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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Vollkommenen, wenn der schwerfällige Stoff nicht im Stande ist, desGuten und Göttlichen theilhaftig zu werden. Gott hat keineswegs dasBöse geschaffen, sondern dieses entsteht aus der Natur des grobenStoffes, welcher mangelhaft beanlagt sein müsse und als solcher dasGute und den Segen nur mangelhaft annehmen und halten könne.Ohnehin entsprängen die meisten Uebel von den Menschen selbst, diesie entweder sich selbst oder einander znfügen. Aber diese Uebel solleneben überwunden werden. In die Seele des Menschen, welcher allenaus grobem Stoffe und höherer Form zusammengesetzten Wesen über-legen ist, hat Gott nämlich die Anlage und den Trieb zur Erkenntnißgesenkt. Folgt sie diesem Triebe, so kommt ihr die eigens dazu ge-schaffene thätige Vernunft (o. S. 310) entgegen, um ihr die Quelledes göttlichen Geistes zu öffnen, auf daß sie den Zusammenhang derWelt und Gottes Einwirkung auf dieselbe zu erkennen und ein zweck-entsprechendes Leben zu führen im Stande sei. Der Mensch vermögesich demnach zur höheren Engelsstufe zu erheben und die Schrankenvon Seiten seines stofflichen Leibes zu überwinden. Durch diesen Auf-schwung zum höheren Gedankeninhalt und zur Sittenreinheit, wenn ersich von dem Thierischen nicht meistern läßt, erwirbt sich der Menschselbst den Geist, er macht sich selbst zu einem überirdischen Wesen, ererringt sich die Unsterblichkeit des Geistes und wird mit dem allwaltendenWeltgeiste geeint. Die Möglichkeit, die höchste Stufe zu erringen, istdem Menschen mit seiner Willensfreiheit geschenkt, und diese beschränkekeineswegs die göttliche Allwissenheit, so wie sie auch nicht von dem gött-lichen Wissen um den Erfolg beschränkt werde, da das göttliche Wissen,als nicht auf einem mühsamen Stufengang beruhend, feinem ganzenWesen nach von der Erkenntnißweise des Menschen verschieden sei.

Und ebenso wie die Unsterblichkeit vermöge sich der Mensch durchseine Seelenthätigkeit die besondere göttliche Vorsehung zu erwerben undgewissermaßen zu erringen. Denn Gottes Fürsorge erstrecke sich nurauf das Bleibende und Dauernde, auch in der niedern Welt dervier Elemente auf die Erhaltung der Gattungen, die vermöge ihrerForm und Zweckmäßigkeit geistiger Natur sind. Erhebt sich nun derMensch zur Geistesstufe, wird er Herr des Stofflichen, so kann ihmdas fürsorgliche Auge Gottes nicht fehlen. Und wie der Menschsich den höchsten Lohn in der Erringung eines unsterblichen Geistesdurch sittliche und denkthätige Selbstarbeit erwerben könne, ebenso zieheer sich die höchste Strafe selbst zu, wenn sein Geisteslicht durch einsündhaftes Leben erstickt wird und im Stofflichen erlischt.

Der Mensch vermöge aber noch mehr zu erwerben, er sei imStande, durch ein ideales Leben die prophetische Anlage in sich aus-