Maimuni's Unsterblichkeitslehre.
289
als eine politische Wiedergeburt auf, die ohne Wunder vor sich gehenwerde. Es werde einst in einer günstigen Zeitlage ein Sproß vomHanse David's auftreten, der sich nicht durch Wunderzeichen, sonderndurch tiefe Religiosität bewähren werde. Er werde alle Israelitenzu einem innig religiös-sittlichen Leben anhalten, glückliche Kriegedurch Gottes besonder» Schutz, wie sein Urahn David, führen, einjüdisches Reich in Palästina gründen und alle Völker zum Dienstedes einzigen, heiligen Gottes berufen. In der messianischen Zeitwerde es keinen Streit und keinen Krieg geben, die wilden Leiden-schaften werden ruhen, denn eine Fülle des Segens werde sich überdie Menschen ergießen, und die Menschen werden sich nicht um Besitzund Genuß abznmühen brauchen, sondern ihr ganzer Sinn wird aufhöhere Gotteserkcnntniß gerichtet sein; aber der ordnungsvolle Laufder Dinge wird nicht unterbrochen sein. Was die Propheten vondieser Zeit prophezeit haben, von dem friedlichen Wohnen des Lammesneben dem Wolfe, das sei nicht buchstäblich, sondern nur als Parabelvon dem tiefen Frieden unter den Menschen, gesichert durch die Herr-schaft des Gesetzes zu fassen Z.
Ueberall, wo der Gegenstand Gelegenheit dazu bot, räumte Mai-muni in seinem Werke der Wissenschaft Gleichberechtigung mit demtalmndischen Lehrinhalt ein. Bei dem Kapitel über den jüdischenFestkalender behandelt er die Astronomie nach dem damaligen Standdieser Wissenschaft und verfehlt nicht, dabei zu bemerken, daß es beiwissenschaftlichen Punkten gleichgültig sei, ob die Wahrheit von Pro-pheten oder von nichtjüdischen Weisen stamme^). Nicht selten gehtMaimuni in dem Codex des talmndischen Jndenthums über ganzbestimmte talmudische Anssprüche hinweg, in so fern sie seine philo-sophische Ueberzengung vor den Kopf stoßen, namentlich in solchenPunkten, die mit der Mystik, mit magischer Praxis und mit aber-gläubischen Anschauungen in Verbindung stehen. Sein Grundsatz war,man soll seinen gesunden Sinn nicht fahren lassen. „Die Angen sindvorne und nicht hinten"^). — Wie er Geist und wissenschaftlichenHauch in das halachische Jndenthnm gebracht hat, so hat er auch indie Methode der Behandlung des Talmudstoffes Einfachheit eingeführt.Nichts war ihm widerwärtiger, als weitläufige Auseinandersetzungen,wo dem Unwesentlichen und der Form ebensoviel Raum und Wichtig-keit zugewiesen wird, wie dem Wesentlichen und der Hauptsache, gerade
Uitollot lilalaolliur XI. XII.
2 ) Uiloliot Xiclclnsoll tm - Olloässoll XVII. 25.
Briefsammlung x. 6 b.
Graetz, Geschichte der Juden. VI.
19