262
Geschichte der Juden.
Auch waren seit dem Tode des Joseph Jbn-Migasch und des R. Tamkeine Männer von weitgebietender Autorität vorhanden, die im Standegewesen wäre», einen entscheidenden Weg vorzuzeichnen oder auch nureine Anregung zu geben. In dieser Zeit der beginnenden Zerfahren-heit trat Mose Maimuni auf und wurde, er ganz allein, Träger derEinheit des Judenthums, Sammelpunkt für die Gemeinden in Ostenund Westen, endgültig entscheidende Autorität, ohne mit einer officiellenWürde bekleidet zu sein. Er war geistiger König der Judenheit, demsich die bedeutendsten Führer der Gemeinden freudig unterordneten.So denkwürdig erschien schon den Zeitgenossen alles an dieser großenPersönlichkeit, daß sogar Tag und Stunde seiner Geburt ausgezeichnetwurden.
Mose b. Maimuni (mit dem langen arabischen Namen Abu-Amran Musa b. Maimun Obaid Allah) wurde geboren 14. Nissan— 30. März nach 1 Uhr Mittags 1135^) in Cordova. Die Jngend-geschichte des Mannes, der die Zukunft des Judenthums auf seinenstarken Schultern tragen sollte, war dazu geeignet, ihn zum festenCharakter zu stählen. Sein Vater Maimun b. Joseph, einJünger des Jbn-Migasch, war ebenso wie seine Ahnen in achtGeschlechtern aufwärts bis auf den Stammvater Obadia talmndischgelehrt und Mitglied des Rabbinatscollegiums von Cordova. Maimunhatte auch Interesse an den Wissenschaften, verstand Mathematik undAstronomie und verfaßte Schriften darüber, sowie über talmudischePunkte. Er war es, der dem Sohne schwärmerische Liebe für Wisseneinprägte und dessen Sinn für ein ideales Leben erweckte. Kaumhatte Maimuni das dreizehnte Jahr überschritten, so brach großesUnglück über die Gemeinde von Cordova herein, als diese Stadt vonden Almohaden erobert wurde (Mai oder Juni 1148), die sofortfanatische Edikte gegen Juden und Christen erließen und ihnen dieWahl zwischen Annahme des Islam, Auswanderung oder Tod stellten(o. S. 157). Mit dem größten Theil der Cordovaner Gemeindewanderten auch Maimun und seine Familie aus; wohin sie sich aber
*) Die kritische Ermittelung dieses Datums in Geiger's Zeitschrift II.S. 127 ff. — Kaum lohnte es sich, über die Aussprache des Namens pv'o einWort zu verlieren, wenn nicht Kleinlichkeitskrämer es zum Gegenstände derGelehrsamkeit gemacht hätten. Nun, der Name ist nicht hebräisch, sondernarabisch. Wenn nun competente Arabisten, wie de Sacy, Munk, Dozy undAndere ihn Maimun aussprechen, so muß die Stimme der minorurnAsutiumschweigen. Die spanischen Araber haben allerdings den Laut Dhamma oausgesprochen; da aber die Aussprache der orientalischen Araber allgemeinrecipirt ist, so hat man kein Recht, eine gewissermaßen provinzielle Lautungvorzuziehen. Indessen reimt auch ein jüdisch-spanischer Dichter: mit ;ir>n.