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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

und milde Schritt des sonst conseguenten und strengen Königs machtezu seiner Zeit viel Aufsehen. Es scheint, daß Philipp August damitder Geistlichkeit und dem Papste geflissentlich Aergerniß geben wollte,weil sie ihm den geistlichen Krieg erklärt hatten. Er hatte sich nämlichvon seiner Frau, der dänischen Prinzessin Jngeburg, wegen angeblicherBlutsverwandtschaft geschieden und eine andere heimgeführt. PapstJnnocenz, der sich als Vormund der Fürsten und Könige betrachtete,ohne dessen Zustimmung kein Akt geschehen durfte, verlangte von ihm,seine zweite Frau ans seinem Palaste und seinem Lande zu verbannenund Jngeburg wieder aufznnehmen, widrigenfalls er dem schwerenBanne und sein Land dem Jnterdicte verfallen würde. Philipp Augustspottete Anfangs der geistlichen Drohung und in seinem Zorn gegendie anmaßende Kirche mag er Milde gegen die Juden geübt haben.

Durch sein Beispiel angeregt, verfuhren auch einige Barone mildergegen ihre Inden und verhängten nicht mehr Verbannung über sie.Auf den ersten Blick sieht es sogar aus, als wenn der französischeKönig und die Barone von einer Art Zärtlichkeit für die Judenerfüllt gewesen wären, als wären diese ihrem Herzen so theuer gewesen,daß sie sie gar nicht missen mochten. Sie zeigen sich eifersüchtigans einander, wenn Juden aus einem Gebiet in ein anderes über-siedelten, sie reklamiren sie, schließen Verträge unter einander, daßjene bei etwaiger Uebersiedelung dem ursprünglichen Herrn ausgeliefertwerden müßten und ließen sie sogar einen Eid ablegen, nicht aus-zuwandern *). Aber hinter dieser scheinbaren Zärtlichkeit steckte dieallerschmutzigste Geldgier. Die Juden des nördlichen Frankreichwurden vom Könige und den Baronen als Geldschwämme betrachtet,die sie auspreßten, und sie sahen es gern, wenn jene sich wieder mitdem Schweiß ihrer christlichen Untcrthanen füllten. Schon imJahre 1198 schloß Philipp August mit dem Grafen Thibaut von derChampagne einen gegenseitigen Vertrag, daß sie die aus dem Gebietedes Einen in das des Andern übergesiedelten Juden nicht znrückhalten,sondern ausliefern wollten^). Philipp August war aber, wie diemeisten Könige von Frankreich, kein Mann von Wort und lieferte dieJuden, welche aus der von vielen Juden bevölkerten Champagnewegen allznharter Bedrückung nach Francien ausgewandert waren,nicht aus. Dadurch entstand eine Spannung zwischen dem Königeund der verwittweten Gräfin Blanche. Dieser Streit wiederholte sich,

fl Sefer Chasidim Nr. 421. Mose von Coucy, Semag-Gebote Nr. 73.

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