222
Geschichte der Juden.
zusammengerufeu worden. Kreuzzügler befanden sich ebenfalls in derStadt. Non diesen geschlagen, hätten die Juden sich in ihre Häusergeflüchtet und wären daselbst mit Feuer und Schwert anfgeriebenworden, so daß nur Wenige entkamen. Aber unmöglich können dieJuden die ersten Angreifer gewesen sein; denn die Bürger wurdenvon den königlichen Beamten wegen der Vorfälle zur Verantwortlich-keit gezogen und schoben die Schuld auf die Kreuzzügler, welche sichindessen, mit der Beute der Inden beladen, auf und davon gemachthatten. Ein jüdischer Arzt, der wegen seiner Geschicklichkeit und Be-scheidenheit auch bei Christen beliebt war, wurde von den Barbarenermordet, weil er die Seinigen allzusehr betrauert und die Gerechtig-keit des Himmels gegen die Mörder angernfen hatte ^).
Darauf wurden die Juden von Norwich in ihren Häusernüberfallen und ermordet (6. Febr. 1190^). Eine» Monat später(7. März) wurden die Inden von Stanford mißhandelt, weil geradeam Markttage viele Kreuzzügler und Fremde in der Stadt waren,welche sicher waren, in der Ueberzahl zu sein, falls die Juden vereintmit den Bürgern ihnen Widerstand leisten sollten. Sie glaubten eingottgefälliges Werk zu thun, wenn sie diejenigen als Feinde behandelten,nach deren Besitztümern sie lüstern waren, und gedachten ihre Reise-kosten zum Krenzzuge von den Inden zu erpressen. Ohne die geringsteVeranlassung fielen sie die Juden an, ermordeten Einige, zwangenAndere, sich in das königliche Castell zu flüchten, erbrachen derenHäuser und trugen alles Werthvolle daraus fort. Um nicht den könig-lichen Richtern in die Hände zu fallen, machten sich die räuberischenKreuzzügler mit der Beute ans dem Staube. Einer dieser Raub-mörder, welcher seinen Raub bei einem Bekannten untergebracht hatteund von diesem aus Habsucht ermordet wurde, wäre um ein Haarein Heiliger geworden ^). — Die Gemeinde von Lincoln war nahedaran, das Geschick ihrer Schwestern von Lynn, Norwich und Stan-ford zu theilen, als sie, sowie sie Wind von der ihr drohenden Ge-fahr erhielt, sich mit ihrer Habe unter den Schutz der königlichen Burgbegab ^).
Am meisten tragisch war das Loos der Juden von Jork, weilunter ihnen zwei Männer waren, welche fürstliche Reichthümer be-saßen, sich Prachtpaläste erbaut und darum den Neid der Christenauf sich gezogen hatten. Es waren Joceus und Benedictus, welche
9 Das.
2 ) Radulph de Diceto, imnAinss bistoriarnia, bei Dvv^scksa a. a. O. 651.
°) Wilhelm von Neubury das. IV, 8.
Ders. IV, 9.