Maimuni's Religionsphilosophie.
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und seine Vollkommenheit und Erhabenheit bestehe eben in seiner ewigenRuhe und Unveränderlichkeit! Die aristotelisch-maimunische Natur-philosophie giebt folgende Antwort auf diese Frage. Die beseeltenSternenkreise, welche die Ursache aller Veränderungen hicnieden sind,werden keineswegs von Gott in Bewegung gesetzt, sondern bewegensich als beseelte Wesen ihm zu in Sehnsucht und Liebe, um seinerVollkommenheit, seines Lichtes und seiner Güte theilhaftig zu werden.Durch dieses sehnsuchtsvolle Streben der Himmelskörper zu Gott entstehtihr regelmäßiger Kreislauf, und dadurch bewirken sie alle Veränderungenin der Welt unter dem Monde, im Wesenkreise des Entstehens undVergehens durch Annehmeu und Verlieren der eigenthnmlichen Formenund Gebilde. Indessen streben nicht sämmtliche Himmelssphären zuGott, sondern wegen ihrer niedrigem Stellung lediglich zu den gott-ähnlichen, reinen Geistern oder Engeln. Dem Verlangen, von Seitender ätherischen Wesen Begeistigung und Vollkommenheit zu empfangen,käme Gott oder die Lichtwesen spendend und überleitend von ihrerFülle entgegen. So sei Gott nicht unmittelbar der Weltbeweger, sonderndie erste Ursache der Bewegung, er aber bleibe dabei unverändert.Diese Theorie von Gott, dem Weltall und der mannigfaltigen Be-wegung der Wesensstufen fand Maimnui in der heiligen Schrift undin vielen Aussprüchen der Agada angedentet, aber nur angedeutet undnur leise darauf angespielt, weil diese Schriften und diese Lehren, diefür Jedermann bestimmt seien, das volle Bild der Wahrheit nickt ent-schleiern mochten, nicht entschleiern durften, um nicht grobe Mißver-ständnisse zu veranlassen. Die „Geheimnisse der Lehre" (Litrs Tbora),die namentlich in dem Kapitel von der Schöpfung (Naasss Usrosolnt)und in den Ezechielischen Gesichten vom Thronwagen Gottes (AsassaLIsi'Irada) niedergelegt seien, wären nichts anderes gewesen, als ebendiese Theorie, und sie seien lediglich Eingeweihten überliefert worden.Für die gedankenlose Menge hätten sich die Propheten und Agadisten(predigende Schriftausleger) der Bilder und Gleichnisse bedient, weilderen blöde Augen den Glanz der vollen Wahrheit nicht ertragenkönnten.
Wichtiger als die Auseinandersetzung dieser Weltanschauung istMaimuni's Gedankenentwickelung über die den Menschen näher angehen-de» Punkte, die er daran anknüpft. Da Gott, die Vollkommenheit undAllgüte, Urheber des Weltalls ist, so kann dieses nicht anders alsgut und zweckentsprechend gestaltet sein: „Gott sah, daß Alles gut war,"und „aus der Höhe kommt nichts Böses". Die Uebel, welche sichinnerhalb der nieder» Welt finden, dürfen nicht als Gottes Schöpfungenangesehen werden, sondern lediglich als Abwesenheit des Guten und