220 Geschichte der Juden.
Palaste heimgekehrt war, kam unter anderen Huldigenden auch einejüdische Deputation der reichsten und angesehensten Männer sämmt-licher Gemeinden Englands in den Saal, um ihre Geschenke zu über-reichen. Bei ihrem Anblicke bemerkte Balduin, Erzbischof vonCanterbury, ein fanatischer Kirchenfürst, mit finsterer Miene, daß vonden Juden keine Geschenke angenommen werden dürfen und sie selbstans dem Saale entfernt werden mögen, weil sie durch ihren Glaubensolche Gunst, unter anderen Völkerschaften zu figuriren, verwirkthätten. Richard, der keine Ahnung hatte, welche bösen Folgen dasAusschließen der Juden nach sich ziehen würde, ging arglos auf dieWeisung des Erzbischofs ein. Die Palastdiener, welche die Judenaus dem Palaste wiesen, glaubten sich aber dadurch berechtigt, sie zumißhandeln. Das gaffende Volk griff ebenfalls zu und verfolgte diejüdischen Deputirten mit Fanstschlägen, mit Steinen und Knitteln.Bald verbreitete sich in allen Theilen Londons das falsche Gerücht,der König wünsche die Demüthigung und Ermordung der Juden,
und alsbald rottete sich der Pöbel und das kreuzzüglerische Gesindel
zusammen, um sich an den Besitztümern der Juden zu bereichern.
Da diese sich aber in ihre festen Häuser eingeschlossen hatten, so
machten die Raubbanden einen Angriff auf sie und legten Feuer an.Die Nacht war indeß eingebrochen und bedeckte mit ihrem Schattendas gräßliche Gemetzel an den Juden. Vergebens sandte der neu-gekrönte König einen seiner Hofleute, Ranulph de Granville,sich nach dem Aufruhr zu erkundigen und ihm zu steuern. Er konntezuerst nicht zu Worte kommen und wurde noch dazu von denWüthenden verhöhnt. So kamen viele Juden um, andere tödtetensich selbst, weil ihnen zngemuthet wurde, die Taufe zu nehmen, darunterauch R. Jakob aus Orleans. Die meisten jüdischen Häuser wurdenverbrannt und die Synagogen zerstört. Der Brand, der deswegen an-gelegt war, um die Schuldforderungen der Inden an Christen zu ver-nichten, griff um sich und verheerte einen Theil der Stadt. ZumChristenthum ging nur ein einziger Jude über, der reiche Benediktaus Jork, welcher mit seinem Mitdeputirten Joceus, aus dem Palastverjagt, in eine Kirche geschleppt wurde und zum Scheine sich dieTaufe gefallen ließ. — Als Richard aber des anderen Tages denwahren Sachverhalt erfuhr, ließ er die am meisten Schuldigen hin-
raa^iaas artss ausgeschlossen worden seien, und ad sclllssia. sos (ckuäasos)sjicisntas ssä. Doncton 154). Diesem ungenannten Annalisten sind diemeisten Historiker gefolgt und haben das Factum unkritisch dargestellt. Dererste Urheber des Gemetzels an den Juden war Balduin, Erzbischof vonCanterbury.