Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

Maimuni's Einfluß.

323

Erhaltung eines kräftigen Körpers auch Kräftigung der Seele durchSittlichkeit und philosophische Betrachtung erforderlich sei, daß über-mäßiger Wein- und Liebesgenuß die Lebenskraft aufzehre. Er wagteeinem launenhaften Fürsten zu sagen, was damals kein Hofmann sichherausnehmen durfte. Er wollte feinem Berufe als Seelenarzt nichtuntreu werden.

Erst als Maimuni zur Ruhe gelangte, beantwortete er die anihn gerichteten Fragen von Lünel. Wenn er sich in dem Sendschreibenentschuldigte, daß sein Sinn getrübt, seine Geisteskräfte geschwächt undseine Fähigkeiten gelähmt seien, so zeugen seine Antworten gegenihn, denn sie bekunden vollständige Geistesklarheit und Frische*).Die große Verehrung der südfranzösischen Gemeinden für die mai-munischen Schriften und namentlich für seinen Codex erweckte ihmauch einen heftigen Gegner in jenem Abraham b. David von Posquiäres,dessen rücksichtslose Art, die Vertreter einer der seinigen ent-gegengesetzten Ansicht zu behandeln, Serachja Halevi empfunden hat(o. S. 205). Dieser ticfknndige Talmndist unterwarf Maimuni'sMischneh-Thora einer schonungslosen Kritik und behandelte ihn inwegwerfendem Tone. Er wies nach, daß der Verfasser viele talmndischePartieen nicht tief genug aufgefaßt, deren Sinn verkannt und dadurchfalsche Ergebnisse ausgestellt habe. Er warf ihm vor, daß er durchseine Codificirung des Talmud die talmndischen Autoritäten in Ver-gessenheit bringen wolle, und endlich, daß er philosophische Ansichtenins Judenthum einschmnggle; aber als Neuerer und Ketzer behandelteer Maimuni keineswegs, sondern ließ seiner Ansicht und seinem edlenStreben Gerechtigkeit widerfahren. Abraham b. David's Ausstellungen(Ilassaxot) an Maimuni's Werk boten den Talmndisten späterer ZeitGelegenheit, ihren haarspaltcndcn Scharfsinn zu üben und regten dieLust zum Discutiren mächtig an. Der reiche, gelehrte und rücksichts-lose Rabbiner von Posguieres hatte auch seine Verehrer. Als erstarb (Freitag 26. Kislew 27. Nov. 1198), machten Aaroniden,die den Begräbnißplatz nicht betreten durften, sein Grab^), weil füreine solche Größe das Priesterthnm sich entweihen dürfe.

Die Polemik des Abraham b. David gegen Maimuni hat derAnerkennung des Letzter» in den Gemeinden der Provence keinenEintrag gethan; er blieb für sie die unfehlbare Autorität. Der Haupt-vertreter der jüdisch-proventzalischen Cnltnr, Samuel Jbn-Tibbon,schrieb an Maimuni: er ginge damit um, denFührer" aus demArabischen ins Hebräische zu übertragen und deutete zugleich an, er

*) Gutachtensainmlung Nr. 1841.

2) Vergl. Note 1. IV.