Kclmtes Kapitel.
Maimuni (Maimonides).
Seine Geburt, Jugendgeschichts und Jugendarbeiten. Seine Auswanderungnach Fez. Maimun's, des Vaters, Ermahnungs- und Trostschreiben andie afrikanischen Gemeinden. Maimuni's erste Streitschrift zu Gunstender Scheinmohammedaner. Auswanderung der Familie Maimun von Feznach Palästina und Egypten. Maimuni's Schicksalsschläge. Sein Mischnah-Commentar und dessen Bedeutung. Maimuni's Dogmatik und Glaubens-artikel. Saladin's Verhalten gegen die Juden. Verfolgung der Juden inSüdarabien; Maimuni's Sendschreiben nach Jemen. Das Ende des falschenMessias in Südarabien. Maimuni's Verordnungen als Rabbiner. Mai-muni's Neligionscodex und seine Bedeutung.
1171 — 1180 .
In dem letzten Viertel des zwölften Jahrhunderts schien dasJudenthum seinen einigenden Standpunkt eingebüßt zu haben undeiner um sich greifenden Zerfahrenheit verfallen zu wollen. Dassüdliche Spanien mit den Gemeinden Cordova, Granada, Sevilla undLucena, das seit dem Untergänge des Gaonats die Führerschaft ansich gebracht hatte, war durch die Unduldsamkeit der Almohaden ohnejüdische Gemeinde und sah höchstens Juden mit der Maske des mos-lemitischen Bekenntnisses. Die Gemeinde der neuen Hauptstadt deschristlichen Spaniens, Toledo, sowie die der nordspanischen Mittelorte,hatten es noch nicht dahin gebracht, weitgebictenden Einfluß zu üben.Die Gemeinden Südfrankreichs waren noch in dem Stadium derJüngerschaft, die nordfranzösischen zu einseitig im Talmud vertieft undgebeugt von Sorgen für das, was der Morgen bringen werde. Diedeutschen Juden waren angehende Kammerknechte des deutsch-römischenReiches, die der übrigen europäischen Länder hatten sich noch kaumder Barbarei entwunden und zählten gar nicht mit. Das wieder-hergestellte Exilarchat, das Kind der Laune eines Chalifen, hatte inAsien selbst nicht feste Wurzeln genug, um auf die höher gestimmtenJuden Europas einwirken zu können. So gab cs nirgends einenMittelpunkt, in dem sich die weithin Zerstreuten hätten sammeln können.