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Geschichte der Juden.
zuschlagen. Sie waren an diesem Grabe nicht bloß andächtig, sondernauch lustig gestimmt. Die Tage nach dem Versöhnungsfeste warenfestlicher Stimmung und festlichen Mahlen geweiht. Da auch dieMohammedaner das Grab verehrten, sogar die wilden Karmaten,welche in der Gegend hausten und bei dem Gotte Ches kels schworen,die Gegend also ein friedliches Asyl bildete, so entstand nach undnach dort ein Jahrmarkt lPera) mit Krambuden und eine Stadt(Kabur Kesil Z. Samnel b. Ali erzählte dem Reisenden Petachja,daß in früherer Zeit eine Feuersäule Ezechiel's Grabmal deckte undeinst plötzlich durch das unanständige Benehmen einiger Wallfahrererloschen sei. Die Spenden zur Unterhaltung dieses Mausoleumsfielen so reichlich aus, daß mau von dem Ueberschusse Talmudjüngerunterhalten und mannbare Waisen ausstatteu konnte.
Ein anderer Wallfahrtsort war das vorgebliche Mausoleum desSchriftkundigen Esra. Obwohl dieser große Restaurator des Juden-thums nur in Judäa wirksam war, so verlegt die Sage doch dessenGrab in die Nähe des Tigris bei Nahar-Samara (bei dem heutigenKorna), wo er auf einer Reise zum König Artaxerxes gestorben seinsoll. Auch dieses Grabmal bestand aus einer Kuppel, woran auf dereinen Seite eine Synagoge und auf der andern eine Moschee stieß.Tenn auch dieses Grab verehrten die Mohammedaner gleich den Juden,schenkten Spenden zu dessen Unterhaltungskosten und wallfahrtetendahin. Die Entstehungsgeschichte dieses Wallfahrtsortes ist voll vonWundern: Ein mohammedanischer Hirte schlief auf einem Hügel, undihm erschien Esra und sprach zu ihm die Worte: „Bedeute dem Sultan,daß er meine Gebeine durch Juden an den und den Platz versetzenmöge, sonst würden Viele aussterben." Auch soll das blinde Augedes Hirten wieder hell geworden sein, wie ihm im Traum angegebenwar. Da nun eine Seuche entstanden war, habe der Sultan (um1060) den Hügel aufgraben lassen, und man habe einen eisernen Sargmit Marmorstein, versehen mit der Inschrift „Esra", entdeckt und denSarg nach Nahar Samara gebracht; der Platz behielt seit der Zeitden Namen Al-Azer. Es entstand eine Stadt dabei, worin 1500 jüdischeFamilien wohnten. Auf diesem Grabe bemerkte man von Zeit zu Zeithellrothe Flammen aufsteigeu, die ein solches Licht verbreiteten, daß siedie Nacht in Tageshelle verwandelten. Die Ungläubigen und Karäererklärten aber diese Erscheinung auf natürliche Weise, durch asphalt-
Vergl. über dieses Grabmal Benjamin's und Petachja's Itinsrarinra,Niebuhc's Reisen Th. II. S. 264, Benjamin des Jüngern acht Jahre in Asien2. Aufl. S. 120 f. Die '210 bei Petachja sind wohl Karmaten.