Druckschrift 
2 (1836)
Entstehung
Seite
20
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Eine Waise ohne mütterliche Obhut mag ichfür die unabhängige, fast männliche Lebensfreiheit,die ich mir herausnehme, zu tadeln seyn; gleichwohlist sie nicht größer, als diejenige, woran die römi-schen Frauen gewöhnt sind, nicht größer als die-jenige, woran die griechischen gewöhnt seyn sollten.

Ach, soll man nur unter Männern Freiheitund Tugend vereint finden? Warum muß die Skla-verei, die unö verderbt, als der einzige Ausweg zuunserer Erhaltung betrachtet werden? Glaub mir,eS war ein großer Jrrthum der Männer, ein Jrr-thnm der sehr bittern Einfluß auf ihr Schicksalhatte, sich einzndilden, die weibliche Natur sey(ich will nicht sagen untergeordnet, das mag seyn,

sondern so abweichend von der ihrigen, daßsie Gesetze machten, welche den geistigen Fortschrittder Frauen hemmen. Haben sie dadurch nicht Ge-setze gegen ihre Kinder gemacht, welche die Frauenerziehen sollten? gegen die Gatten, deren Freun-dinnen, ja mitunter deren Berathei innen zu seynjene bestimmt sind.

Zone brach plötzlich ab, das Antlitz vom bezau-berndsten Erröthen überhaucht. Sie fürchtete, ihreWärme habe sie zu weit geführt, aber sie fürchteteden strengen Arbaces minder, als den freundlichenGlaukns, denn Diesen liebte sie, und es war nichtSitte der Griechen, den Frauen (wenigstens Denen,welche sie noch am meisten achteten) gleiche FreiheitUN- gleiche gesellschaftliche Stellung zuzngestehen