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Maimuni in Egypten. 273
wieder auf's Siechbett und erfüllten ihn mit Trübsinn. Am meistenschmerzte ihn der Tod seines Bruders. In einem gemüthswarmenBrief sprach er seinen Schmerz aus. „Noch heute, obwohl mehrereJahre darüber hinweggegangen, kann ich noch immer keinen Trostfinden. Er ist auf meinen Knieen großgewachsen, er war mein Bruderund zugleich Schüler, er machte Geschäfte und ernährte mich, daß ichruhig leben konnte. Er verstand Talmud und hatte Sprachknnde,und ich hatte stets Freude an ihm. Seitdem er aber ins ewige Lebeneingegangen, ist mir jede Freude gestört, er ließ mich einsam in einemfremden Lande zurück. So oft ich einen seiner Briefe oder einesseiner Bücher sehe, erneuert sich mein Schmerz" ^).
Sein unbedingtes Gottvertrauen, seine schwärmerische Liebe zuden Wissenschaften und endlich die Sorge für die Seinigen und diehinterlassene Wittwe und Tochter seines Bruders richteten seinenMuth wieder auf und bewogen ihn, ins thätige Leben einzngreifen.Maimuni scheint seit dieser Zeit die Heilkunde ausgeübt und sichdadurch Existeuzmittel verschafft zu haben. Doch hatte er anfangskeine einträgliche Kundschaft, weil er noch unbekannt war. Auch hielter wohl schon um diese Zeit öffentliche Vorlesungen über philosophischeGegenstände^). — Sein ganzer Sinn war aber auf die Vollendungder umfassenden Arbeit gerichtet, mit welcher er sich von seinem drei-undzwanzigsten Jahre an auf Wanderungen, unter mohammedanischerVermummung, auf der Seereise, trotz vielfacher Widerwärtigkeitenbeschäftigt hatte, des Commentars zur Mischnah. Er vollendetedieses sein erstes Meisterwerk im Jahre 1168^) in arabischer Sprache
y Brief an Jephet. Dieses Schreiben kann nicht so spät, mindestens zehnJahre nach seiner Ankunft in Egypten, erlassen sein, wie aus der Lesart derCarmoly'schen Handschrift (in Oibrs Obaollaraira. a. a. O. 1,22 mn 2 V 2 -77^un .2 -m 22 V zu schließen wäre. Denn nach einem so langen Zeitraumbeklagt man sich nicht über einen Correspondenten, daß man keinen einzigenBrief von ihm erhalten habe. Auch betrachtet Maimuni in diesem BriefeEgypten noch als „fremdes Land", während er im Jahre 1175 bereits eineanerkannte Persönlichkeit war und sich in Egypten durch seine Wirksamkeitganz heimisch fühlte. Der Text bei Geiger hat die Zahl „acht Jahre" nicht.Man darf da höchstens ergänzen: v-dv. — In dem Ertrunkenen einen andernals David zu erblicken, etwa Jbn-Almoschat, ist ganz ungerechtfertigt, denndieser lebte noch 1181. Der Brief an Jephet müßte demnach etwa nach Mai-muni's Ankunft geschrieben sein. Alkifti a. a. O.
") Da Maimuni genau angiebt, er habe de» Kommentar 1479 8s1. —1168vollendet, so muß man mit Rapaport annehmen, daß die Zahl „nn Alter vondreißig Jahren" eine Corruptel ist, statt: von 33 Jahren. Von einer zweitenVersion, die etwa drei Jahre später vollendet worden, zeigt sich im Werkekeine Spur.
Graetz, Geschichte der Juden. VI.
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