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Geschichte der Juden.
ordnen verstand. Er war ein abgesagter Feind der Unordnung und deschaotischen Durcheinander. Man darf ihn nach dieser Seite hin mitFug und Recht den jüdischen Aristoteles nennen, und es lag ganz inseiner geistigen Natur, die größte Bewunderung vor dem Philosophenvon Stagira zu hegen, der die Unbestimmtheit und poetische Ver-schwommenheit der vorangegangenen griechischen Philosophie zur Be-sonnenheit und Klarheit des Begriffes gebracht hat. Aristoteles hatteviele Verehrer unter Juden und Mohammedanern — christliche Denkerkonnten damals noch nicht seine Geisteshöhe erklimmen; aber keinervor Maimuni hatte sich so sehr in dessen philosophische Weltanschauungvertieft und hineingelebt, daß er sie als sein geistiges Eigenthnm stetsgegenwärtig in sich trug und darum auch die Schwächen, die sie hinund wieder zeigt, tiefer erkannte.
Doch nicht das umfangreiche und tiefe Wissen allein war es,welches Maimuni's Eigentümlichkeit ausmachte, sondern seine Ge-sinnungstüchtigkeit. Er war ein vollendeter Weiser , in der schönsten,antiken und verehrungswürdigen Bedeutung. Geregeltes Wissen, be-sonnenes Wollen, reife Ueberzeugung und kräftiges Thun waren inihm harmonisch znsammengeschmolzen. Er war von der tiefsten, ge-läutertsten Religiosität, von gewissenhafter Sittlichkeit und von philo-sophischer Weisheit ganz durchdrungen, oder vielmehr diese drei sonstöfter einander feindlichen Elemente waren in ihm zu vollendeter Ver-söhnung gekommen. Das, was er als wahr erkannte, war ihm un-verbrüchliches Gesetz, davon ließ er nicht einen Augenblick, sondernsuchte es durch sein ganzes Leben zu bethätigen, unbekümmert umdie Nachtheile, die es ihm bringen könnte. Wenn er nach der wissen-schaftlichen Seite auf der Höhe der Zeit stand, nach der sittlichen undreligiösen Seite nur Wenige seinesgleichen hatte, so überragte er seineZeit durch seinen scharf ausgeprägten Charakter. Sein Aeußeres ent-sprach seinem Innern. Maimuni war von einem tiefen Ernste, derdas Leben nicht als eine günstige Gelegenheit zu Genüssen betrachtete,sondern als eine schwere Aufgabe, edel zu wirken und die Wahrheitzu bethätigen, daß der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Das Gemeine,das Erlogene, das Scheinwesen war ihm in tiefster Seele verhaßtund durfte nicht in seine Nähe kommen. Er hatte auch darum keinInteresse an der Poesie, weil sie nach der damaligen Anschauung,„daß das Beste daran das Erlogene sei", auf Erfindung und Un-wahrheit beruhte. Er hielt die Beschäftigung damit für eine müssig-gängerische Tödtung der Zeit, wollte selbst bei Hochzeiten keine Versegeduldet wissen, die nicht religiöser Natur sind, und machte keinenUnterschied, ob sie in der hebräischen oder einer profanen Sprache