244
Geschichte der Juden.
die eine noch von Esra erbaute Synagoge zu besitzen glaubten, nahm erin dem Hause eines Juden Quartier. Sein Wirth klagte ihm überdie Verarmung der Stadt durch die häufigen Kriegszüge. Daraufverließ Zeuki die Stadt und ließ sein Heer vor den Thoren in Zeltenlagern Z. Seine Nachfolger, seine Söhne Saif-Eddin Ghasi(1146 —1149) und Kotbeddin (1149 — 70) hegten dieselbe freundlicheGesinnung gegen die Juden. An der Spitze der Moßuler Gemeindestand ein Mann, der sich ebenfalls als Nachkömmling des davidischenHauses ausgab, Namens Sakkal, der in Folge dessen den Titel„Fürst" führte. Er theilte aber seine Befugnisse mit einem andern,Namens Joseph, welcher als ein ausgezeichneter Astronom galt, denEhrentitel: „tiefer Kenner des Himmelskreises"^) führte undim Dienste des Fürsten von Moßul stand.
Die jüdischen Bewohner von Neu-Ninive (Aschur) galten alsdie unwissendsten unter den Indens, und selbst im Talmud warensie nicht heimisch. — Nördlich von Moßul im karduchischen Gebirgeoder dem Gebirge Haftan gab es viele und reich bevölkerte Gemeinden,die zum Theil im Drucke unter den Sultanen und Persien, zum Theilaber frei lebten und wild waren, wie das Waldgebirge, auf dem siehausten. Diese freien Juden im Lande Adher-Baigan (Aserbeidsan)führten die Waffen, standen mit den dort hausenden, fanatischenAssassinen in freundschaftlichem Verkehr, waren Jedermanns Feind,der nicht zu ihren Glaubens- und Bundesgenossen gehörte, stiegenöfter in die Niederung hinab, um Beute zu machen, waren selbst fürAngriffe unzugänglich und lebten in naturwüchsiger Ursprünglichkeit,ohne Kenntniß ihrer Religionsguellen. Die Rabbinen, welche ihnender Exilarch zusandte, nahmen sie an und richteten sich nach derenAussprüchen. Da trat mit einem Male unter ihnen ein ehrgeizigerund gewandter Mann auf (um 1160), welcher die Kriegstüchtigkeit,den Muth und die Unwissenheit dieser Juden ausbeuten wollte, zueinem Zwecke, der nicht mehr bekannt ist. Dieser Mann, NamensDavid Alrui (Alroy) oder Jbn-Alruchi (ArruchiZ hat zu seiner
9 Jbn-Mathir a. a. O. S. 147.
2) Uarillan. sl-Ualaoll, zweimal bei Benj. von Tudela.
9 Charisi Naobllsrnoni Pf. 46.
9 Vergl. Note 10. Der Führer der Tory-Partei in England, Benjamind'Jsraeli, nahm ihn zum Helden eines Romans „Alroy", in's Deutsche über-setzt von Clara Mai. Darin läßt der Verfasser die Schwester Alrui'sdiesem die Worte zusprechen: „Vielleicht wird eines Tages ein Dichter, in dessenAdern das Blut unseres Volkes fließt und den unser Schicksal begeistert, seineHarfe rühren und Deinen nur zu lange vergessenen Namen feiern". D'Jsraeli'sRoman ist zwar von geschichtlicher Treue weit entfernt, giebt aber die Stim-mung der Zeit sehr treu wieder.