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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

eigene Gerichtsbarkeit und brauchten nicht vor einem fremden Richterzu erscheinen *). Hin und wieder nahmen einige von ihnen eine höhereStellung ein. Der tapfere Herzog Leopold von Oesterreich, der wegender Gefangennehmung des Königs Richard von England geschichtlichberühmt wurde, hatte einen jüdischen Finanzverwalter Salomo, dertrotz des kanonischen Beschlusses des Lateranconcils christliche Diener-schaft halten durfte 2). In Schlesien besaßen Juden noch einigeDörfer in der Nähe von Breslau mit den dazu gehörigen LeibeigenenAber je mehr das Verbot, christliche Dienstboten zn halten, durch-drang, desto mehr mußten die Juden ihren Landbesitz nach nndnach veräußern, sich in die Städte znrückziehen und dort sich aufHandel nnd Geldgeschäfte verlegen. Trotz des kaiserlichen Schutzeswaren sie oft Mißhandlungen ansgesetzt. Die teuflische Erfindung,daß die Juden Christenblut brauchten, fand auch in Deutschland undhier noch mehr als anderswo Glauben, nnd wo immer ein christlicherLeichnam gefunden wurde, legten Volk und Fürsten den Mord ihnenzur Last. Ein Schiff, das Juden führte, war von Köln nach Boppardgefahren, nnd hinter ihm her segelte ein anderes mit christlichenPassagieren. Diese fanden bei Boppard eine todte christliche Frau,und alsbald hatten sie die Gewißheit, daß die Juden des erstenSchiffes sie erschlagen hätten, packten darauf viele von ihnen nndstellten an sie die Forderung, sich taufen zu lassen, nnd auf ihreWeigerung stießen sie dieselben in die Fluthen des Rheins. Einenunter ihnen, Juda b. Menahem, schleiften sie von Stadt zu Stadt(Herbst 1l79). Aber nicht bloß die Inden auf dem Schiffe, sondernsämmtliche in der Umgegend sollten dafür büßen, und sie waren ge-nöthigt, ihr Leben durch reiches Lösegeld loszukaufen. Der KaiserFriedrich Rothbart ließ sich deswegen fünfhundert Mark Silber, derErzbischof Philipp, Graf von Heimsberg, zweiundvierzigtausend vonden Gemeinden seines Sprengels zahlen. Die reiche Gemeinde vonBonn allein mußte vierhundert Mark beitragen ^). Der BischofPhilipp war überhaupt gegen die Juden nicht am Besten gesinnt nndverfuhr ohne Erbarmen gegen sie. Als daher der Kaiser Friedrich denKreuzzng antreten wollte, ließ er ihn zum Reichstag nach Mainz ent-bieten, und der Bischof mußte einen Reinigungseid ablegen, daß erJuden und Kaufleute nicht hart behandelt habe (1188^). In den

') Stobbe das. S. 80, 94, x. 140 fg.

-) Ephraim von Bonn, Martprologium, S. 12.

2) L. Oelsner, Geschichte der Juden im Mittelalter (18öö), S. 6.

4) Ephraim von Bonn a. a. O. S. 9.

°) v. Raumer, Hohenstaufen II. 412.