Die Karäer.
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Waren die Rabbaniten in Asien verkümmert und versteinert, sowaren es die Karäer in dieser Zeit noch mehr. Sie haben nach demAbleben der beiden mittelmäßigen Lehrer Tobia von Constyntinopelund Jehuda Hadassi (o. S. 159) nur eine einzige leidlich berühmtePersönlichkeit gestellt: Jephet II. b. Said, vielleicht aus Baßraund Nachkomme des ersten Jephet lblühte um 1160—1200 Z. Seineganze Bedeutung besteht darin, daß er dem lahmen Karäcrthum einenStelzfuß angesetzt hat, auf dem es sich bis heutigen Tages künstlichfortbewegt hat. Es war den Karäern seit ihrem vierhundertjährigenBestände nicht gelungen, ein Jndenthum auf rein biblische Norm zugründen, sondern sie nahmen, bei aller Peinlichkeit, der talmudischenUeberlieferung aus dem Wege zu gehen, Vieles davon auf, weil eseine Nothwendigkeit war. Die karäischen Denker quälte daher dieFrage: Woher stammen denn die traditionellen Elemente im Karäerthum,welche in der Bibel keine Begründung haben? Jephet b. Said gabauf diese Frage Antwort, d. h. er erfand einen künstlichen Nothbehelf.In einer Schrift: „Die Ueberlieferung der Lehre" (>m-^.tal:at Im-Noraü,verfaßt 1167) stellte er folgende Behauptung auf: Bis zur Zeit vonHillel und Schammai habe sich das Jndenthum rein erhalten; erst inihren Schulen sei eine Meinungsverschiedenheit über die Auslegungder Gesetze und deren Umfang entstanden. Die Hilleliten hätten einedurchweg erleichternde, die Schammaiten eine erschwerende Ansicht auf-gestellt. Während die Rabbaniten Hillel und seiner Schule folgten,hätten die Karäer sich an Schammai gehalten und wären also dieBewahrer des unentstellten Judenthnms geworden.-'Nun stellte Jepheteine Traditionskette auf von Schammai bis Anan, die auf lauterErdichtungen beruht. Aber er hatte damit die Lösung gefunden, daß
Z Vergl. über Jephet b. Said und über dessen Verschiedenheit von Jephetb. Saghir: Ooä Naiäoallut o. 9 und Pinsler, Inlrats LUrnouijot Text 222und Noten 185 s. Das Datum der Abfassungszeit seines Werkes und damitseine Blüthezeit laßt sich aus dem von Pinsler mitgetheilten Auszuge leichtermitteln. Es ist verfaßt 413 Jahre seit dem Schisma der Karäer; diesessetzt Jephet selbst ins Jahr 136 der Heg'ira — 754. Folglich war die Ab-fassungszeit 1167. Dieselbe Zahl kommt auch heraus, wenn man das anderevon ihm angegebene Datum nach der Tcmpelzerstörung emendirt. Denn dieZahl pmnd -sin ist entschieden falsch: man lese dafür: — 1698 seit
der Tempelzerstörung, diese vom Jahre 69 der üblichen Aera gerechnet, d. h.ebenfalls 1167. In diesem Jahre schrieb Jephet b. S. So löst sich die vonPinsler aufgeworfene Schwierigkeit. Daß Jephet nicht im Jahre 1145 seinWerk geschrieben hat, wie Pinsler behauptet, ergiebt sich schon daraus, daß erdas Buch -mr kannte, das erst 1146 — 41 verfaßt wurde (o. S. 122). Un-möglich kann das Buch in so wenigen Jahren von Spanien nach dem Orientgekommen und von Karäern benutzt worden sein.
Graetz, Geschichte der Juden. VI.
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