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Geschichte der Juden.
sehne sich, den größten Mann der Judenheit von Angesicht zu Angesichtzu sehen. Er war damit zum Theil einem innigen Wunsche Maimuui'sentgegengekommen; denn er hatte sich schon früher mit dem Planeherumgetragen, seine arabisch geschriebenen Werke ins Hebräische zuübersetzen i). Voller Freude antwortete er Jbn-Tibbon und gab ihmAnleitung, wie ein so schwieriges Thema, wobei es mehr ans denGedanken als auf das Wort ankommt, in der Uebersetzung behandeltwerden müsse (8. Tischri — 10. Sept. 1199'^). Er rieth ihm aberdavon ab, seinetwegen die gefahrvolle Seereise von Frankreich nachEgypten zu machen, weil er ihm kaum eine Stunde werde widmenkönnen. Er theilte ihm bei Gelegenheit seine überbeschäftigte Lebens-weise, die ihn nicht zur Ruhe kommen ließe, mit: „Der Sultan (Alafdhal)wohnt in Kahira und ich in Fostat, beide Städte liegen zwei Sabbat-wege (ungefähr ^ Meile) von einander entfernt. Mit dem Sultanhabe ich einen schweren Stand; täglich muß ich ihn des Morgensbesuchen, und wenn er oder eines seiner Kinder oder eine seiner Harem-bewohnerinnen leidend ist, darf ich Kahira nicht verlassen. Wenn aberauch nichts Besonderes vorfällt, kann ich doch erst Nachmittags nachHause kommen. Wenn ich nun sterbend vor Hunger mein Haus be-trete, finde ich die Vorzimmer voll von Menschen, Juden und Mohamme-daner, Vornehme und Geringe, Freunde und Feinde, eine bunteMischung, die meinen ärztlichen Rath erwarten. Kaum bleibt mirZeit, von meinem Zelter zu steigen, mich zu waschen und etwas zugenießen. So geht es bis in die Nacht hinein, und ich muß dabeivor Schwäche auf dem Ruhebett liegen. Nur am Sabbat bleibt mirZeit, mich mit der Gemeinde und der Lehre zu beschäftigen. Ichpflege an diesem Tage die Gemeindeangelegenheiten für die laufendeWoche anzuordnen und einen Vortrag zu halten. So fließen mir dieTage hin."
Sei es, daß die Gemeinde von Lünel nichts davon wußte, daßSamuel Jbn-Tibbon mit der Uebersetzung des „Führers" sich be-schäftigte, oder daß sie ihm nicht die Geschicklichkeit dazu zntrante,genug, sie wendete sich an Maimuni, daß er für sie dieses Wert insHebräische übertragen möge. Maimuni entschuldigte sich mit demMangel an Zeit und verwies sie auf Jbn-Tibbon (um 1200). Ernahm auch Gelegenheit, die jüdischen Provenyalen zu ermuthigen, sichdie wissenschaftliche Behandlung des Talmud angelegen sein zu lassen.„Ihr, Gemeindeglieder von Lünel und der Städte in der Nähe, seid
r) Sendschreiben an Jbn-G'abar.
2 ) Gutachtens««»»!. Nr. 143. Briefs««»»!. S. 13 ff.