Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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scheu, Schlußgebct, zog der dämmernde Umriß einerweiblichen Gestalt in ziemlicher Entfernung ErnstSAugen auf sich, und verschlang seine Gedanken. DieKirche war dunkel, obgleich cs Heller Tag war; unddas Angesicht der Person, welche Ernsts Aufmerksam-keit fesselte, war durch Kopfbedeckung und Schleierdem Auge entzogen. Aber die Senkung des Halses,so einfach änmuthig, so dcmiithig bescheiden rief ihmEin Bild, nur Eines ins Herz zurück. Vielleicht hatJeder schon beobachtet, daß cs, wenn man den Unsinnder Worte verzeihen will eine Physiognomie derganzen Gestalt so gut als des Gesichts gilt, welchenur in sehr seltenen Fällen bei zwei Personen übcr-eintrifft. Und diese drückt sich bei den Meisten amrigcnthümlichstcn ans in der Haltung des Kopfes, imUmriß der Schultern, und in jenem nicht zu bezeich-nenden Etwas, was die Stellung jedes Individuumsim Zustand der Ruhe charaktcrisirt. Je eifriger Ernsthinstarrte, desto fester ward seine Ucbcrzeugung, daßer vor sich sah die lange verlorene, die unvergeß-liche Königin seiner jugendlichen Entzückungen und seineerste Liebe. Auf der einen Seite der in Rede stehendenDame saß ein ältlicher Gentleman, dessen Auge aufdem Prediger haftete, auf der andern ein schöneskleines Mädchen, mit langen schonen Locken und vonjener Gesichtsbildung, welche wegen ihrer.ausnehmen-den Zartheit und ausdrucksvollen Milde von Malernund Dichtern engelhaft genannt wird. Diese Per-sonen schienen zusammen zu gehören. Maltravcrs