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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

von seinen Lebensumständen ist aber gar nichts bekannt. Ans derBurg seiner Heimath, auf dem Vorsprung eines rebenbepflanztenBerges, der sich in den Schlangenwindungen der Saale spiegelt, wodie Herren von Trimberg hausten, oder auf der nahen Burg Boden-laube hat er wohl im Kreise edler Ritter und schöner Frauen beimschäumenden Becher, die Laute in der Hand, seine kunstgerechten Versevorgetragen und von Geschenken sein Leben gefristet.

Süßkind sang von des reinen Weibes hohem Werth:

Ihres Mannes Krön' ist das viel reine Weib,

Je mehr ihn wohl ehret ihr wohl werther Leib,

Er, ein seliger Mann, dem die Gute sie bescheeret*)".

Er vergegenwärtigte den Rittern, was wahren Edelmannes Wesensein soll:Wer adlig thut, den will ich halten für edel".

Er spricht von der Freiheit und Unbezwinglichkeit des Gedankens:Gedanken Niemand kann erwehren den Thoren, noch den Weisen

Gedanken schlüpfen durch den Stein, den Stahl und durch Eisen'"*)

zulegen im Stande war. Chronologisch läßt sich Süßkind's Blüthezeit nurdadurch bestimmen, daß er vor dem kanonischen Erlaß Jnnocenz III. (daß dieJuden eine absondernde Tracht tragen sollten) gelebt haben muh, da Friedrich II.es als unübertretbar schon un Jahre 1221 einichärste. Denn der jüdischeMinnesänger erscheint noch in der landesüblichen Tracht ohne ein Abzeichen, undnur im Unmuthe sagte er, er wolle seine kleidsame Sängertracht ablegen, sicheinen langen Bart wachsen lassen, in der Juden Art einhergehen mit langemMantel tief unter einem Hute. Von dem gelben Rade oder Flecken spricht erkeineswegs. Wenn die Manessische Liedersammlung der Minnesänger ihn inreicher Tracht mit langem Bart und dem Abzeichen des trichterförmigen, spitzen,gelben Hutes conterfeit (das. IV. 517), so hatten die später lebenden Sammler(um 12801325) sich einen Juden ihrer Zeit zum Muster genommen, und esfolgt noch nicht daraus, daß dieses Süßkind's Tracht wirklich war. Wenn ereinerseits vor 1215 gelebt hat, so darf man ihn andererseits nicht vor 1200setzen, da seine kunstgerechten Reime, Metra und Strophen die klassische Zeitdes Minnesanges voraussetzen. Koch muthmaht aus dem GedichtedieTugend-Latwerge" (I, 2), daß Süßkind die Arzneikunst betrieben habe (das.IV 538 Note 1). Von der Hagen bemerkt, daß weder Sprache noch Ausdruckin Süßkind's Versen den Juden verrathen (S. 538 i>.) Indessen erinnern docheinige Verse daran, daß sie von einem Juden stammen. In III, 1:Du liutestmit dem Tage und musterst mit der nacht," liegt wohl eine Reminiscenz andas jüdische Gebet und an v'ip 2 . In III, 2 zum Preis der Frau istdas letzte Kapitel der Sprüche von der biedern Frau stark benutzt; die Verse:ir liecht vurleschet nicht in nacht, ihr hohe; Lop mit der meisten menge vert"sind ganz wörtlich daraus entlehnt.

*) Jrs mnnnes krön' ist daz vil reine wip,

ie mer in wol eret ir wohlwerder lip:er sälik man, dem diu guete sie beschert.

2) Gedanke nie man kann erwern den torn, noch den wisen.

Gedanke slüsfen dur den stein, dur stahel unt durch isen.