Maimuni's Religionsphilosophie.
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so wie man ihr Dasein und Verwirklichungskraft zusprechen müsse, ebensomüsse man in ihr Allwissenheit und freie Willensthätigkeit annehmen;nur dürfen diese Vollkommenheiten weder um viele Grade höher alsdie ähnlichen dem Menschen innewohnenden Geisteskräfte, noch von ihremWesen getrennt, sondern durchaus eigenthümlich und mit ihr in durch-schlagender Einheit gedacht werden.
Das ganze Weltall, das als ein organisches, im Einklang wirkendes,aus über einander schwebenden Sphären bestehendes Einzelwesen gedachtwerden müsse, ist weiter nichts als verwirklichte Gedanken Gottes, odervielmehr als die stets zur Wirklichkeit treibenden Ideen Gottes. Erspendet ihm stets Gestaltungen und Formen und pflanzt der WeltOrdnung und Gesetzmäßigkeit ein. Alles ist darin zweckentsprechendangeordnet. Die griechische Philosophie nimmt zwar an, daß das Weltallan Gottes Ewigkeit Theil habe, daß es von jeher von Gott verwirklichtworden sei und stets denselben Kreislauf von Gestalten, Werden und,Vergehen dnrchgemacht habe, wie es in der Gegenwart erscheint. Alleinsie vermöge weder die Ewigkeit der Welt unwiderleglich zu beweisen,noch alle Schwierigkeiten hinwegznränmen, welche der Annahme einesUrbestandes des Weltganzen entgegenstehen. Viel einleuchtender seidie Lehre des Judenthums, daß die Welt einen zeitlichen Anfang habe,und daß die Zeit selbst, die vielmehr erst eine Form der Welt undihrer Bewegung ist, nicht anfangslos sei, sondern von dem bestimmendenWillen Gottes in's Dasein gerufen worden. Die Annahme, daß Gottnickt bloß Ordner und Erhalter, sondern auch freithätiger Schöpfer derWelt sei, obwohl sie nicht mit voller Gewißheit bewiesen werden könneempfehle sich dem menschlichen Bewußtsein weit mehr als jene, welchedem Weltall Urewigkeit zuschreibt, demgemäß die Welt eine so noth-wendige Folge der Gottheit sei, wie der Schatten dem Lichte. DieLehre des Jndenthums zwinge der Gottheit keinerlei Nothwendigkeitauf, sondern lasse sie in freier Selbstbestimmung die Wesenheiten ineinem bestimmten Anfangspunkte in's Dasein rufen.
Das von Gott geschaffene und znsammengehaltene, organisch ge-staltete Weltall bestehe ans einer Stnfenreihe verschiedenartiger Wesen.Der Gottheit am nächsten stehen reine Geister, die einfach, nicht zu-sammengesetzt aus Stoff und Form und daher der göttlichen Natur amvollsten theilhaftig sind. Ihre nothwendige Existenz ist philosophischerwiesen, weil sich dadurch manche Erscheinungen im Weltall am bestenerklären lassen. Diese reinen Geister, diese „vom Stoff losgelöstenFormen" nenne das Judenthum, nenne die heilige Schrift: Engel.Maimuni ist geneigt, vier solche stofflose Geister und dem entsprechend