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Geschichte der Juden.
Bequemlichkeit davon nicht lassen mochten, verhängte er über die wider-spenstigen Frauen den Verlust aller Ansprüche an das Vermögenihrer Gatten als Geschiedene oder Wittwen. Die Ehemänner wurdenunter Androhung des Bannes angewiesen, ihre Frauen zur Nach-achtung der Verordnung anzuhalten. Dieser Erlaß des maimnnischenRabbinatscollegiums wurde in allen egyptischen Gemeinden verlesen(Sommer 1177^). — Obwohl Maimuni darauf drang, eingeschlichenekaräische Bräuche aus dem rabbanitischen Kreise zu beseitigen, so warer doch von überaus milder Duldsamkeit gegen die Anhänger Anan's.Ans eine Anfrage, wie sich Rabbaniten gegen Karäer verhalten sollten,erwiderte er, daß, so lange sie sich in den Schranken des Anstandeshalten und auf den Talmud und seine Bekenner nicht schmähen, manihnen achtungsvoll begegnen, sich ihnen mit Freundlichkeit, Demuth undFriedfertigkeit nähern, sie in ihren Häusern besuchen, ihre Leichenbegraben, ihre Trauernden trösten und ihre Kinder in den Abrahams-bund aufnehmen solle. Schreibt doch der Talmud freundliches Be-gegnen gegen Heiden und Götzendiener, umsomehr gegen solche vor,welche vom Samen Jakob's abstammen und einen einzigen Gottbekennen. Höchstens sollte man sich von ihnen an ihren selbsterfun-denen, von den Rabbaniten abweichenden Festtagen fern halten. Auchdürfe man sie nicht zur Ergänzung von zehn Mitgliedern zum Gebete
zuziehen 2). —
Kraft seines rabbinischen Amtes sorgte Maimuni auch für An-stand in den Synagogen und entfernte auch hier mißbräuchliche Ge-wohnheiten^). Er fand nämlich, daß die Gemeinde, weil sie ihrerPflicht durch das stille Gebet (Lellsmonsli Lsrsll) genügt zu habenglaubte, dem lauten Beten des Vorbeters nicht mit Andacht zuhörte,sondern unter einander plauderte und sich überhaupt unanständig dabeibenahm. Darüber spöttelten die Mohammedaner, welche ihrem Gottes-dienst mit gesammelter Andacht beizuwohnen pflegten, mit Recht.Maimuni, der sich tief verletzt fühlte, wenn das Judenthum dem Ge-spötts ausgesetzt war, wollte dieser Anstandswidrigkeit in den Syna-gogen steuern und schaffte zu diesem Zwecke das stille Gebet derGemeinde ganz ab, ohne Rücksicht darauf, daß es vom Talmud vor-geschrieben ist. Zweckentsprechendes Beten stand ihm höher, als ge-dankenlose Befolgung der Vorschriften. Dieser Brauch Maimnni's,daß der Vorbeter allein das Hauptgebet vortragen sollte, wurde nachund nach nicht nur in ganz Egypten, sondern auch in einigen Ge-
1) Dieselbe Nummer in der Responsensammlung.
2) Das. Nr. 71 und Briefsammlung S. 4L v. ff.
b) Nssxonss, David Jbn-Abi-Simra (Radbas) sä. Livorno Nr. 94.