Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
250
Einzelbild herunterladen
 

250

Geschichte der Juden.

zählten. Der Gelehrteste unter ihnen war R. Jakob b. NathanaelJbn-Alfajumi. Die jemensischen Inden galten als wohlthätig;ihre Hand ist jedem Wanderer entgegengestreckt, ihr Haus ist fürFremde weit geöffnet, bei ihnen findet jeder Müde Ruhe" ^). Zahl-reicher dagegen waren die Juden in Nordarabien, die wiederum, wievor Mohammed, unabhängige, kriegerische Stämme bildeten, Burgenbesaßen, theils Ackerbau und Viehzucht trieben und theils in Cara-vanen anszogen, um Waren zu transportiren oder nach BeduinenartWanderer zu überfallen und auszuplündern. Ihre Zahl soll sich auf300 000 belaufen haben, was gewiß übertrieben ist. Eine Hanpt-gruppe wohnte in Taima und hatte einen eigenen jüdischen FürstenNamens CH an an, der sich davidischer Abkunft rühmte. Sie hattenin ihrer Mitte Asketen, welche von den Karäern das düstere Wesenentlehnt hatten, keinen Wein und kein Fleisch zu genießen, überhauptdie ganze Woche, mit Ausnahme der Sabbate und Feiertage, zu fasten,in Höhlen oder schlechten Häusern zu wohnen, sich schwarz zu kleidenund sichTrauernde um Zion" zu nennen (B. V.^ S. 255). DieGrunde und Viehbesitzer verabreichten diesen Frommen und Talmud-beflissenen den Zehnten von ihrem jährlichen Ertrage. Eine zweiteGruppe der arabischen Juden wohnte in der Gegend von Talmasund hatte ebenfalls einen Fürsten Namens Salomo, Bruder desChanan von Taima. Dieser wohnte in der alten Hauptstadt Sanaa(Tana 2), wo er ein eignes, festes Schloß hatte. Auch unter ihnengab es Asketen, welche vierzig Tage im Jahre fasteten, um dieErlösung aus der Zerstreuung herbeizuführcn. Eine dritte Gruppebewohnte die Landschaft Chaibar, etwa 50 000, und diese warenam meisten kriegerisch, hatten aber auch Talmudkundige in ihrer Mitte.Die Sage war auch damals noch verbreitet, daß die chaibarensischenJuden Reste ehemaliger israelitischer Stämme Gad, Reuben undHalbmanasse seien. Auch die Halbarabischen Städte Wasit, Bassraund Kufa hatten zahlreiche jüdische Gemeinden, die erste mit 10 000,die zweite mit 2000 und die dritte mit 7000 Mitgliedern.

Sowie ein großer Theil von Asien vom Mittelmeere bis zumIndus und Arabien dem abbassidischen Chalifen von Bagdad huldigte,so standen auch die Juden dieser Länderstrecken unter dem Exilsfürstenvon Bagdad. Der zweite Exilarch, welcher wieder mit Glanz umgeben

^) Maimuni's Sendschreiben nach Jemen (IZZsrst Nsrusm) Ans.

2) Bei Benj. von Tudela (x. 71); 'nui ist wohl nichts Anderes

als die bekannte, südarabische Stadt Sanaa. Auffallend ist es, daß Ritterdas übersehen und sie mit Chaulan identificirt. (Erdkunde XII, 829 ff. u.a. a. St.)