Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

Die Maimnnische Offeiibarungslchre. 315

falls von derselben znrechtgewiesen. Als göttlich nnd vollkommen seidaher die Thora unverbrüchlich, nnd die Nachkommen Jsrael's seienverbunden, sie wie ihren Augapfel zu wahren.

Ebenso wie an ihrem Ursprünge zeige sich die Göttlichkeit derThora auch an ihrem Inhalte. Sie enthalte nicht bloß Gesetze undVorschriften, sondern auch Lehrmeinungen (Dogmen) über die für dieMenschen wichtigsten Fragen, und diese Zwiefachheit des Inhalts seieben ein Merkmal, sie theils von andern Gesetzgebungen nnd th.eils vonandern Religionen zu unterscheiden. Noch mehr. Die Gesetze der Thoraerzielen sämmtlich einen höheren Zweck, so daß an ihnen nichts über-flüssig, nichts gleichgültig, nichts willkürlich erscheine. Man könne daherdie Aufgabe der von Mose gebrachten Offenbarung dahin zusammen-fassen, daß sie die Befriedigung der Seele und das leibliche Wohlihrer Bekenner befördern wolle, das Eine durch Einprägnng richtigerAnsichten über Gott und seine Weltregierung, das Andere durchEinschärfung der Tugend und Sittlichkeit. Maimuni machte sich an-heischig, nachzuweisen, daß die sechshundert und dreizehn Pflichten derThora oder des Judenthnms sämmtlich darauf hinanslaufen, entwedereine richtige Ansicht über die Gottheit und ihr Verhältniß zur Weltanfzustellen, oder einer falschen und gemeinschädlichen Vorstellung zu be-gegnen, oder eine staatliche Ordnung zu begründen, oder Unrecht undGewalt fernzuhalten, oder a» Tugenden zu gewöhnen oder endlichverkehrte Sitten und Laster ausznmerzen U- Freilich dürfe man beider Annahme höherer Zwecke in den Gesetzen des Judenthums nichtzu weit gehen und sie nicht in allen Einzelnheiten derselben finden wollen.Denn so wie in der Natur nur der ganze Organismus einen Zweckhat, das Einzelne nnd die Erscheinung daran aber auch anders hättensein können, eben so liege lediglich jedem Gesetz der Offenbarung inseiner Allgemeinheit eine höhere Absicht zu Grunde, während das Einzelnedaran, die Art der Bethätignng, so oder auch anders hätte sein können").

Maimuni bringt nach seinem Schema sämmtliche Pflichten desJudenthums in vierzehn Gruppen. Ein großer Theil derselben hatnach seiner Ansicht den Zweck, dem Götzenthume, heidnischen Sitten,dem Wahnglauben an Zauberei und magischen Einfluß der Gestirneentgegenzntreten. In dem Cultns und der Lehre der Sabier, jeneszersprengten Restes der Griechen, welche sich in Mesopotamien nieder-ließen nnd ein Gebräu von morgenländischem Heidenthume und neu-platonischer Afterweisheit zusammengosseu fand Maimuni viele

i) Llorvb II. 40. III. 27, 28, 31.

^ Das. III. 2V.