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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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230 Geschichte der Juden.

Schwester und Oheime des Wahnsinnigen und stellten ihnen die An-nahme der Taufe als Bedingung für die Schonung ihres Lebens.Indessen ließ sich nur die Schwester, ein junges Mädchen, die Zwangs-tanfe gefallen, die Mutter dagegen ertrug alle gräulichen Folterqualenum des Glaubens willen und wurde sogar lebendig begraben; ihreBrüder wurden gerädert und zur Schau ausgestellt. Alles dieses ge-schah mit Wissen des Landesfürsten, des Erzbischofs Adolf vonAltenau. Ja er legte noch den übrig gebliebenen Juden von NeußStrafgelder von 150 Mark Silber auf, und sämmtlichen Juden seinesSprengels wurden bei dieser Gelegenheit bedeutende Summen ab-gepreßt. Dann ließ sich noch der Erzbischof Gelder zahlen für dieGnade, die ausgestellten Märtyrer bestatten zu dürfen. Die Erlaubnißzur Bestattung der unschuldigen Märtyrer wurde erst fünf Wochenspäter ertheilt.

Zwei Jahre später kam Aehnliches in Speier vor (Februar 1196 Z.Ein Christ wurde in der Nähe dieser Stadt todt gefunden, und derVerdacht des Mordes fiel wie immer auf die Juden. Der Pöbellief zusammen und nahm seine Rache zuerst an einer jüdischen Leiche,der vor Kurzem bestatteten Tochter des Rabbiners Isaak b. AscherHalcvi II. ^), Enkels des Tossafisten gleichen Namens (o. S. 144).Sie wurde in ihrer Grabesruhe gestört, nackt auf dem Markte auf-gehängt und auf rohe Weise beschimpft. Durch Geldopfer gelang esdem unglücklichen Vater, sie wieder in ihre Ruhestätte zu bringen.Aber Tags darauf drangen die Wütheriche in das Haus des Rabbiners,erschlugen ihn und noch acht Juden und legten Feuer au die Gemeinde-häuser. Der Bischof von Speier war mit den Mördern im Ein-verständnis Die Gemeindeglieder retteten sich auf den Söller derSynagoge und verteidigten sich so lange, bis ihnen Hilfe von außenkam. Ein angesehener, reicher Jude von Boppard, Chiskija b. Rauben,mit einem Genossen waren nämlich äußerst thätig, den bedrängtenGlaubensbrüdern Rettung zu verschaffen. In der Nacht verließendiese den Söller und wanderteu aus; die Christen nahmen daraufRache an der Synagoge, verbrannten sie, warfen die Thorarollen inden Fluß und plünderten die jüdischen Häuser. Als Otto, Bruderdes Kaisers Heinrich Vl., Pfalzgraf von Burgund, Nachricht von denin Speier begangenen Unthaten erhielt, rückte er vor die Stadt undzerstörte die dem Bischof und den Bürgern gehörenden Dörfer, Felder

1) Oyhraim von Bonn, q>. 14.

2) Vergl. darüber Nareloob.s.1 zu Llosä Llatan dlo. 5V4. Woher Zunzdie Nachricht hat, daß Isaak b. Ascher II. den Märtyrertod in Würzburg er-litten habe, weih ich nicht.