Ich eine Oed' im Herzen. Alfons wußi's wohl! Brägel onc. Ich glaube Dir; nimm ganz d'rum meine Botschaft; Als Deine Mutter auf dem Todbett lag, (Denn früher ging sic heim als Bragclonc,) Mit matten Augen durch die Dämm'rung späh'tc. Als ob ihr Geist, halb ledig schon des Stanb'ö, Sich nach Gefallen Bilder schaffen könnte, Und nach dcr Tochter Bild (da Luis« ihn unterbrechen will, verhindert er sie daran). — Sch still! — sich sehnte: Da war'si Du, ach! nicht da; ermordet ward Dir Durch Deine Schmach die traur'gc Pflichterfüllung! Doch an dem Lager stand ein treuer Freund, Andächtig betend ob dcr Sterbenden; So daß wenn klagend sie die Tochter rief, Ein Sohn die brennend heiße Stirn ihr kühlte. Luise. O Gott! Erbarmen! Bragclonc (fortfahrend). Kalt durch's Fenster schlich DaS Morgcngrau'n, als sic aus mattem Schlaf 133 Erwacht' und hag'rc Wangen vor sich sah — Denn Alter faßte vor der Zeit den Wächter, — Da zeigt' Erinn'rung all die Trümmer ihr, In die durch Schuld Du Ehr' und Frieden stürztest! Und die betagte Frau, einst eines Helden Ehrsames Weib, erhob die Stimm', um Fluch, Fluch auf ihr Kind- Luise. Nur weiter! Tvdtc mich! Bragclonc (mleeren Tones). Doch er, den das, was er Dir einst gewesen, Zum Sohn dcr a^men Dulderin gemacht, Hemmt' auf den Lippen ihr den Fluch, sprach mild Ihr zu von früher» , scclcnruh'gcn Tagen, Führt' ihr Dein frömm'rcs Bild aus zarter Kindheit In Deiner früher» holden Tugend vor, Zeigt ihr, wie schuldlos dcr Verlockung Raub, Du einsam ringend wehrlos Opfer wurdest; Schmolz durch den Sonnenschein dcr K ndcSlicbe Das Eis des Busens ihr; bis ganz sic wieder Die Mutter war — Luise. Und dann? — Bragclonc. Dann rief sie Segen Auf Dich, und — überwand den Todcöschmcrz. Luise (die hinaußstiirzt). Nichts mehr! Ich kann nicht mehr — mir bricht das Herz! 134 Eilfte Scene. Bragclonc (allein). Der Engel wich nicht von ihr! — Ihr Gefieder Verlor das Lilienweiß aus lüng'rcr Zeit zwar, Doch streben stets die Schwingen ihr nach oben! Erheb' sic, Heiland! Ludwig (draußen). Schon genug! Wir finden Ohn' Euch die Herzogin — Bragclonc. Des Königs Stimme! — Wie wallt mein Blut! — Mein Feind und ihr Verderber I Der Lüstling Ludwig! — Her mein gutes Schwert! — (Jnaein er hastig und mechanisch sich an den Gürtelgriff.) O Gott! — vcrgcff' ich mich denn selber, bis zum Wahnwitz? Der Krieger ist ein armer Mönch jetzt, der Nicht einmal Flüche hat — Entweiche, Satan! Entfleuch von mir, Versucher! - Ich bin ruhig. Zwölfte Scene. Ludwig. Bragelone. Ludwig (hastig herein). Nicht länger kann in Ungeduld ich harren, Muß wissen, wie des Herzogs Meldung auSsicl. 135 ! — Sic ist nicht hier — wohl bcl'm Gebet! die Gna'd'ge Ward Frömmlcrin. — Ein Mönch? — Gott grüß' ? Euch, Pater t Bragclone. . ^ Dank Dir, mein So-n. Ludwig (bei Seitei. ^ Er kennt mich nicht, flaut.) Nun Mönch? ! Ihr schd Almosenier der Herzogin? r Bragclonc. ' Mit Nichten, Sire. Ludwig. So dreist? und kennst unS doch? Bragclone. Doch Sire; Ihr scyd der Mensch — , Ludwig. « Der Mensch? Ha! Priester?! Bragclone. ; A'cbt Ihr am Wort? Wohlan, Ihr scpd der König, ; Der eine Magd zur — Herzogin erhob. ° Des Mädchens Va'cr war Euch wackrer Krieger, Ihr lohntet königlich ihm; machtet ihm Zur — Herzogin die Tochter. Deren Mutter War eine keusche Frau; Ihr brach't das Herz ihr. Doch war sic Mutter einer — Herzogin; Da« Mädchen ward a'S Kind mit einem Krieger ' Verlobt, der treu Euch diente, ja, das Leben Euch rettete — dafür nahmt seinem Leben , Ihr Alles, was dem Leben theucr war, 136 Und machtet ihm die Braut zur — Herzogin. Der König scpd Ihr, und die Welt nennt Euch Den Großen! — Tausend Krieger bluictcn Für Euren Lorbcr, und Millionen Bauern Verhungern schier, Versailles Euch zu bau'n; Eu'r Frankreich darbt, doch Euer Hof ist glanzvoll. Die Priester preisen Euch auf alle» Kanzeln, „Augustus" nennt Euch Euer Dichicrvolk, Und Maler stellen auf der Leinwand Euch Als ZcuS dar, dessen Dcnncr Welten schrecken — Doch für den armen Diener Gottes sepd Der König Ihr, der seine Pflicht vcrräth, Sein Volk verarmen läßt, der gift'gcn Hof halt, Mit Menschenleben, wie mit Spielwcrk, würfelt, Die Tugend zwingt des Lasters Magd zu seyn, Und jetzt zum erstenmal den Namen hörte, Den er vor Gott und Nachwelt stch crlüstclt! Ludwig. Füg' zu des Königs Sünden d''c hinzu. Daß, wenn ein schurk'schcr Pfaff rebellisch ward, Dein Ungcheu'r von König ihm verzieh! — Bist Du zu Ende? Bragclone. Eure Wechsclfarbcn Im Antlitz spotten Einer KönigSmaeke; Ter Sünder blickt durch den Monarchen durch. Ludwig. Nun, Ihr hcbl's Vcrrcbt! Nimmer soll cs heißen, lwuis gualorrio bestritt der Kirche Recht. 137 Bragelone. Oer Kirche Recht? — Wahr ist'S, dies grobe Kleid Wagt Rede, die den Hcrmclinpclz schreckt. Und wandelt sicher, wo im Kettenpanzer Ein stolzes Herz erbebt; jedoch weshalb?. Liegt Tugend im Gewand? im Pricstcrnamcn? Wird das Gewand von Motten doch gefressen. Und Pharisacrpriestee warcn'S, die Dem Wcltcnhciland an das Kreuz verhalfcn! Nein! Höher stch'ndc Bürgschaft haben wir, Dost Menschlichkeit sich den Tyrannen predigt, Daß Wah'hcit selbst durch Kcrkcrmaucrn dringt, Sich Bahn bricht durch den Panzcrstahl,de6 Kriegers, Den Schlummernden selbst auf dem Throne weckt, Vom Spbane'schcn Lager Wollust aufschcucht, Und Kön'gc vor der Priester Priester hinwirft — Und jener Donncrruf, der des, beflissen. HeißtKön'gcn, so w'eBcillcrn — das Gewissen! Ludwig (bei Seite). Er spricht wie ein Begeisterter! Bragclonc. Erwache! Scy'st Du auch groß — erwach' ans Deinem Traum, Als scy die Ende für die Könige, Der Mensch zum Kön'gSopfec und die Unschuld Zur Wollust da! ES wandelt düst're Warnung Ans Erden — durch d e Lüste schallt daö K'achcn Von Carls des Ersten Sturz! Wo der Palast Ei- hob, steh n das Schaffst jetzt und der Henker, Und das gekrönte Haupt fällt unter'm Bcil l Herr Du der Silber! l'jen — kannst Du's sagen, Ob gleich Geschick nicht Deinen Enkel trifft? Ob dann der Weise, dem solch Ende wchthut, Rückspähcnd nicht des KönigSmordcS Ursach In Deinen Kriegen, Deinem Frcvclhof, In Deines Volkes biti'rcr Armnth findet? Erwache, stolzer König! Gegenwart Wird schreiende Prophetin künfl'gcr Zeit - Die Königssiinden straft des Volkes Rache; Vierzehnter Ludwig — o erwach'! erwache! (Ab:) ^ Dreizehnte Scene. Ludwig. ^(Nachher) Kämmerling. Ludwig. Ha! Böspropbetischc Gestalt und Stimme! Gespenstisch Wesen, einer Höll' cntqualmt, Geheime Samm botsctast auszurichten, Kam-st Du, in mir den König zu vernichten? — Mir stockt das sonst so lebensfrohe. Blut! — Woher nahm vieler Pfaff so frechen Muth? Noch Keiner außer ihm konin's jemals wagen, Mit solcher Stirn mir solches Wort zu sagen; Mir, mir in's königliche Antlitz! mir! Ein Mönch! — I'ue vicu! cs war kein Dritter hier; ES war ein Traum — — und wie ein Traum soll'- schwinden! Fremd sind mir die mir vorgcworf'ncn Sünden. 13S Lieb ist mein Volk mir; ich bin kein Tyrann. Für Frankreichs Ruhm nur Schlachten ich gewann. Mein Pomp? Still, still! wie würd' cs sich ergeben, Wolli' als Anachorct ein König leben! Nie spricht mir mein Gewissen als Baibab; Noch gestern beichtet' ich, und am Altar Ward mir Absolution — der freche Pater War Frömmler, Ketzer wohl und Lügcnvatcr! Mögl'S ein Jesuit ihm dartyun! (rufend) Holla! (als ein Kämmerling eintritt) Wein! Dann melde nochmals mich der Herzogin. — WaS wollte jener Mönch hier? Kämmerling der abgebc» wollte, wendet sich). Sire, ich weiß nicht; Ich sah' ihn nie zuvor. Ludwig. Kann scyn, kann scyn! Die Herzogin gerufen! Dann bring' Wein! W (Als der Käm m er l in g zur Seil« abgebe» will, tritt Luise ibm herein ; der Kämmerling geht wieder durch die Milte ab.) Vierzehnte Srcnc. Luise. Ludwig. Ludwig. Nun, Gnäd'gc? Lange harrten Eurer wir, Und fanden unterdessen einen Mönch Als Euren Stellvertreter — einen Tollen, Mit dem fortan Ihr uns verschonen mögt. (Der Kämmerling tritt mit Wein ein, den er dem König reicht. Nachdem dieser getrunken hat, entfernt er sich wieder.) Ludwig. So, so! Der Trunk gab Stärkung. — Schöne Dame, Macht nicht zu Eurem Beichl'gcr jcncn Mönch; In seiner Predigt wohnet wenig-Tröstung. Luise. Sire, er mcint's minder streng, als cr's wohl auS>- spricht; Verzeiht ihm, bitt' ich — Ludwig. Ja doch, ja! - Nichts mehr Von ihm; nichts mehr! — Ihr hallet hcuic früh Besuch von einem Hofhcrrn — De Lauzun? Luise. Ja, Sire. Ludwig- Ein wack'rcr, feiner Edelmann! — Ihr schweigt? Wer schweigt, bejaht — Ganz recht, ganz recht so! Luise (für sich). Hinab mein schwellend Herz! (Laut.) Der Herzog sprach. Ihr wünschtet, daß ich dies gcbrochnc Herz — O Gott, wie sag' ich's? — Sire, Ihr wünschtet, daß Ich mich vermählte - 141 Ludwig. Gut'wohl wcir's für Euch. Lauznn zwar dürfte nicht der beste Mann scyn; Doch — wie Du willst! Luise. Wie? „Gut wohl wär's für mich?" Sprachst Du das wirklich, wirklich Du, mein Louis? O, sprich cs noch Einmal! Lud wig. Ich mein' cS ehrlich. Luise. So scy's denn! sey getroffen denn die Wahl! Ich werde Braut, Sire — Ludwig. So gelang's dem Herzog, Ich hoff', er liebt Dich selbst, nicht Deine Mitgift — Luise. Dem Herzog? — Lasest Du so schlecht, mein Ludwig? Zn meiner Seele, die als offnes Buch Stets vor Dir lag? O, mir ward bittres Loos! Ich will den Kelch bis auf die Hefen leeren- — Geh, Louis! geh! Wie glorreich Du auch bist, Nicht würdig warst Du dieses FraucnherzcnS! Ludwig (bei Seite). Ihr Trübsinn rührt mich. — Deine Wahl fiel also Auf einen würd'gcrn Bräut'gam? Luise. Sire, sie that'S. Darf ich ihn kennen? 142 Ludwig. Luise. Nur zu bald! zu bald nur I Jetzt nicht — O Gott! Ludwig. Nicht seufze, holde Schöne! Sprich nicht so lraurig. Schwand die Lieb' uns auch, Blieb uns doch Freundschaft — und mein liebstes Hoffen Ist, glücklich Dich zu sch'n. — Reich' mir die Hand; Laß Freund' uns scpn! — Wir sind's! Luise. Nichts mcbr als Freunde? So kam'S denn dahin? — Schwichl'ge Dich, mein Herz! Ja — wir sind Freunde. Ludwig. Nach erklärter Wahl Darf doch der Freund Dein Brauifcst feiern helfen? Luise. Ja — nach erklärter Wahl. Ludwig. Lauzun, der Arme, Hat also nichts zu hoffen? Mag'S d'rum scpn! Und unfern neuen Frcundschafiöbund besiegle Mein Kuß auf Deine Hand. — Leb wohl! der Himmel Beschütze Dich! (Ab.) 143 Fünfzehnte Scene. Luise. (Dann) Bragelone. Luise (allein ihm nachblickend). Gehört hat Dich der Himmel! Und dieser letzte grausame Beweis Von Deiner Kälte sprengt das letzte Band, Das mir die Seel' an diese Eide knüpfte. «Zu Bragelone. der eintritt.) O frommer Vater! Bruder des Verblichenen. Dcß Grab durch meine Sündcnschuld sich grub — Sey Zeuge bei'm Ent chluß mir, sey mir Beistand Im schweren Kampf, und führe mich durch Reue Der Tugend wieder zu! Bragelone. Erwäge wohl, Bevor Du Dich entscheidest. Lu ise. Allzulange Erwog ich schon. Todtmüde dieser Last, Sehnt meine Seele sich nach Ruh — Bragelone. O Himmel, Nimm sic zurück die siatternSmüdc Taube, Die, auf der Erde hin und bergcschcucht, Nicht Ruhftatt fand! Bestäubten auch im Flug Sich ihr die Schwingen — nimm sie dennoch auf! 144 Den Frieden, der ihr schwand im Weltgctümmel Girb, Fricdcnsfiirst I ihr wieder — Luise (dir ihm entfernt steht, sinkt auf der Stelle, wo sie steht, zum Knieen Niedert. Hhr' uns, Himmel! Ende des vierten ActS. Fünfter Act. Erste Scene. (Die Gärten zu Versailles.) Die Marquise. Graf Grammont und Höflinge. Marquise. So fioh sie denn, die fromme Herzogin? Das Kloster soll die scheue Tugend schützen? Mich dünkt, sic wird so arg nicht mehr bestürmt!. Glaubt's nur, nach kurzem Mond der Fastcnbuße Kehrt die Noviz' uns andern Sinn'S zurück — Grammont. Mit Hcirath die Komödie zu beschließen. Lauzun der Weltmann giebt sein Spiel nicht auf. Hat er dabei die Welt erst zur Alliirten. Marquise. kauzun! Vcrräther! cbei Seite) Meiner Nebenbuhl'rin Verschafft' er den Triumph, ihn auszuschlagen, Der mich zuerst dem Tugendpfad entrißI Bulwer's Romane. I.XXXIII. 10 146 Grammont. Sprecht nur vom Teufel - nun ihr kennt das Sprichwort. Zweite Seeue. Vorige. Lauzun. Lau inn. Lv» jour, Ihr Herr'n! (da er jetzt erst die Marquise bemerkt) Verzeihst, Madam; mir war Als blendete die Sonne mich. (Leis- zu ihr.) Athen«, Ein Wort! Marquise (ihm geringschätzend den Rücken zukehrend, laut). Wir sind jetzt nicht bei Muße, Herzog. Lauzun (betroffen). Ha! (Wieder leise) Wie, Athens? keine Huld dem Freunde? Vergesset für ein Weilchen Eucrn Rang, Und sagt, ob Ihr vom König mir das Amt Erbatet — meine Gläub'ger sind so dringend — Marquise (wieder laut und abgewendet). Nein, Herzog! ich erbat vom König nichts. Schlimm, daß die Gläub'ger Euch so drängen; schlimmer, Daß Euer Plan, durch Hcirath sie zu schwicht'gcn, Euch fehlschlug. Grammont (bei Seite). Potz! sic trifft ihn wo's ihm wchthut, Am weh'sten thut. - (Laut.) Du armer De Lauzun! 147 Lau nun (beleidigt). Herr Graf! (Sich fassend, bei Seite.) Gelassen! Marquise. Sagt uns doch, wie lange Ihr schon die La Vallwre liebt! Lau zun (stechend). So lange. Als Ihr ihr Freundin und Vertraute war't. Marquise. Hm, Ihr scpd bitter — scyd wohl stolz sogar Auf diese Liebe! Lauzun. Stolz, Madame; ja, stolz! Ich find' cs ehrenvoll, das cinz'gc Weib Zu lieben, das der König jemals ehrte! Marquise (die ihre Hand auf Lauzun's Arm legt, mit heftiger Geberde). Ha! Frecher! — Aber büßen sollt Ihr das! Sprech' Euren Namen ich vor'm König aus. Ist auch Vcrbannungsurthcil Euch gesprochen! (Ab.) Erster Höfling. Gch'n wir mit der Marquise. — Armer Herzog, Verloren habt Ihr, furcht' ich, Euer Spiel; Hobt einen Schelm auf, und verwarft den König I Haha! Ihr scpd verloren; sonder Zweifel! Die Höflinge (lachend). Haha! Adieu! (Ab.) 10 148 Lauzun (ihr Lachen nachäffend). Haha! — Hol' Euch der Teufel! Dritte Srene. Lauzun. Montespau. Montespan (der austrttt. während die Höflinge abgehn ; für sich). Ah! meine Frau nicht hier? Recht gut. Wir sprechen Nie mit einander, und begegn' ich ihr, Verbeug' ich höflich mich, und sie — sie lächelt. — Einhunderttausend Livres dafür, daß ich Fein höflich bin!'Nur einem Marquis kann Dergleichen Glück sich bieten; deutlich zeugt cs Von meinem hohen Werth im Staat! Der König Hält mein Geschick so wichtig für das Land. Daß er mir hunderttausend Livres zahlt, Damit mein Weib nur meine Ruh' nicht störe. — Sieh da, Lauzun! — Er scheint mir ärgerlich — 2ch will ihn trösten. (Laut.) De Lauzun! — Entzücken! Lauzun (abgewendet). Verdammt scpd l ^ Montespan. Was? Verdammt? Ich, Herzog? Ich, ein Marquis? Der Himmel selbst bedenkt sich Zweimal, eh' einen Mann ffbn meinem Stand' er Verdammt. Ein Marquis, und verdammt — ei, seht doch I (Ab.) 149 Vierte Scene. Lauzun (allein). Verderben will sie mich; doch vorgcwarnt Ist vorbewchrt! Noch bleibt des Königs Ohr mir,. Und sie zu stürzen, dient mir manch Gehcimniß. Seit La Valliercs Flucht ist Ludwig trüb'. Und blickt mit Unlust auf die Monlcspan, Die nur zu deutlich zeigt, aus welchem Stoff Hofdamenhcrzcn sich zu formen Pflegen. — Athenä! Falsche! webe nur Dein Netz; Die klcin're Spinne wird der Fraß der größ'rcn! Krieg also, Krieg! — Eins von uns Beiden fällt p Sie oder ich! — Reich' Waffen mir, o Welt! (Ab.) Fünfte Scene. (Die Gegend vor dem alten Schlosse, wie zu Anfa-nge des ersten Acts.) Luise (kommt aus dem Schlosse). Bragelone (folgt ihr). Luise. Und eh' ich Abschied nehme von der Welt, Sch' einmal noch ich meine Hcimath wieder. Wie ist sie doch so traulich unverändert! Dieselbe Landschaft und dieselbe Stunde, Dieselbe Jahreszeit ist's sogar! — Wie still Die Welle rinnt! wie alle Winde schlummern! Blau-wölbt der Himmel sich ob jenen Thürmcn, Die gleich der Wahrheit aus Apostelmund Hinauf zu aller Menschen Hcimath zeigen! Bragclone (für sich). Q Zcitcnwechscl! Hier war's, hier, wo ich Ihr Liebe sprach , und Erdcnwonne träumte I (Man hört zur Vesper lauten.), Luise. Horch! Glockcnschall! Er klingt wie Gcistcrruf, -Die Erd' empor zum Himmel zu bescheiden- Als ich zuletzt an dieser Statt' ihn hörte, Stand meine Mutter neben mir, und ich War damals meiner Mutter Stolz. Von dorther Kam, in des Kriegers blanken Stahl gehüllt, Dein Bruder, und — O bitt'rcs Rückcrinncrn! Lebt' er, er würd's bcschcltcn. Bragclone (in tiefer Bewegung). Nimmermehr! O nimmermehr! Luise. Ach! lebt' er nur, und könnt' ich AuS seinem eignen Mund' Vergebung hören; Getilgt wohl würde dann mir tiefes Weh, Das, o! ich mehr denn jeglich Weh beweinte! Bragclone (hingerissen, die Kapuze abwerfend). Hab' Deinen Wunsch denn! Sich in diesen Trümmern Von einem Menschen, den das Leid zernagt. Den Wurm, den einst man „Bragclone" nannte! Luise (leidenschaftlich erschreckt). Hinweg I — Mir träumt! — Steh'n denn die Tobten auf. Um mein zu spotten ? — Nein ^ die Hand ist warm — Und ein Mord wcn'ger liegt mir auf der Seele! Dank Dir, mein — Gott! (Sie sinkt ohnmächtig hin). Bragclonc (der sie unterstützt). Es traf sic bis zum Tod l Kann ihr mein Leben denn noch so viel gelten? — Luise! — Sie liegt starr — sie athmct nicht. Wie still sie schläft! — Ich sah im Arm der Mutter Sie schlqfen einst — und lächeln, als sic schlief! Jetzt spielt kein Lächeln mehr um ihren Mund! — O Aermste! — Einen Kuß — Kuß eines Bruders! Nicht Sünd' ist er, allcw'gcr Himmel! Hab' ich Doch all mein irdisch^Dcnken überlebt! In ihrer Schuld und meinem Altareid Erlosch cs ja — nur Einen Kuß des Bruders! (Sich von ihr entfernend.) Hinweg von ihr — ich bin ein sünd'ger Mensch noch; Ich glaubte stärker mich. Vcrgieb mir, Gott I (Sr hat sich die Kapuze wieder überzogen.) Luis', erwach' — erwache! — Ha! sic athmet! Der Zauber schwand; den Marmor wärmt das Leben, Und ich — ich werde starr wie Marmorstein! Luise (sich ausraffend). „Luise" hört' ich eine Stimme rufen. 152 — O sprich I — Mir brennt das Hirn — mein Aug' ist dunkel. — Hat meine Schmach Dich wirklich nicht getödtet? B r a g e l o n c. Nein, und mein Leben nützt Dir noch vielleicht, Da ich für alles And're längst gestorben. — Ich wurde Mönch; doch eh' ich das Vergang'nc Gleich einem Nachtgeist vor dem Morgcnroth Verschwinden ließ, war Eins zu thun mir Pflicht noch. Ist Lieb' auch Staub, so wohnt doch in der Liebe, Gleichwie in uns, ein unsterbliches Wesen, Das seinen Körper glorreich überlebt; Und dieser meiner Liebe bcß'rcr Theil Ward Schutzgcist Dir, sofern er's werden konnte. Verkleidet, ungckannt und unbemerkt. Blieb ich Dir nah, bis mein Dein Herz bedurfte. Laß Dich zum Frieden führen — Luise. Edle Rache! Liebe, stark wie der Tod, und edler selbst Als Frauenlicbe! B r a g e l o n c. Laß zum Frieden Dich, Zum wahren Friede» Dich geleiten! — Kloster, Ritual und Nonnenschlci'r sind nichts an sich. Der Hugenot verschwört die Sicdlcrzclle, Und dennoch dringt nicht minder sein Gebet wohl Zum Thron des Ew'gen. Zn der Seele muß, Im tiefen Znncrn Gottesdienst »ns wohnen; Dann erst bau't klösterlich Gelübd die Burg, Die nimmcrdar von Leidenschaft erstürmt wird; Dann kann Versuchung nimmerdar uns nah'n; Dann wird das Herz ein wcltverschmähend Kloster. Das — das ist Frieden! D'rum erwäge wohl, Ob Wunsch nach Jrd'schem Dir das Herz noch einnimmt ! Ach, aller Zungen Schwüre sind umsonst, Wenn die Natur in »ns Erfüllung weigert! Luise. Nicht furcht'! Ich fühl's - nicht düstre Mauern sind's, Nicht Rosenkranz , nicht abgcsung'ne Hymnen, Die Frieden geben; im Bcwußtseyn lebt er, Daß wir in nnscrm schwächsten Augenblick Uns des Versuchers zu erwehren wußten. Brag elonc. Dies Wort von Dir hebt jeden Zweifel ans. - Am Tag', an welchem Du den Schleier nimmst, Laß Letzten Derer, die Dich segnen, mich scyn. O, sage dann mir, daß Du glücklich bist! Und scheiden wir, nehm' eine Sicdlcrzclle Unfern des Klosters, das Du wählst, mich auf; Bis droben wir vereint uns Wiedersehen. Luise. Hochherziger, so scy's! O, denke nicht. Mir sey Zukünft'gcs schmerzlich wie Vcrgang'ncS! Du lebst, und mein Gewissen lächelt wieder; 134 Der morsche Kahn treibt seinem Hafen zu — Freud' uns'rcn Seelen ! nah' bin ich dem Lande. (Ab in's Schloß.) Sechste Scene. Bragclonc (allein). So ist's zu End' — enthüllt ist das Gchcimniß. Die Hand, die sie ans Erden von sich stieß, Dient nunmehr, sic dem Himmck znzuführen. So lebt' ich nicht vergebens! — War's zu glauben, Als durch die Kricgcrrcih'n der Ruf erscholl: „Frankreich und Bragclonc!" daß das Mönchskicid Die Lorbcern alle mir verdecken würde? — Das Leben ist der größte Philosoph! — Des Schlafes Stund' ist die beglückteste, Und Schlaf ruft laut, so wir nur hören wollen, „Ruh' ist des Lebens wahrer Lebenssaft!" Bei Zeiten die „Moral der Ruh'" zu hören, Ist demnach Segen. Fasse» wir die Lehren! Das Nicht'gc schwinde! Wahres stehet vcst, Und Ew'ges gicbt'S, das sich nicht leugnen läßt. (Sr gebt; sein Blick fällt auf einen Handschuh, der Luise» bei'm Ohnmächtigwerdcn entglitt; — er hebt ihn aus.) Ihr Handschuh! (Lebhaft.) Angedenken, das ich finde. Es zu bewahren! (Sr küßt deu Handschuh — Pause - - danu läßt er ihn falle» *) — Nein, cs wäre Sünde. (Dem Schlosse gegenüber ab.) *) Welcher Moment für einen sogenannten Couliffen- 155 Siebente Scene. (Gegend vor dem Kloster der Carineliterinnen. Die Fenster desselben erscheinen erleuchtet. — Orgel- töne schallen saust heraus. — Volk am Eingänge, Höflinge, Damen, Priester ». s. w. gehen durch die Kapellenthür in das Innere des Gebäudes. Aus der Thür eines Seitenflügels desselben kommt Lauzun; ihm entgegen von außen tritt Gramen o n t.) Lauzun. Grammont. Lauzun. Wo ließt den König Ihr? G r a m m o n t. Ganz in der Nähe. Lauzun. Bevor die Glocke schlägt, nimmt sic den Schleier. Gram in ont. So schnell? Und Ludwig schickte mich voraus. Zu hören, wic's Euch bei der Herzogin Gelang. Der König ist so hastig, ist rcißer — den Handschuh wegzuschleudern, und dann mit Dragonerschrittcn von der Bühne zu rasen! O man kennt das Wesen so vieler unserer derzeitigen Komödianten! — Bon einer sinnigen Theaterregie wird hier vorausgesetzt, daß sie den Handschuh, den mein Bragelone „fallen läßt", nicht „von sich wirft", bei der gleich darauf folgenden Verwandlung, ohne irgend Störung dadurch zu erregen, „durch den Boden'' werde verschwinden lassen. Der Uebcrs. 156 Soi herrisch, weil von keiner Lippe noch Ein „Rein" ihm scholl. — Wie nahm sie seinen Brief auf? L a u z u n. Mit düstcrm Schweigen. Sinnend las sie ihn, Und eine Thräne näßt' ihr schönes Auge. Dann gab sie bas Papier zurück — Gramm ont. Die Antwort — Ihr meint La u zun. Nein; des König'S eig'ncs Schreiben. „Sagt ihm", so sprach sic selbst, „daß ich ihm danke, Doch daß ich meine letzte Wahl getroffen, Und nichts von ihm mehr sch'n und hören darf. Nur wenn ich bete, darf ich sein gedenken. Dies meine Antwort. Bringt dem König sie." G r a m m o n t. Nichts weiter? Nichts Geschricb'ncS? Lau zun. Nichts, Graf Grammont. Dann ging sie fort; und Glockenläuten ruft nun Die Welt auf, daß sic sehen möge, wie Ein Weib der Welt entsagt. G r a m m o n t. Der König giebt Die Sache nimmer auf. Aus jenem Grab Lebend'ger reißt zurück er die Geliebte! Ihm kam die Nachricht wie ein Donncrschlag — 157 Das lange Noviciat so abgekürzt — Und immer hängt sein Eigensinn noch an ihr! Sic wird doch nicht von Stein seyn! Lauzun. Niobe Ward manches Weib schon durch gekränkte Liebe! Eilt, Grammont! sagt dem König, er soll retten; Wenn nicht, sic zu verlieren standhaft scpn. Ich folg' Euch. Zweiten Auftrag Hab' ich noch — G r a m m o n t. Und der umfaßt — ? La uz un. Gerechtigkeit und Rache! — Geht, Graf; Grammont (ab). La uz un (allein; hinausblickeud). Sic kommt wie im Triumph — sie scy zermalmt! (Sr zieht sich ein wenig zurück.) Achte Scene. Die Marquise mit Damen und Höflingen» Lauzun. Marquise (frohlockend.) Des Glückes Iubelbcchcr schlürfen wir! Denn schönste Perl', als die Acgppterkön'gin, Mischt' ich mir den Trank — Triumph des Weibes Ob ihrer schönsten Nebenbuhlerin! (Als sie mit den Uebrigen in das Kloster gehen will, bemerkt sie Lanznu.) Wie? Ihr hier? Herzog? 158 Lauzun. Ja, Madam; noch nicht Verbannt, kann ich bis jetzt Euch nqch nicht danken. Marquise. Des Märzen Jdus sind noch nicht vorüber! Lauzun. Für Manchen doch wohl! — Ihr sepd hier, um — Marquise. Meinen Triumph zu sehn. Lau zun. Und eines Freundes Beileid Daneben zu empfangen — Diesen Brief Vom König übcrbring' ich Euch — Marquise (hastig de» Brief nehmend). Vom König! (Sie liest:) „Wir schmollen nicht. Nur Liebe pflegt zu schmollen; Ihr aber habt von Liebe nie gewußt —" (Sie unterbricht sich; erschreckt.) Ha! was ist das? Ich zitt'rc. (Weiter lesend:) „De Lauzun, Der dies Euch bringt, bcstät'g' Euch diese Zeilen! Wir sch'n cs gern, daß Eure Gegenwart Am Hofe weiter nicht vermißt wird — —" — Verbannt? Wie? De Lauzun! — verbannt? Lauzun. Nur still! Ihr stört sonst dieses Ortes hcil'gc Ruh. — Ihr last ganz recht: Des Königs hohe Gnade Gestattet Euch Versailles zu verlassen — Versailles ist ja nicht die Welt — Marquise. Entsetzen! Verbannung — mir! Lauzun. Nehmt doch den Schleier auch: Zuvor jedoch denkt des Triumphs — Marquise. , Triumph? Ja, sic trägt über mich zuletzt Triumph Davon; mir wird zur Hölle diese Erde; Ihr aber wird die Erd' ein Paradies! Lau zun. St! Wollt Ihr nicht -ineingchn? Marquise. Gift'gc Welt! O, mußt cs dahin kommen? La uz un. Ihr versäumt Eucrn Triumph — Marquise. Lauzun, ich dank' — ich dank Euch — Dank' Euch und fluch Euch — Ungeheuer, Ihr! (Ab.) Lauzun (allein). Ha! Rache, wie so süß! — Gcbrochncs Herz Kann keine Pein gleich einem bösen Herzen 160 Empfinden, wcnn's mit eig'ncm Gift fich atzt. — Jetzt aber fort zu Ludwig; noch ist'S Zeit; Noch läutet man — — Die sanfte La Balliere! Das cinz'gc Ding, das jemals mich geäfft, Und meine Rache nicht gefühlt hat. — Rache? Rach' an dem Täubchen? — Retten will sic Vor jener düstcrn Mauern Mummereien; Sonst ist der König wcn'ger als ein Mann, Und mehr als Weib ist sonst die schöne Sünd'rin! (Ab.) Neunte Scene. (Das mit Kerze» erleuchtete Innere der Kapelle des Klosters der Carmelitcrinnen. Hofherren, Damen u. s. w. im Vordergründe. Hinken der etwas crhöpete Altar, der jedoch wegen den vor demselben befindlichen Priestern und Chorknaben, die Weihrauchgefaße schwenken , nur theilweise gesehen wird. Gleich bei ber Verwandlung beginnt die Orgelmusik.) Chorgesang. Aus der Wcltlust dunkler Höhle Schwinge Dich, zerknirschte Seele Zu des Glaubens Licht empor! Reue sühnet, Buse tilget, Und die Gnade wird erflehet, Wo des Ew'gcn Thron umstehet Seiner Engelschaaren Chor! (Bei Endigung des Chorgcsanges tritt Bragelone auf und steht abgesondert im Hintergründe.) Erster Höfling. Noch drei Minuten und die Welt verlor Die schöne La Balliere — Zweiter Höfling. In bliih'ndcr Jugend. Dritter Höfling. Man flüstert, Ludwig woll' es nicht gestatten. Erster Höfling. Wie? Altarraub? Er darf's nicht wagen, Mann! Zehnte Scene' Vorige. Ludwig mit Grammont und Lauzun. (Dann) Luise. Ludwig (hastig herein). Halt da, der Gottesdienst ist aufgehoben. (Da Bragclone ihm,entgegentrat.) Zurück, Mönch! Ehrfurcht vor des Königs Nähe! Bra gclone. Ihr, Ehrfurcht vor'm Palast des Herrn der Hcrr'n! Ludwig. Tollkopf! Die Untcrthanin La Balliere Begehren wir. Bragclone. Die Grenzen Eures Reichs Sind hinter ihr. Wahrt Eures ÄmtcS, Priester! Der Kirche Fluch hängt in den Lüften — Enkel Des hcil'gen Ludwig, rege Dich — und sieh Hcrab zur Tiefe rollet die Lguinc! Bulwer's Romane, rxxxm. 11 162 Luise (noch in dem bräutlichen Schmucke, der angelegt wird, bevor man den Schleier nimmt, kommt vom -Altar her). Nicht so, mein frommer Freund; nicht Fluches Beistand! — Die eig'ne Seel' ist mir Beschützerin. Vertraue mir. Bragelone (nach einer Pause). Recht hast Du. Ich vertraue. Ludwig (der Luise in de» Vordergrund führt). Du nahmst noch nicht den Schleier! Selbst die Zeit Zeigt mir Erbarmen. Ja! du bist gerettet; Der Liebe bist, dem Leben Du gerettet: Luise. O, Sire! Ludwig. Nicht nenne „Sire" mich — » vergiß Der traur'gcn Zeit, da man Dich Herzogin, Und mich den König nannte! wende Dich Zurück zu jenen köfllichsüßcn Stunden, Da ich Dein Liebster nur, Dein Louis war; Da Du mein Traum, mein Fcenblümlcin war'st, Mein Veilchen warst, das in Bescheidenheit Still blüh'te, bis ich an die Brust cs nahm, Gemeine Luft durch Deinen Duft zu würzen I Luise — höre mich! Der Sinne Lust, Der Stolz verletzter Tugend , den Du wiesest. Verlockte mich, bcthörtc mich, daß ich Des Wahnes ward, ich liebte Dich nicht mehr; 163 Doch jetzt! Dein schauriger Entschluß — dies Scheiden — Verscheuchen mir die Nebel, die Dein Bild Verhüllten und im Herzen ruft mir's laut, Daß ich kein Weib als Dich — als Dich nur liebte. Luise. So bin ich nicht verachtet? bin Dir wcrth noch? Und wenn ich für Dich bete, darf ich fühlen, Daß ich nichts zu vergeben habe? Ludwig. Theurc Luis — entsagst Du Deinem düstcrn Vorsatz? Luise. Niemals! Mein Vorsatz ist nicht düster. Nennst Du Es düster, wenn ich fühle, wie mein Herz Sich läutert, und der Himmel das Gebet hört, Das ich für Dich' zum Ew'gcn sende? Nennst Du DaS düster, o mein Ludwig? Ludwig. Weh! hör' auf I Nicht tödtc mich durch Zärtlichkeit! Kehr' um I Und wehrt sich Dein Gewissen meiner Liebe, So sch mir Freundin, sch mir Engel! Luise. Bin ich Auch schwach, bin ich doch stark in meiner Schwäche! Wie könnt' ich weilen, wo Du weilst, und doch Aufhörcn Dich zu lieben? Flucht nur hilft hier, Flucht, die durch feierlich Gclübd sich sichert! 11 * 164 Denn meiner Seele Schwingen tragen mich Zu Ludwig, oder zu dem Himmel nur; Und o! im Himmel mag zuletzt die Seele SündloS vereint mit Dir, mein Ludwig, scyn! Ludwig. Laß Dich.erflch'n! Luise. . Du kannst mich nicht versuchen! Mein Herz ist Nonne schon — Ludwig. Du weißt nicht Alles! Verbannt vom Hof ward Deine Gegnerin — Kehr' um! Willst Du die Mein' auch nicht mehr scyn, Wird Ludwig nie doch eine Zweite lieben! Luise. Wie, Du entsagtest meinetwegen ihr? Willst leben — Ludwig. Nur für Dich, Luis', — ich schwör' cS! Luise (mit gen Himmel erhobenen Händen). So wird mir endlich Gottes Huld verzeih'». Denn jetzt kann Reu' sich als wahrhaftig weisen. — Sey Zeuge mir, o Himmel! Diesen Mann -Liebt' ich nie inn'gcr als ich jetzt ihn liebe, Und seine Liebe schien noch nie wie jetzt So felsenfest — nimm, Gott, dies Doppclopfcr, Und tilge mir vergang'ncr Tage Schuld! Für Ludwig ließ den Himmel ich — jetzt lass' ich Für dich, o Himmel, diesen Ludwig, den ich, 165 Wie innig auch, doch nie so liebt' als jetzt! — Scy dieses unser Schcidcwort, mein Freund; Dicß unser schuldlos süßes Angedenken! O bete mit mir, bete mit, mein Ludwig, Daß bis zum Tod mir der Gedanke bleibt, Wir beteten mitsammen um Vergebung! Ludwig. Warum erkenn' ich erst in dicker Stunde Den Schaß, den ich verlieren soll! — Nicht darf ich Zurück Dich rufen von dem Himmel, dem Du halb schon angchörst; der Erd' entfremdet Heischt Deine Seel' ein himmlisches Geschick. Sc- Dcinvdcr Friede denn , und — mein die Buße — Doch diese dumpfen Mauern, dieses Grab Lcbend'gcr Wesen, dieses strengsten Ordens Schwcrstrcnge Regeln — und die Sanfte, Du Die Zarte, Hochgcbornc; Du, die Wann' einst' Des glänzendsten der Höfe von Europa — Weh! wie erträgst Du's? Luise. Mehr ertrug ich schon, Denn Deine Untren, meine Schmach ertrug ich. Laß das! Die Außcndinge schrecken nicht; Das Herz nur ist Palast uns oder Kerker, Und der Gedanke, daß die Sünd' ich mied, Wird mir die Zelle glorreicher erhellen. Wird ihre Kluft mit hcrrlich'rcr Musik Erfüllen, als die Königssäle prunken Mit irdischem Kerzcnschein und Harfcnklang! 166 Ludwig. Ich kann nicht — kann nicht langer so Dich hören; Mir wird Dein Himmclshochgcfüdl zur Qual. Mit Deiner Engclostimmc sagst Du wir. Wie Du, die lichtvcrwandic Erdcnschönhcit, Der Erd' entschwebst, daß meine Seel' in Nacht bleibt. Und mein Werk ist dies — mein! denn ich bin's, ich, Um dcfscntwillcn sich Dein schuldlos Herz Der Sund' ergab und nagendem Gewissen; Dein schuldlos, zartes, vorwurfsfreies Herz! — Und jetzo Dein Gclübd' — und diese Feier — Der Alrar — und die Priester — und das Opier; Mein Opfer! (da Luise ihn beruhigen will) — Sprich mir nicht! Berühr' mich nicht, Unmännlich g'nug schon fiel dem Weh' anheim ich — Ich — ich ersticke! — Laß die Thräncn rede», Die — o, Luise! All mein Glück sind Trümmer — — Gicb — Deine Hand! — O Gott! Leb' wohl — für immer! (Ab.) Letzte Scene. Die Vorigen, (ohne) Ludwig. Luise. Für immer! bis uns der Posaune Ruf Dem Grab' enthebt zu ewig reiner Liebe. Gesegnet.Wort, dies Work „für immer!" Nicht Der Erd' ist'.s eigen. — Engel werdcn's rufen, Wenn wir nach Tod und Gruft uns wicdcrsch'n. Scp fest, mein Herz! (Sich wendend, zu Brag e lo ne, mit leisem Lächeln.) Ich siegt', cS ist gcschch'n! (Sie geht zum Altäre, wo sie von den Priestern und der Meng- dein Anblicke der Zuschauer entzogen wird. Orgelmustk fällt ein.) 167 Chorgcsang. Kloria i» exoel«!^ Ile» ! Hosianna der Himmelsbraut, Hosianna! (Die Orgelmusik gebt nach diesem Chor in Harftuklänge über, die bis zum Schluffe des Stückes hörbar bleiben.) Grammont (nachdem die Orgel schwieg.) Sie nahm den Schlei'r — dies war der letzte Ritus. Abbatissin (vor'm Altäre). Schwester Luis', eh' Dich die Klosterzelle Absondcrt von der Welt, ist Dir's erlaubt. Der Menschen Antlitz einmal noch zu seh'n. Und Abschied von dem Freundeskreis zu nehmen. Bragclone (im Vorgrnnd, bei Seite). Was ist's, was mich durchschauert? was erbeb' ich Vor'm letzten Abschied, wie Natur vor'm Grabe? Ein Augenblick — Ein Hinschan'n, und ihr Bild Verhüllt sich mir, bis jener Morgenstern, Der Tod, Verkünder wird von cw'gcm Tage! — Ihr Tritt hallt durch die Stille zu mir her, Und eisig greift die Zeit mir an die Seele. Luise (im Gewände der Carmelitcrnvnnen, schreitet vom Altar her durch die Menge, unter welcher sie von Diesen und.Jenen stummen Abschied nimmt; so kommt sie in den Vordergrund und steht vor Lauzun). Lauzun, Du dienest einem König, der, Wie tadelnswertb auch, Deiner Huld'gung werth ist; Ehr' ihn und lieb' ihn! Zwar bedarf sein Ruhm Der Freundschaft nicht; jedoch in Leid und Krankheit Bedürfen Könige der Liebe. — Scy ihm Getreu, Lauzun; und fern von Deiner Welt IN Wird cinc leise Stimme Deiner im Gebet gedenken Bragclonc (vor sich hin). Ausgeglichen ist Jedweder Hader. Meines Herzens Meer, Wildbranscnd einst, liegt still; und auf den Wellen Wandelt der Heiland. Luise (zuBrageloue tretend, vor dem sie hinknicct). Jetzt, o Freund und Vater Segne die arme Ron»' — Bragclonc. Als Herzogin War'st Du nicht glücklich; sprich als Carmclit'rin! Sprich — bist Du glücklich? Luise. Ja. Bragclonc (ihr die Hand auf das Haupt legend). Gott segne Dich! Wie groß die Sünde seyn mag hier auf'Erden, Soll doch Vergebung allen Büßern werden! (Der Vorhang fällt langsam — die Harsentöne verklingen.) Ende des geschichtlichen Drama'S. Verbesserung. Unter dem Personenverzcichniß muß cs heißen: „Zeit — die Mitte des siebenzehntcn Jahrhunderts."