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Geschichte der Juden.
diejenige Seite, worin die Toßafisten so bedeutend waren. Er würde,bemerkt er einmal selbst, den ganzen Stoff des Talmud in ein ein-ziges Kapitel zusammengefaßt haben, wenn er es vermocht hätte').
Der Zweck seiner Arbeit war auch eigentlich, die Kenntniß desganzen Judenthums, des biblischen und talmudischen (das ihm ineins zusammenfloß) zu vereinfachen. Er wollte, die Weitläufigkeit undDunkelheit, welche durch die talmudische Sprachform, die Diskussionen,die mangelhaften Erklärungen der Gaonen zum Talmud das Studiumdesselben so sehr erschwerten, wenn nicht unmöglich machen, so dochvermindern, das Chaos lichten, Ordnung in das Zusammengewürfeltebringen. Sein Werk sollte sämmtliche voraugegangene Arbeiten über-flüssig machen. Der Rabbiner, welcher Vorkommnisse des täglichenLebens in religiösen und richterlichen Angelegenheiten zu entscheidenhat, der Fromme, welcher seiner religiösen Pflicht, das Gesetz zukennen, genügen will, der Wißbegierige, welcher sich Talmudkeuntuißaneigneu möchte, soll sich nicht mehr durch das Dornengestrüppe derhalachischen Diskussion hindurchzuwinden brauchen, sondern neben derheiligen Schrift sich aus dem Codex des Mischneh-Thora vollständige,allseitige Belehrung holen können. Er gab nicht undeutlich zu ver-stehen, daß sein Werk den Talmud wenn nicht beseitigen, so dochentbehrlich machen sollte^). Er verfaßte es deswegen in der leicht-verständlichen nenhebräischen Sprache (Mischnah - Idiom), um es fürJedermann zugänglich zu machen und auf diese Weise die Gesetzes-kunde und überhaupt die Kenntniß des Jndenthnms zu verbreiten^).Freilich verstieß er damit gegen die Anschauungsweise seiner rabbi-nischen Zeitgenossen, welche den Talmud gleich der heiligen Schriftbehandelt wissen wollten, in dem kein Wort überflüssig sei, und daherdie eingehende Beschäftigung mit dem Texte unerläßlich fanden.
Bei seiner Denkweise, alle Einzclnheiten auf faßliche Gründezurückzuführen und auf Nothbehelfe nichts zu geben, mußte Maimunihier und da bei der Feststellung der Ergebnisse von der talmudischenArt der Begründung abweichen und einen eignen Weg einschlagen.Namentlich ging er in einem schneidenden Punkte über den Talmudhinaus. Da er das ganze gesetzliche Judenthum in allen seinenTheilen auseinandersetzen und das Verhältniß des Talmudischen zum
') Maotat äs rssnirsotions x. 103 p.
2) Einleitung zu Mischneh-Thora und zu 8. ba-Lbmvmt. In demSchreiben an Pinehas von Alexandrien (das. 18 lr) bemüht sich Maimuni, seineIntention abzuschwächen.
3) Einleitung zu 8. ba-Ni^wot.