61
Mr. Tcmplctons zum Prunk deutlich in dem kostbarenmassiven Silbergeschirr und in der Zahl der Diener.Er war ein reicher Mann und stolz auf seinen Ncich-thnm; er wußte, daß der Neichthnm Einen in Achtungsetzt, und er hielt cs für moralisch, sich in Achtung zusetzen. Was die Mahlzeit selbst betraf, so kannteLnmlcy seines Oheims Geschmack hinlänglich, um aufSpeisen und Weine gefaßt zu scpn, die selbst er —ei» so wählerischer Feinschmecker er war — nicht ver-achten durfte.
In den Pansen des Essens bemühte sich Fcrrers,seine Tante ins Gespräch zu ziehen, aber er sah all'seinen Scharfsinn und seine Beredsamkeit scheitern. Inden Zügen der Mrs. Templcton lag ein Ausdruck tieferaber ruhiger Schwcrmnth, deren Anblick beinahe Jeden,zumal an einer so jungen Frau, hätte trüb stimmenmüssen. Es war offenbar etwas Anderes, und mehrals nur Schüchternheit und Zurückhaltung, was sic soschweigsam und unmitthcilsam machte, und selbst inihrem Schweigen lag so viel natürliche Anmnth, daßFcrrers ihr Benehmen nicht ans Rechnung des Hoch-mnths oder der Absicht, znrückznstoßcn, schreiben konnte.Er war etwas verblüfft, „denn ," dachte er ganz ver-nünftig, „obgleich mein Oheim kein junger Mann ist,so ist er doch ein sehr reicher Kerl; und wie eineWittwc, die zum zweitenmal mit einem reichen, altenKerl verhcirathct ist, melancholisch scpn kann , dasübersteigt meine Fassungskraft."
Vulwer's Romane. I XV.
5