Philipp Augnst's Erpressungen.
209
Jahr 1180 abgelanfen war, erklärte der König die Schuldforderungender Inden an Christen für null und nichtig, ließ sich aber von denchristlichen Schuldnern den fünften Theil der Schulden für den Fiskuszahlen. Ein Einsiedler von Bincennes ermuthigte ihn dazu*), indemer ihm auseinandersetzte, daß es ein gottgefälliges Werk sei, die Indenihrer Reichthümer zu berauben. Philipp August begnügte sich nochnicht damit, daß er die reichen Juden zu Bettlern gemacht hatte,sondern erließ kurz darauf ein Edict, daß sämmtliche Juden seinesGebiets zwischen April und dem Johannistage (1181) dasselbe zuverlassen haben. Es war ihnen nur gestattet, ihre beweglichenGüter zu veräußern; dagegen sollten ihre unbewegliche Habe, ihreAecker, Weinberge, Scheuern, Weinpressen dem König verfallen, waseine schöne Einnahme abgegeben haben muß. Die verlassenenSynagogen wurden in Kirchen nmgewandelt^).
Wie unwahr es ist, daß die Inden in Frankreich wegen ihresWuchers, ihrer Kinderschlächterei und anderer Verbrechen bei derBevölkerung verhaßt waren, beweist nichts stärker, als der Umstand,daß Grafen, Barone und sogar Bischöfe sich viele Mühe gaben, denSinn des Königs zu ändern und das Edict zur Vertreibung derJuden anfheben zu lassen. Aber vergebens, der junge Philipp August,der viel von Ludwig XIV. an sich hatte, war trotz seiner Jugend soeigensinnig, daß (wie sein Biograph sagt) eher ein Fels zum Wankengebracht werden konnte, als sein Sinn. So blieb denn den Judenvon Paris und der Umgegend, die seit vielen Jahrhunderten dort ihreHeimath hatten, nichts anderes übrig, als zum Wanderstabe zu greifen.Den Znmuthnngen, sich taufen zn lassen und dafür ihre Güter undihre Heimath zu behalten, setzten sie ihr Einheitsbekenntniß entgegen-Nur Wenige gingen zum Christenthnm über^).
Glücklicherweise für die Inden war, wie schon angegeben, daseigentliche Gebiet des Königs (Francien) damals nicht sehr groß, unddie Vasallen waren noch unabhängig genug, sich nicht den Befehl zurAusweisung der jüdischen Bekenner aus ihrem Lande aufzwingen zulassen. So durften sie nicht nur in dem größten Theile Frankreichswohnen bleiben, sondern auch die unter Philipp August Ausgewiesenenkonnten sich dort niederlassen. Das talmudische Lehrhaus von Paris ging
sb Inno sxpoliubi suiw s-nio sb urZ'snto sb vsstnbus. Vaisette emendirtXIV. Os-l. statt XVI., und so mutz man es auch bei de Diceto thun undzwar Oal. Usbrrmrii, nicht Nartii. Daß diese Thatsache ins Jahr 1180 undnicht erst ein Jahr später zu setzen ist, geht aus Rigord's Worten hervor undauch aus dem Umstande, datz Philipp's Vater damals noch am Leben war.st Rigord a. a. O. st Das. st Das.
Graetz, Geschichte der Juden. VI.
14