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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Maimuni's Religionsphilosophie.

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zubilden, wenn er seinen Geist in stetigem Denken und Thun Gottzuwendet. Freilich gehört besonders zur Erlangung der Prophetieeinerseits die Ausbildung und Spannung der Phantasie von Seitendes Menschen und von Seiten Gottes die Ausgießung seines Geistes.Da nun eine lebhafte, vorwaltende Phantasie die Haupttüchtigkeit fürdie Prophetie ist, so könne sie sich lediglich in einem traumähnlichenZustande entfalten, wenn die störende Sinnenthätigkeit abgespannt ist,und der Geist frei wird. sich den Einwirkungen von oben ganz zuüberlassen. Die Prophezeiung der Propheten sei stets in einer ArtTraum erfolgt. Sänimtliche Erzählungen, welche die heilige Schriftvon dem Thun und dem Erfahren der Propheten während ihresverzückten Zustandes mittheilt, dürften aber nicht als wirklicheThatsachen, sondern nur als innere Seelcnvorgänge, alsGesicht und Schau der Phantasie, anfgefaßt werden. Es gebe auchverschiedene Stufen in der Prophetie, je nach der größeren odergeringeren Tüchtigkeit, die dazu erforderlich ist. Dadurch hören vieleWundererzählungen in der Bibel auf, übernatürlich und auffallendzu erscheinen, sowie auch die hyperbolische Redeweise der Prophetendadurch erklärlich ist. Alles das liege an dem Vorherrschen derPhantasie und an den traumähnlichen Erscheinungen. Es sei zwarnicht gegen die Möglichkeit, Wunder anzunehmcn. Derselbe Schöpfer,der die Naturgesetze geordnet, könne sie auch theilweise wieder anf-heben, allein nur zeitweilig, so daß die Ordnung gleich wieder znrück-kehrt, wie das Nilwasser nur auf kurze Zeit in Blut verwandelt,Mose's Hand auf kurze Zeit schneeweiß wurde, das Meer sich lediglichauf einige Stunden für die Israeliten spaltete. Immerhin sei dieZahl der Wunder in der Bibel zu beschränken. Wunder seien über-haupt nicht die Mittel, um die Aussagen der Propheten zu beweisenund zu bestätigen, diese müssen sich vielmehr durch den Inhalt ihrerProphezeiung und durch das Eintreffen ihrer Verkündigungen be-thätigen. Wunder thun's nicht.

Der vollkommenste aller Propheten war jener Gottesmann mitstrahlendem Antlitze, welcher der Welt eine tiefeingreifende Lehregebracht hat. Mose's Prophetie sei in vier wesentlichen Punkten vonder späterer Propheten verschieden gewesen. Er empfing die Offen-barung ohne Vermittelung eines anderen geistigen Wesens, also ohneEinwirkung der thätigen Vernunft oder eines Engels, sondern ver-kehrte mit derGottheit von Angesicht zu Angesicht, von Mund zuMund". Nicht im Traum, bei Entäußerung aller Sinnesthätigkeitund beim Vorwalten der regen Phantasie, sondern in nüchterner,gewissermaßen alltäglicher Stimmung kam ihm die höhere Weisung