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Geschichte der Juden.
wies die Weltweisheit nicht wie Jehuda Halevi als eine zudringlicheKupplerin ab, erkannte sie vielmehr als höchste Instanz in göttlichenDingen an. Nur ist sein System viel reicher, tiefer nnd gediegenerals Saadia's, wie die Frucht voller ist als der Keim. Maimuni be-gnügte sich nicht mit Scheinbeweisen, nicht mit Wahrscheinlichkeiten, nichtmit znmuthenden Ideen, sondern rückte den Gedanken näher und prüftemit gewissenhafter Strenge ihre Beweiskraft und Stichhaltigkeit. Sohoch ihm auch Aristoteles, der Vollender der griechischen Philosophie,stand, nnd so voll Verehrung er auch für jeden seiner Aussprüche war,so beruhigte er sich dennoch nicht bei dem von ihm ausgestellten Gedanken-kreise, sondern unterwarf ihn einer sorgfältigen Prüfung. Maimunikam sogar zu dem Ergebnis), daß, obwohl Alles, was Aristotelesüber die Natur der Welt ausgesprochen von der Mondsphäre bis zumMittelpunkt der Erde, als auf sichere Beweise gegründet, fest und un-erschütterlich sei, dennoch seine Ideen über die Natur der höheren Weltmehr Meinung als philosophische Gewißheit seien. Maimuni wich daherbei der Darstellung des Gedankeninhalts der jüdischen Religion wesent-lich von Aristoteles' Philosophie ab. und in den Punkten, in welchener über sie hinansging, war er selbständig und erzeugte eine neue, wennauch aristotelisch-gefärbte Weltanschauung. In seinen zwei älternWerken hatte er zwar bereits philosophische Lehren entwickelt, in diesemWerke sucht er sie zu begründen und im Zusammenhänge darzustellen.
Maimuni ging von dem Punkte ans, daß es mit entschiedenerNothwendigkeit ein Wesen geben müsse, welches die Bewegung derSphären und der nieder» Welt leitet, das nicht anders als daseiendund existirend gedacht werden könne. Denn ohne dieses höchste Wesenwäre der Bestand nnd der Zusammenhang des Weltganzen undenkbar.Dieses höchste Sein, dieses „bewegende Unbewegte", ist die erste Ursachevon allem Vorhandenen, ist selbst unveränderlich und daher unkörperlichund eins. Es ist die reine Wirklichkeit und der in sich beharrendeunendliche Geist, dessen Gedanken stets verwirklichen und gestaltenund Ordnung, Gesetz und Regeln Hervorbringen. Obwohl dem höchstenWesen oder der Gottheit eine Fülle von Vollkommenheiten innewvhut,so dürfe man ihm doch keinerlei Eigenschaft (Attribut) beilegen, weileine solche, nach menschlicher Vorstellnngsweise gedacht, entweder seinegeschlossene Wesenseinheit oder seine Unveränderlichkeit beeinträchtigenwürde. Kaum dürfe man von der Gottheit aussagen, daß sie unendlichwirke, weil Wirksamkeit das Streben, etwas Mangelhaftes zu ergänzen,voraussetze, und die Gottheit ist das in sich ruhende Genüge. Judesten