Wirkung des Moreh Nebuchim.
317
Judenthum vom talmudischeu geschieden wissen. Also gerade diejenigenElemente, denen er in seinem Codex eine so erstaunliche Sorgfalt bisin's Einzelne zugewendet hat, ließ er in der philosophischen Auffassungdes Judenthums auf sich beruhen.
Maimuni's Gedankenarbeit, das Judenthum zur Höhe des Bewußt-seins und der Zeitphilosophie zu erheben, war von ausgedehntesterTragweite. Für die Deuker seiner Zeit war Maimuni's Religions-philosophie in der That eine „Führerin der Irrenden". Denn dadiese, gleich seinem Jünger Jbn-Aknin, dem dieses philosophische Werkgewidmet war, in demselben Gedankenkreise sich bewegten, einerseitsaristotelisch dachten, andererseits jüdisch fühlten, aber zwischen ihremDenken und Fühlen eine tiefe Kluft gewahrten, so konnte ihnen nichtswillkommener sein, als die Brücke zu finden, welche von dem Einenzum Anderen führt. Vieles, was ihnen in Bibel und Talmud an-stößig oder doch mindestens nichtssagend erschien, erhielt durch diemaimunische, geistvolle Auffassungsweise eine höhere Bedeutung, einentiefern Sinn und schmiegte sich ihrem Denken an. Für die Nachweltwirkte das philosophische Werk überhaupt anregend und gedankenerzeugend.Das Judenthum erschien den jüdischen Denkern in maimunischer Be-leuchtung nicht mehr als etwas Fremdes, der Vergangenheit Angehören-des, Abgestorbenes, als ein bloßes mechanisches Thun, sondern als ihreigenes, ihrem Bewußtsein entsprechend, gegenwärtig und gedanklichlebend und belebend. Die jüdischen Denker aller Zeiten nach Maimuuihaben darum stets au Maimuni's „Führer" angeknüpft, haben ausdieser Quelle befruchtende Ideen geschöpft und haben selbst aus ihmgelernt, über seinen Standpunkt hiuauszugehen und ihn zu bekämpfen.Und da die Denker am Ende doch stets die Führer, Tonangeber undBildner bleiben, so kann man mit Recht sagen, daß das Judenthumseine Verjüngung den Gedanken Maimuni's zu verdanke» hat. Er be-herrschte so ausschließlich die Männer von Geist, daß sein Werk dievorangegangenen Arbeiten von Saadia bis auf Jbn-Daud eine geraumeZeit völlig verdrängte.
Aber auch über den jüdischen Kreis hinaus wirkte Maimuni's philo-sophisches Werk anregend. Denn obwohl er es lediglich für Judenverfaßt hatte und denen, welche es benutzen wollten, eindringlich, ja,wie man sagte, sogar unter Androhung eines Fluches eingcschärft hatte,es lediglich mit hebräischen Schriftzeichen zu copiren, damit es nichtin die Hände böswilliger Mohammedaner gerathe, und Gehässigkeitgegen die Juden Hervorrufe Z, obwohl er sogar seinen Lieblingsjünger
Abdsllatif bei äs x>. 46V.