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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Maimuni's Mischnah - Commentar.

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in sinnlicher Einkleidung tiefe, philosophische Lehrsätze und metaphysischeGeheimnisse enthielten. Er setzte ferner die Natur der Ueberliefernngauseinander, daß nämlich nicht alles, was in der Mischnah enthaltenist, Tradition sei, sondern nur diejenigen halachischen Elemente, welchekeiner Meinungsverschiedenheit unterworfen sind. Denn eine traditio-nelle Lehre müsse unbedingt sein und dürfe nicht dem Zweifel undder Schwankung unterliegen. Unversehens hat sich Maimuni dabeimit dem Talmud in Widerspruch gesetzt und dessen festen Grundgelockert.

Eine wahre Fundgrube schien für Maimuni der Mischnah-Abschuitt, welcher die Kernsprüche der Väter (^dot) wie Perlen aneiner Schnur an einander reiht. An diese konnte er den ganzenReichthum seiner Gedankenwelt anknüpfen. In der Einleitung dazu(acht Abschnitte) entwickelte er die Seelenlehre, die Krankheiten derSeele und ihre Heilmittel, die Sittenlehre, die in dem Gleichgewicht-halten zwischen entgegengesetzten Trieben bestehe, das Ideal einesvollkommenen Menschen und endlich die Lehre von der menschlichenWillensfreiheit im Verhältniß zur göttlichen Allwissenheit und Vor-herbestimmung. In einem anderen Abschnitte sprach sich Maimuniüber die Unsterblichkeit der Seele aus, und wie sie sich zur biblischenAuferstehungslehre und zu dem Glauben au die messianische Erlösungverhalte. So durchtränkte er das talmudische Jndenthum mit philo-sophischen Ideen. Er gewahrte aber nicht, daß er sich damit in einerSelbsttäuschung befand. Es stand ihm nämlich fest, daß einerseits dieGedanken, welche Aristoteles und die arabische Philosophenschule,namentlich Jbn-Sina (Avicenua) zu Tage gefördert hatten, unerschütter-liche Wahrheit seien, und andrerseits die sinai'tische Offenbarung, dieAussprüche der Propheten, die Lehre der talmudischen Agada in ihrenHauptzügen nicht minder Wahrheit enthalten. Maimuni glaubte sichnun zu der Schlußfolgerung berechtigt, daß diese zwei Wahrheiten,Judenthum und aristotelische Philosophie, sich gegenseitig decken müßten,und seine Aufgabe bestand nun darin, einzelne schillernde Bibelverseund agadische Sentenzen so zu deuten, daß sie den philosophischenLehrsätzen entsprächen. Daß diese beiden Gedankenkreise auf zweiganz verschiedenen Weltanschauungen beruhen und daher, weit entfernteinander zu bestätigen, einander vielmehr aufheben und im Kampfemit einander begriffen sind, das entging seinem Hellen Geiste eben sosehr, wie seinen jüdisch-philosophischen Vorgängern und den Denkerndes Mittelalters überhaupt.

Wichtig war nun für die Folgezeit, daß Maimuni ans seinerunbewußten Selbsttäuschung heraus zum ersten Male unternahm,