Die Juden in Egypten. 259
Die Hauptgemeinde von zwei Tausend jüdischen Familien,darunter sehr wohlhabenden, war natürlich in Kahira (Neu-Misr)mit zwei Synagogen, in welchen verschiedene Riten herrschten. Inder einen galt der Palästinensische und in der andern der babylonische(irakensische) Ritus. Nach dem ersteren wurde der Pentateuch in densabbatlichen Vorlesungen in einem dreijährigen Cyclus vollendet. Dievom babylonischen Ritus hatten dagegen den einjährigen Cyclus.Nur am Wochenfeste und Thorafrcudenfeste hatten beide Gemeindengemeinschaftlichen Gottesdienst. In Kahira bestand auch eine karäischeGemeinde, welche noch zahlreicher gewesen sein soll, als die rabba-nitische. Auch sie hatte ein eigenes Oberhaupt mit richterlicher undreligiöser Machtvollkommenheit und mit dem Titel Fürst (Naßi, Reis).In dieser Zeit fungirten als solche nach einander Chiskija undSalomo I. (um 1160 — 1200), welche Anan als ihren Stammvaterbetrachteten i). Einige Karäer in Egypten genossen Ansehen bei Hofeund waren überhaupt den Rabbaniten überlegen ^).
In Fostat (Alt-Kahira) bestand von Alters her eine bedeutendeGemeinde. Als aber der Wesir Schaver, das Heranrücken des christ-lichen Königs Amalrich von Jerusalem befürchtend, die Stadt inRauch aufgehen ließ (1168 wanderten Wohl die Juden mit denübrigen Bewohnern nach der nahe gelegenen Hauptstadt aus. Diezweite Hauptgemeinde war in Alexandrien, welche 3000 Familienzählte; sie hatte einen Rabbiner aus der Provence, Pinehas b.Meschullam 4). So arm war damals die Jndenheit Egyptens antalmudischen Autoritäten. Auch eine karäische Gemeinde war inAlexandrien ^). Eine große Gemeinde bestand noch in Bilbeis (östlichvom Nil) von 3000 Mitgliedern, die ebenfalls durch den Kriegszugdes Amalrich viel gelitten hat 6). Kleinere Gemeinden waren zuDamira 700, zu Machale 500, zu Manifita 200, ebensovielzu Bubaig und in der Hafenstadt Damiette. In der GebnrtsstadtSaadia's, Fajum, lebten damals bloß zwanzig jüdische Familien.
Der Culturzustand der egyptischen Juden in dieser Zeit warnicht glänzender als der ihrer asiatischen Brüder. Sie haben die
Z Bergt. Dock Aiaräoobg.i o. 6 und Pinsker Noten S. 52 f. Anmerk.Bergt. Frankel-Graetz das. S. 7.
2) Folgt aus Nachmani's Angabe in dessen großem Sendschreiben an diefranzösischen Rabbinen und aus der Mittheilung von Jakob Prag bei Asula'isud voss Mann uni.
Weil, Obalilsu III 329.
"y Maimuni's Briefsammlung sä. ^.oasl. S. 18 f.
5) Folgt aus Charisi's Angabe ü'asbbsllioui Pforte 46.
H Weil a. a. O.
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