„Ho, sprichst Du so? da wollen wir morgenAbend, wenns den Göttern gefällt, so ein heimli-ches Triinkchen thnn.
„Von Herzen gern," erwiederte der Priesterund rückte häudereibend näher an den Tisch.
In diesem Augenblick vernahmen sie ein leichtesGeräusch am Hinterpförtchen, als ob Jemand nachder Klinke fühlte. Der Priester ließ die Kapuzeüber das Gesicht.
„Sei ruhig," erwiederte der Wirth, es ist nurdas blinde Mädchen." Damit hatte Nydia geöffnetund trat in das Gemach.
„Na Kind, wie geht Dir's? flehst blaß aus,hast Dich lang in die Nacht hinein lustig gemacht?Har nichts zu sagen, Jugend muß nun einmal jungsein," rief Burbo ermuthigend.
Ohne Antwort zu geben sank das Mädchen mitdem Ausdruck der Mattigkeit ans einen Sitz. IhreFarbe kam und ging in raschem Wechsel, ungeduldigstampfte fle mit den Füßchen den Boden, erhob dannplötzlich den Kopf und sagte mit entschlossenem Ton :
„Herr, Du kannst mich verhungern lassen, wennDu willst, kannst mich schlagen, mit dem Tod bedro-hen, - aber nach diesem unheiligen Ort geh ichnicht mehr."
„Was, Narr," rief Burbo wild, und die bor-stigen Brauen trafen über den grimmigen, mitBlut unterlaufenen Angen finster zusammen, „Was,Du widerspenstiges Ding? nimm Dich in Acht."