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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Verfolgung der Juden in der Rheiugegeud und in Wien. 231

und Wälder. Darauf wurden die Rädelsführer und Mörder ergriffen,mußten Sühnegeld an die Juden zahlen und die Synagoge, sowiedie beschädigten Häuser auf ihre Kosten wieder Herstellen. SiebenTage nach den Vorfällen in Speier überfielen einige Christen dieGemeinde von Boppard und tödteten acht Mitglieder derselben.Herzog Otto nahm sich wieder der Juden an und ließ zwei der Mörderblenden. Und als Kaiser Heinrich VI. in Boppard war (AnfangJuli 1196), nöthigte er die Bürger, an Chiskija 300 Mark Schaden-ersatz zu zahlen i).

Zur selben Zeit (Juli 1196) fielen ähnliche Mordscencn inWien vor 2). Der Papst und die Cardinäle hatten wieder nach demschimpflichen Frieden Richard Löwenherz's mit Saladin einen neuenKrenzzug gepredigt, und in allen Theilen Deutschlands nahmen Edleund Bürger das Kreuz, darunter auch Friedrich, Herzog von Oester-reich und seine Unterthanen. Ein christlicher Diener des herzoglichenjüdischen Finanzverwalters Salomo (o. S. 228) hatte sich ebenfallsbekreuzt und glaubte damit das Recht erhalten zu haben, seinenjüdischen Herrn bestehlen zu dürfen. Dieser ließ ihn dafür in denKerker werfen. Sowie die in Wien anwesenden Krcuzzügler Kundevon der Einkerkerung eines ihrer Mitstreiter durch einen Judenerhielten, vergaßen sie den Dieb in ihm, stürzten auf Salomo's Hans,ermordeten ihn und fünfzehn Juden mit ihm und befreiten denGefangenen. Der Herzog war aber gerecht genug, zwei Rädelsführerder Mörderrotte hinrichten zu lassen. Mehrere Monate später(November 1196^) begingen wilde Kreuzzügler noch weniger gerecht-fertigte Excesse in Worms. Sie drangen in das Hans eines friedlichenTalmudisten, Eleasar b. Jehuda^), tödteten unter grausamer Miß-handlung seine Frau Dolce, die ihren Gatten und ihre Familieernährte, seine zwei Töchter, seinen Sohn und seine mit dem Studiumbeschäftigten Jünger, plünderten seine Habseligkeiten und ließen demunglücklichen Gatten und Vater nur das nackte Leben. Nur einer derMörder wurde später hingerichtet.

Unter solchen drückenden Verhältnissen, da sie keinen Augenblickihres Lebens sicher waren, konnten es die deutschen Juden zu keinergedeihlichen Cultur bringen. Sie waren tief religiös, wohlthätig,

U Ephraim x. 14. ^ Derselbe S. 12, 13.

o) Die Nachricht stammt aus einer Handschrift; vergl. Landshut ^.ranctsHioäa I. 25. Das Datum ist wohl richtig rchrnn Nov. 1196. Dennerst gegen Ende 1195 beschloß Heinrich der VI. den neuen Kreuzzug, 1193 da-gegen gab es keine Kreuzzügler in Deutschland.

Z Verfasser des Roksaolr und anderer Schriften.