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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

keineswegs dem Götzendienste, sondern sprechen nur eine leere Formelnach, von der die Mohammedaner selbst wissen, daß wir es nicht ernstdamit meine», sondern nur den fanatischen Herrscher täuschen wollen."Dann geht er tiefer auf die Sache ein. Allerdings schreibe derTalmud vor, daß jeder Jude wegen dreierlei Capitalsünden, die ihmaufgezwungen würden, den Märtyrertod erleiden solle: wegen Götzen-dienst, Unkenschheit und Mord, auch wegen der übrigen Pflichten desJndenthums, wenn der Feind sie geradezu als Uebertretung des Ge-setzes und nicht als Mittel zu einer sonst gleichgültigen Handlungverlange. Noch mehr, jeder Jude soll, um den Namen seines Gotteszu heiligen, für jedes Gesetz den Tod erleiden, und das sei das Höchstein den Augen der jüdischen Religion. Allein wer nun einmal nichtdie Standhaftigkeit des Märtyrers besitzt, selbst gegenüber den Zu-muthungen der drei Hanptsünden, der unterliege durch das Unterlassennoch keinerlei Strafen von Seiten des Gesetzes, werde auch keineswegsals Gesetzesübertreter vom talmudischen Gesichtspunkte ans und alsunglaubwürdig angesehen. Tenn dem Zwange gegenüber hat die Thorajede Verpflichtung aufgehoben. Wer demnach den Muth nicht hat,sich für's Judenthum zu opfern, hat also nur eine einzige Vorschriftübertreten, die nämlich, Gottes Namen zu heiligen; aber er gehörtdadurch nicht zu den Unwürdigen, deren Zengniß keine Gültigkeit hat.Selbst wenn Jemand zwangsweise thatsächlich einen Götzen anbetet,unterliege er dadurch keineswegs der über Götzendienst verhängten Strafe.Denn wie könnte der gezwungene Uebertreter dem Rcligionsverletzeraus freien Stücken gleichgestellt werden? Wenn im Talmud erzähltwird, daß viele fromme Männer wegen zugemutheter UebertretungMärtyrer geworden sind, so werden diese nur als Muster zum Nach-eifern aufgestellt.

Dann sei noch eins zu bedenken, meinte Maimnni. Es sei dochwohl zu unterscheiden, ob eine Uebertretung durch That oder durchein bloßes Wort geschehe. Die mohammedanischen Behörden verlangenvon den Inden keineswegs eine Verleugnung des Judenthums, sondernbloß das Aussprechen des Bekenntnisses mit den Lippen, daß Mohammedein Prophet gewesen, im Uebrigen haben sie nicht viel dagegen, wenndie Juden nach ihren eigenen Vorschriften lebten. Ein solcher Zwangsei eigentlich beispiellos, daß nämlich weiter nichts als ein Wort zu-gemuthet wird. Wer sich nun als Märtyrer opfere, um Mohammednicht als Gottesgesandten anzuerkenuen, habe allerdings ein hohesVerdienst. Wenn aber Jemand die Frage stellte, ob er sein Lebendeswegen preisgebcn sollte, so müsse man ihm gewissenhaft nach derVorschrift des Judeuthums mit Nein antworten. Man dürfe und