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Geschichte der Juden.
liche, unbestrittene Ueberlieferuug beschränkt werde ^s. Offenbar hatsich Mainiuni bei dieser kühnen Ansicht von den Einwendungen derKaräer gegen die mündliche Lehre leiten lassen. Er machte ihnen,ohne sich dessen klar bewußt zu sein, das Zugeständniß, daß einewahrhafte Tradition nicht einer Meinungsverschiedenheit unterliegenkönne, sondern von Geschlecht zu Geschlecht über allem Zweifel erhabenfortgepflanzt sein müsse. Er glaubte aber auch damit auf dem Bodendes Talmud zu stehen, wie er denn überhaupt der Meinung war,daß er nur selten, höchst selten seine eigene Ansicht in den Codexhineingctragen, sonst aber Alles auf die Quellen des Talmud und derdazu gehörigen Urkunden begründet habe, und später nur eines be-dauerte, diese Quelle nicht kurz und faßlich angegeben zu haben?).
Obwohl Maimuni's Theorie, cousequent durchgeführt, geeignetist, das talmudische Judenthum zu lockern, so stand es ihm in derPraxis so hoch, daß er nichts Höheres darüber kannte. Die talmu-dischen Weisen waren für ihn maßgebende Autoritäten, die nur eineStufe niedriger als die Propheten gestanden hätten; sie waren fürihn Ideale, denen nachzueifern zu einem tugendhaften, religiös-voll-kommenen Leben führen könne. Die von ihnen ausgegangenen
Gesetzesbestimmungen, seien es Anordnungen oder verhütende Um-zäunungen, dürften nur unter den im Talmud selbst angegebenenUmständen aufgehoben werden, sonst haben sie unverbrüchliche
Gültigkeit, von denen sich kein frommer Israelit lossagen dürfe.
Maimnni dachte sich sämmtliche rabbinische Gesetze als von einer mitAutorität bekleideten, die jüdische Nation vertretenden, religiösenBehörde (Lot-Din) ansgegangen, deren gesetzgebende Befugniß von
der heiligen Schrift, von der Thora, selbst im Voraus anerkanntsei, daß man von ihren Vorschriften weder rechts noch links abgehendürfe 3). Für die Praxis sei daher der Unterschied von geringerBedeutung, ob ein Gesetz biblisch oder rabbinisch sei; beide Gattungenmüßten mit gleicher Gewissenhaftigkeit beachtet werden. Nur ausdiesem Umstande, daß ihm das ganze talmudische Judenthum nach derpraktischen Seite mit einem heiligen, unverbrüchlichen Charakterbekleidet schien, ist es erklärlich, wie er ihm eine so selbstaufopferudeHingebung widmen konnte, daß er ihm Schritt für Schritt folgte,
U Dilollot lllarasrim II I. 8. lla-NIsrvot Regel 2. Bricfsammlung22 a. Gutachtensammlung Nr. 144 und Einl. zur Mischnah. Die Einwen-dungen dagegen vergl. Jair Chajim Bacharach Ollarvot llair Nr. 192.
Briessammlung S. 20 f.
2 Dilollot lilarusrira II 2 f.