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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

unter dem Titel Sirag (die Beleuchtung). Der Zweck dieser Arbeitwar, das Talmudstudium, welches durch die weitläufigen Diskussionen,durch die zerstreuten gaonäischeu Erklärungen und durch die nichtimmer sachgemäßen Commentarieu seiner Vorgänger so sehr erschwertwar, daß es mir Sache der Gelehrten sein konnte, für jedermannzu erleichtern, die Praxis aus dem Wirrwarr der verschiedenen Meinungenfestzustellen, die Gründe, auf welchen die Halachot beruhen, aufzusuchenund den Leser durch kurze, aber tiefeindriugende Wort- und Sach-erklärung zu orientiren. Maimuni's Mischnah-Commentar entstandaus des Verfassers geistiger Organisation, welche in allen FächernKlarheit, Systematik und Abrundung erstrebte. Es ist die erste wissen-schaftliche Behandlung des Talmud, die nur ein so klarer und metho-discher Denker wie Maimuni anbahneu konnte, weil der spröde Stoffeiner systematischen Ordnung geradezu zu widerstreben scheint. Denwissenschaftlichen Charakter zeigen namentlich die lichtvollen Einleitungen,welche der Commentar enrhält. Maimuni schickte nämlich eine um-fassende Einleitung dem ganzen Mischnah-Commentar voran, undebenso leitete er jede besonders schwierige und dunkle Partie durchdie Auseinanderlegung der Grundsätze ein, auf denen die mannigfachenEinzelheiten beruhen. Er offenbarte darin tiefe Eingedrungenheit inden Stoff, wie lichtvolle Auffassung in der Methode. Nicht seltenweicht er in der Erklärung der Mischnah von der talmudischen Aus-einandersetzung ab und schlägt einen eigenen, einfacheren Weg ein Z.

Mit besonderer Vorliebe behandelt Maimuni solche Punkte derMischnah, welche einen wissenschaftlichen Anstrich haben, wozu erLehrsätze aus der Mathematik, Astronomie, Physik, Anatomie, Moral-lehre und Philosophie herauziehen konnte. Hier war er in seinemElemente. Bei solchen Partien konnte er zeigen, daß die Weisender Mischnah, die Träger der Ueberlieferung, auch Wissenschaftenverstanden und sie ihren Arbeiten zu Grunde gelegt haben. Nament-lich galt es ihm nachzuweisen, daß die Mischnah eine kernige Sitten-lehre und einen tieferen philosophischen Gottesbegriff enthalte. Zudiesem Zwecke kehrte er die agadischen Elemente in der Mischnah,welche bis dahin wenig oder nur gelegentlich und nebenher beachtetworden waren, mit besonderer Vorliebe und in großer Ausführlichkeithervor. In der allgemeinen Einleitung entwickelte er die wahre Be-deutung der Prophetie, daß sie nicht auf Wundern beruhe, und be-leuchtete ihr Verhältniß zum sinaitischen Gesetze, besprach ferner denCharakter der biblischen und prophetischen Redefiguren, daß sie nämlich

Z Ueber die Bedeutung des maimunischen Mischnah-Commentars vergl.Frankels Os-ralls lla-Nlsollns-ll oder HoäsZstiva in MovlinarQ x. 320 ff.