Die Juden in Deutschland.
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und außerordentlich sprachgewandt war. Im Alter von dreizehnJahren während der Verfolgung des zweiten Kreuzzuges mit seinenVerwandten in der Wolkenburg (o. S. 100) eingeschlossen, sah er dieLeiden seiner Glaubensgenossen mit eignen Augen und beschriebsie später nach dem Vorgänge des Elieser b. Nathan (o. S. 146) ineinem Martyrologinm anschaulich, warm und durchaus unparteiisch.Während der Blutscene in Neuß so. S. 229) hätte auch ihn dasTodesloos getroffen, wenn er nicht drei Tage vorher eine Reise nachKöln angetreten hätte; aber er litt bedeutende Einbuße an seinemVermögen. Im Alter setzte er sein Martyrologinm bis zum Jahre1196 — 97 fort. Ephraim war auch Versknnstler und dichtetemehrere liturgische Stücke und namentlich Klagelieder ans die Leidenseiner Zeit. Poetische Schönheit besitzen seine Dichtungen keineswegs,aber sie sind meistens sehr witzig gehalten durch überraschende An-spielung auf Bibelverse und Talmudstellen. Besonders künstlich istsein chaldäisches Bußgebet (Da Loliswü), welches trockene Sätze ausdem Talmud für Gemüthsverhältnisse in kühnen Wendungen gebraucht.Er hatte eine solche Vorliebe für die Poetan-Literatur, daß er dieältern Bestandtheile durch einen Commentar erläuterte*).
Es klingt kaum glaublich, daß das gegen Inden nicht sehr liebe-volle Deutschland in dieser Zeit einen jüdischen Dichter in der Landes-sprache, einen jüdischen Minnesänger erzeugt hat, der in schönen Weisenzu singen, Reim, Versmaß und Strophenbau zu behandeln verstandund soviel Anerkennung fand, daß er in den Dichterkreis ebenbürtigausgenommen wurde. Süßkind (Snezkint) von Trimberg (einemStädtchen an der fränkischen Saale) hatte sich die Sangweise Walther'svon der Vogelweide und Wolfram's von Eschenbach angeeignet. Indem nahen Würzburg, wo die Burggrafen von Henneberg die deutscheDichtkunst liebten und förderten, mag Süßkind seine poetische Bildungempfangen haben (um 1200) °). Er war vielleicht Arzt von Beruf,
H Landshut Zurücks ^.boäa, das. 476.
-) Von der Hagen, der gelehrte Herausgeber und Illustrator der deutschenMinnesänger (Leipzig 1838; Süßkind's sechs Gedichte, B. II. S. 258 ff. undB. IV. S. 536 ff. der gelehrte Apparat dazu), setzt den jüdischen Minnesängerum 1218 — 25. Der Beweis dafür ist aber sehr schwach. Er beruht auf zweiUrkunden; in der einen wird einem Juden Süßkind in Würzburg ein Grund-stück verkauft und in der anderen wird ein Streit darüber erwähnt. Alleinwo liegt da die Identität von Süßkind von Trimberg mit dem von Würzburg?Der Name Süßkind war unter Juden nicht so selten, daß daraus ohne weiteresdie Identität der Person folgen sollte. Ohnehin schildert sich der Minnesängerals arm <V, l, 2), während der Süßkind in den Urkunden als ein Wohl-habender erscheint, der ein Grundstück zu kaufen und eine Wasserleitung an-