Druckschrift 
6 (1843)
Entstehung
Seite
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Wunsch steigen, daß in der abgedroschenen Sprache jederLiebesgeschichte diese Verbindung eine unausbleibliche ge-nannt worden ist. Aber dieß ist kein unveränderlichesGesetz, wie uns Shakespeare in seiner arglosen Miranda,in seiner beredten Jnlia, in seiner offenen und gesundenRosalinde gezeigt hat; und die Liebe Sybillens war nichtdas Frühlingsfieber von Seufzern und Erröthen einesgewöhnlichen Mädchens. Sie hatte ihre Wurzeln in demGeiste, der Einbildungskraft, dem Verstände so gut, wieim Herzen und in Träumen. Sie war ein Lüftchen,das in den sittsamen Blättern der Rose all' ihren himm-lischen Wohlgeruch aufrührte. Es war unmöglich, daßnicht diese kräftige, frische, junge Natur, mit ihrer freienHeiterkeit, wenn glücklich, ihrem ernsten Pathos, wenntraurig, mit ihren mannigfaltigen Gaben des Ver-standes und Gefühls und dem verdeckten Spiel einesharmlosen Witzes für den Geschmack und Geist einesMannes, der das Bedürfniß hatte, sich unterhalten undlebhaft aufregen zu lassen, einen starken Contrast machenmußte mit dem kalten Stolz Katharinens, mit der dum-pfen, schweren Atmosphäre, in welcher ihre steife, unbeug-same Tugend eine ungeistige Luft athmete, und noch mehrmit den geputzten Puppen, mit bemalten Wangen undunfruchtbarem, todtem Geschwätz, welche die gemeine Welt,unter dem Namen von Frauen, füllten.

Daher nahmen seine Gefühle für Sybille eine ern-stere und achtungsvollere Farbe an, und seine Aufmerk-samkeiten, wenn auch immer galant, waren die eines