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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

An diesem Punkte verläßt uns die Geschichte, und wir sind aufdie Sage angewiesen, welche den Faden folgendermaßen fortspinnt:Auf eine Einladung des persischen Sultans sei David Alrui vor ihmohne Begleitung erschienen, habe freimüthig gestanden, daß er Königder Juden sei, und wäre in Folge dessen in Taberistan eingekerkertworden. Während der Sultan sich aber berieth, welche Strafe erüber ihn und seinen Anhang verhängen sollte, sei Alrui Plötzlich inder Rathsversammlnng erschienen und habe auf das Erstaune» derAnwesenden geäußert: vermöge seiner Geheimkünste habe er sich ausdem Kerker befreit, und er fürchte weder den Sultan, noch seineDiener. Als der Sultan ihn wieder habe ergreifen lassen wollen,habe jener sich unsichtbar gemacht, habe auf diese Weise einen Flußüberschritten, ohne gefangen werden zu können und habe endlich dieStrecke von zehn Tagereisen bis Amadia in einem Tage zurückgelegt.Da die Juden den verloren Geglaubten plötzlich wieder erscheinengesehen, und er ihnen seine Abenteuer erzählt, seien die Machthaberin Schrecken vor ihm geraten, und der Sultan habe dem Chalifenbeordert, den Vertretern der Judenheit in Bagdad zu bedeuten, fallssie nicht David Alrui von seinem Vorhaben abbrächten, würde ersämmtliche Juden seines Reiches über die Klinge springen lassen.

Unter den Juden Bagdads hatte die Schwärmerei für Davidbesonders um sich gegriffen und gab zwei Betrügern Gelegenheit, dieunwissende Volksmenge um ihre Habe zu bringen. Sie zeigten angeb-lich Briefe von dem Helden von Amadia vor, Worin die Erlösungauf eine bezeichnet Nacht festgesetzt wurde. Die zwei Betrügerredeten nun den Schwärmern vor, sie würden in jener Nacht sämmt-lich einen Flug von Bagdad nach Jerusalem antreten, und sie solltenzu diesem Zwecke auf ihre Dächer steigen, grüne Gewänder anziehenund die Stunde erwarten. In der sichern Erwartung der Erlösungs-stunde übergaben die Bethörten ihre Habe den beiden Männern zurwürdigen Verkeilung unter die Armen. Die Nacht erschien, dieMenge war ans den Dächern in gespannter Erwartung versammelt,Frauen weinten, Kinder schrieen, Alle bewegten sich ungeberdig, umdas Fliegen zu versuchen, bis der Anbruch des Tages ihnen dieAugen über ihre Leichtgläubigkeit öffnete. Die Betrüger hatten sichmit dem ihnen anvertrauten Vermögen davon gemacht. Die Bagdadernannten diese Zeitdas Jahr des Fliegens (Aom el-Tajaran)" undberechneten fortan die Vorgänge der Zeit nach diesem Ereignisse.

Der Exilsfürst und der Vorsteher des Lehrhauses in Bagdaderachteten es als ihre Pflicht, theils wegen der überhand nehmendenSchwärmerei und theils wegen der angedrohten Strafe, sich an David