Gemetzel der Juden in England.
223
bei der Krönung Richard's so arg mißhandelt worden waren (o. S. 220).Der Letztere, nach der Zwangstaufe wieder zum Jndenthum zurück-gekehrt, war den Wunden erlegen, welche ihm in London beigebrachtworden waren. Kreuzzügler, welche sich bereichern wollten, Bürger,welche mißgünstig ans die Wohlhabenheit der Juden blickten, Edel-lente, welche deren Schuldner waren, Geistliche, welche von blutdürstigemFanatismus verzehrt waren, alle diese Klassen verschworen sich zumVerderben der Juden von Jork. Bei einer zufälligen, oder geflissent-lich angelegten Feuersbrunst in dunkler Nacht erstürmten Verschworenedas Haus des Benedictus, das nur von seiner Frau und seinenTöchtern bewohnt war, trugen die Kostbarkeiten fort und zündeten esan. In der Voraussicht der ihnen drohenden Gefahr begab sichJoceus mit den Seinigen und die meisten Gemeindeglieder zum Burg-wart und begehrten Schutz in der Festung, der ihnen auch zu Theilwurde; nur wenige Juden waren in der Stadt zurückgeblieben. Diesewurden auch Tags darauf von den nach gelungenem Versuch offenauftretenden Verschworenen angefallen, und es blieb ihnen nur dieWahl, sich taufen zu lassen oder zu sterben. Die Juden in der Burg aberwurden von einer großen Volksmenge aller Stände förmlich belagertund zur Annahme des Christcnthums aufgefordert. Eines Tages be-fand sich der Burgwart außerhalb der Festung, und da die Judenfürchteten, er werde sie verrathen und ihren Feinden überliefern,beschlossen sie, ihm den Eintritt in die Burg zu verweigern. Dieserbeklagte sich über die Anmaßung der Juden, ihn ans der ihm anver-trauten Festung auszuschließcn, bei einem damals anwesenden, hohenköniglichen Beamten, dem Gouverneur der Provinz, der, ebenfalls inhohem Grade erzürnt, nun die belagernde Volksmenge selbst aufforderte,die Burg zum Falle zu bringen und Rache an den Juden zu nehmen.Er ließ sogar neue Scharen aus der Provinz zuziehen, um destosicherer Herr der Burg zu werden. Sechs Tage dauerte die Belagerung,die Juden wehrten die Angriffe tapfer ab. Schon bereute derGouverneur den ertheilten Befehl zum Stürmen; viele Edelleute undernste, vorsichtige Bürger zogen sich von einem Unternehmen zurück, welches,wenn der König cs erführe, üble Folgen für sie haben könnte. Dafeuerte ein Mönch in weißem Gewände die Stürmenden zur Fortsetzungdes Werkes mit Wort und That an. Er hielt eigens einen feierlichenGottesdienst, las die Messe, nahm die Hostie, um sich der Hähern Hilfezur Besiegung des schwachen, jüdischen Häufleins in der Burg zu ver-gewissern. Er wurde nichtsdestoweniger von einem Steine, von jüdischerHand geschlendert, zu Boden gestreckt und hauchte seinen fanatischenGeist aus.