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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

der weitläufigen Diskussion festzustellen. Sobald sie aber Maimuni'sCodex in die Hände bekamen, der ihnen wegen der faßlichen Sprachezugänglich war, und die lichtvolle Ordnung in demselben bewunderten,und namentlich als sie die Wahrheit und die tiefe Sittenlehre darinwahrnahmen, gingen ihnen die Augen für die hohe Bedeutung des-selben auf. Sie kopirten ihn jeder für sich, ihr Geist vertiefte sichdarein; es versammelte sich Jung und Alt, um sich den Inhalt an-zueignen.Es giebt jetzt viele Kundige des Gesetzes, die bei einemRechtsstreite sich ein selbständiges Urtheil zu bilden und die Ent-scheidung des Richters zu controliren im Stande sind." Und wiein Spanien, so war es überall, selbst im Morgenlande, wo dasTalmudstudium eifriger betrieben wurde. Die Verehrung für dengroßen Meister wuchs mit jedem Tage, namentlich als man allmäligerfuhr, daß sein Privatleben dem Ideale entsprach, das er von einemjüdischen Weisen entworfen hat. Man spendete ihm die überschwäng-lichsten Lobeserhebungen:Der Einzige des Zeitalters",die Fahneder Rabbiner",der Erleuchter der Angen Israels", waren nochbescheidene Titel. Es gehörte die ganze sittliche Kraft Maimuni'sdazu, um von dem ihm gespendeten Weihrauch nicht betäubt zuwerden. Maimuni's Name erklang von Spanien bis Indien undvon dem Quelllande des Euphrat und Tigris bis Südarabien, undverdunkelte alle zeitgenössischen Berühmtheiten. Die gelehrtestenMänner ordneten sich seinem Urtheil unter und erbaten sich von ihmBelehrung in demuthsvollen Aeußerungen; er galt als höchste Autoritätfür die jüdische Gesammtheit, die in ihm ihren würdigsten Vertreterverehrte.

An kleinlichen Gegnern, die ihm seine Alle überragende Größemißgönnten, hat es ihm auch nicht gefehlt, jene winzigen Rabbinerlein,welche, äußerlich mit dem Talmud vertraut, im Besitze aller Weisheitzu sein glaubten und durch Maimuni's Werk unangenehm aus ihremTraume geweckt wurden. In Kahira selbst würdigten einige Stock-talmndisten den Codex keines Einblickes, damit es nicht hieße, siehätten etwas daraus gelernt Z. Andere meinten, nur das Lehrhauszu Bagdad sei die wahre Lehrstätte für Talmudkenntniß; wer nichtan dieser Quelle geschöpft, könne nicht als gründlich Eingeweihter an-gesehen werden; folglich verdienten Maimuni's Entscheidungen keineunbedingte Anerkennung^). Solche Kleingeister bildeten sich ein, eshinge nur von ihnen ab, ein gleiches oder noch besseres Werk über,sämmtliche Gesetze des Judenthums zu verfassen ^). Das Haupt

9 Brief an Joseph b. Aknin das.

-) Tas. Das.