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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Die Juden in Deutschland.

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Interessant ist die Sage, welche das Verhältniß der deutschenKaiser z» den Juden im Zusammenhang der Geschichte ansprägt.Bei der Zerstörung Jerusalems durch Titus sei ein Theil der Indendurch Hnngersnoth, ein Theil durchs Schwert umgekommen und derdritte Theil sei als Sklaven verkauft worden, je dreißig um einenschlechten Pfennig. Diese im römischen Reich Zerstreuten seien Eigen-thum des römischen Kaisers geworden und sollten Kammerknechtesein. Derselbe habe aber auch zugleich die Pflicht übernommen, sie zuschirmen, als Lohn dafür, daß Josephus, der Parteigänger der Römer,den Prinzen Titus von der Gicht geheilt habe. Rechte und Pflichtender römischen Kaiser gegen die Juden seien durch Karl den Großenauf die deutschen Kaiser übergegangen, und darum seien auch sie dieSchirmherren derselben, und diese ihre Kammerknechte Z. Kammer-knechte der Sache nach waren die Juden auch anderswo in Frankreichund England geworden, d. h. halb und halb Hörige des Königs oderder Barone, und ihre Säckel mußten die leer gewordene Kasse ihrerHerren stets von neuem unter einem oder dem anderen Titel füllen. InDeutschland hatten sie aber dafür den wenn auch nur idealen Schutzdes deutsch-römischen Kaisers. Es war auch nicht zu verlangen, daßdie Nachfolger Vcspasian's aus dem Hause Teut's dieses Schirmamtüber die Juden ganz uneigennützig ausüben sollten. Im Gegentheil,sie brauchten mehr Einnahmen als andere Fürsten, da sie kein Erb-land besaßen und von ihren Vasallen sehr knapp gehalten wurden.Es schien also nur gerecht, daß die Juden für den kaiserlichen Schutzdem Kaiser gewissermaßen Taschengeld zu liefern hatten

So sehr aber auch die Juden Deutschlands Kammerknechte waren,so waren sie doch im zwölften Jahrhundert nicht aller persönlichenRechte beraubt. Sie durften noch die Waffen führen, sogar den Zwei-kampf annehmen. Als Worms belagert wurde, kämpften die Indengleich den Christen, und die Rabbinen erlaubten sogar am Sabbatdie Waffen zur Vertheidigung zu gebrauchen^). Sie hatten meistens

deutschen Kaiser den Juden Schutz verliehen, so muß in Deutschland die Kammer-knechtschast wohl ebenfalls im selben Jahrhundert begonnen haben: dazu kommtnoch die Sage im Sachsenspiegel, welche die Kammerknechtschast als schon zuRecht bestehend voraussctzt.

*) Diese Sage kommt schon im Sachsenspiegel vor (gesammelt um 1215.Howayer, S. 125), ausführlicher behandelt im Schwabenspiegel, Nr. 214;.Wackernagel, S. 206 f.

2) Vergl. darüber Stobbe, das. S. 18, 31. fg. Es bleibt noch ungewiß,welche Steuer die Juden an die Kaiser zu leisten hatten, und wann dieKrönungssteuor eingeführt wurde.

^ Sachsenspiegel a. a. O. und Eleasar von Worms, Nokss-sli Nr. 186.

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