1816
Dreizehntes Kapitel.
Leonard wurde in das Besuchzimmer gewiesen, wo erzufälligerweise Helen allein traf. Das sanfte Gesicht desMädchens hatte, seit unser junger Freund sie zum letztenmalgesehen, eine traurige Veränecrung erlitten, denn der Schmerzvon sanften, in sich gekehrten Naturen greift mit rascher Ver-heerung um sich; aber bei Leonards unerwartetem Eintretenwallte das Blut in so lebhaftem Strom nach den blaffenWangen, daß man die hektische Röthe leicht für den Wieder-sirahl einer blühenden Gesundheit halten konnte. Sie standhastig auf und stotterte verwirrt, „sie glaube, Lady Lansmeresey ans ihrem Zimmer, und wolle gehen, um sie zu holen.Mit diesen Worten bewegte sie sich nach derThüre nnd schiennicht auf die Hand zu achten, die ihr bebend hingebotenwurde, bis endlich Leonard in unbewältigbarer Aufregung,welche ihr tief ins Herz schnitt, und im bitteren Tone desVorwurfs ausricf:
„Oh, Miß Digby — oh, Helen — ist dies der Gruß,den Ihr für mich habt, daß Ihr mir lieber aus dem Weggeht? Konnte ich voraussehen, daß es dahin.kommsn werde,als wir, beide verwaist, auf jener traurigen Brücke standen
— so freunrlos — so verlassen — und doch so treulich zu-sammenhaltcnd? Glückliche Zeit!"
Während er so sprach, ergriff er Plötzlich ihre Hand undbeugte sein Angesicht darauf nieder.
„Ich darf Euch nicht hören. Redet nicht so, Leonard
— Ihr brecht mir das Herz. Laßt mich gehen — laßt
mich los,"